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Lebensraum Badegewässer

© M. Staudt, grafikfoto.de

Lebensraum Badegewässer

Die Badegewässer an den Küsten der Nord- und Ostsee sowie in den Binnengewässern unterliegen verschiedenen Einflüssen, die ihren Zustand beeinflussen können.

Algen in Nord- und Ostsee

Blasentang Der Blasentang, eine Braunalge, gehört zu den Makroalgen © G. Petzold, Sozialministerium

Der größte Teil der in Nord- und Ostsee lebenden Pflanzen sind Algen, die sich in Mikro- und Makroalgen unterteilen lassen. Ein zeitweise verstärktes Vorkommen giftiger Mikroalgen kann sich direkt auf die Gesundheit von Menschen auswirken. Einzelne Mikroalgen sind mit dem bloßen Auge nicht sichtbar, ein verstärktes Vorkommen kann aber Verfärbungen des Wassers, erhöhte Trübung, Schaumbildung und Geruchsentwicklung hervorrufen und ist dann relativ leicht wahrnehmbar. mehr

Blaualgen in Binnengewässern

In schleswig-holsteinischen Seen kann es in den warmen Sommermonaten aufgrund hoher Nährstoffkonzentrationen zu einer sichtbaren Massenentwicklung von Blaualgen (Cyanobakterien) kommen, welche die Seen besonders in Ufernähe mit einem dichten blaugrünen oder grünen Teppich bedecken und die Sichttiefe deutlich herabsetzen.

Blaualgenschaum Blaualgenschaum © Sozialministerium

Bestimmte Blaualgenarten bilden Gifte, die beim Schlucken von Wasser zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen können oder Hautreizungen hervorrufen. Je größer die geschluckte Wassermenge und die Algenkonzentration sind, desto eher besteht die Gefahr einer Vergiftung. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und Kinder, wenn sie beim Planschen und Spielen in Ufernähe viel Wasser schlucken. mehr

Näheres zu diesem Thema finden Sie außerdem unter Blaualgenblüte.

Einflussfaktoren auf die Sichttiefe eines Badegewässer

Die Sichttiefe in einem Badegewässer ist abhängig von der natürlichen Trübung durch Plankton und anderen Einflüssen.

Ökologischer Zustand von Seen in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein ist geprägt durch zahlreiche Seen unterschliedlicher Größe und Ausprägung. Viele dieser Seen sind aufgrund natürlicher Gegebenheiten eutroph (nährstoffreich). Des Weiteren weist ein Großteil der Seen eine maximale Tiefe von höchstens 15 m auf (sogenannte „flache Seen“). Insbesondere flache eutrophe Seen reagieren empfindlich gegenüber zusätzlichen Nährstoffeinträgen aus dem Einzugsgebiet. Auch in Seen mit verhältnismäßig großem Einzugsgebiet (Größe des Einzugsgebietes ist mindestens 10 Mal größer als die Wasserfläche des Sees) kann es vermehrt zu einer Nährstoffanreicherung kommen.

Untersuchungen über den ökologischen Zustand ausgewählter Seen ergaben, dass diese bereits vor 1000 Jahren eutroph waren. Ein hoher Eutrophierungsgrad, also ein hohes Angebot von im Wasser gelösten Nährstoffen, führt häufig zu einer ausgeprägten Algenentwicklung. Dies kann zu einer verstärkten Trübung des Wassers insbesondere während der Vegetationsperiode führen. Dabei dominieren im Hochsommer häufig Blaualgen im Plankton (der Gesamtheit der frei im Wasser schwebende Mikroorganismen) der Seen. Ein nährstoffreicher See mit starkem Algenwachstum ist also nicht grundsätzlich eine Folge negativer Umwelteinflüsse, sondern kann durchaus natürliche Ursachen haben.

Einflüsse auf den Nährstoffgehalt von Seen
Durch intensive Nutzung innerhalb des Einzugsgebietes kann sich die Eutrophierung eines Gewässers stark erhöhen. Zusätzliche anthropogene, also durch menschliche Aktivitäten bedingte Einflüsse, insbesondere die Einleitung von Abwasser und intensive landwirtschaftliche Flächennutzung, tragen ebenfalls in erheblichem Ausmaß zur Eutrophierung bei. Starke Regenfälle begünstigen durch Abschwemmung gleichermaßen einen sprunghaften Anstieg des Nährstoffangebotes in einem Gewässer (und damit vermehrtes Algenwachstum). Eine weitere Eintragsquelle von Stickstoff in die Gewässer ist der unverändert zunehmende Straßenverkehr (Personenverkehr, Güterverkehr), da durch die Abgase der Kraftfahrzeuge hohe Stickstoffkonzentrationen über die Luft in die Gewässer „abregnen“.

Seenuntersuchungsprogramm Schleswig-Holstein
Die Entwicklung effektiver Entlastungsmaßnahmen bedarf einer individuellen Betrachtung jedes Sees. In Schleswig-Holstein werden daher seit nunmehr über 40 Jahren Seenuntersuchungsprogramme durchgeführt und Empfehlungen zum Schutz der Seen ausgesprochen. Bisher sind im Rahmen dieser Programme etwa 130 von den rund dreihundert natürlichen Seen des Landes durch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) untersucht worden. Von den 62 größeren natürlichen Seen des Landes ist nur ein See, der Selenter See, im guten ökologischen Zustand und entspricht damit den Umweltzielen der EU. mehr

Regenerationsfähigkeit der Seen
Im Rahmen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie werden Entlastungsmaßnahmen für die Gewässer durchgeführt. Die Regenerationsfähigkeit eines Sees, das heißt die Fähigkeit sich nach einer vorübergehenden Belastung wieder zu erholen, ist bei tiefen Seen stärker ausgeprägt als bei flachen. Sie ist auch, da die Größe des Einzugsgebiets maßgeblich den Stoffeintrag bestimmt, bei Seen mit kleinem Einzugsgebiet größer als bei solchen mit großem Einzugsgebiet.
Bei flachen Seen, also bei weit über fünfzig Prozent der Seen in Schleswig-Holstein, sind mit den Maßnahmen nur sehr langfristig sichtbare Erfolge zu erzielen. Erschwerend kommt hinzu, dass bei gleich großem Wasservolumen eines Sees Lichteinfall und Erwärmung des Wasserkörpers eines flachen Sees größer sind als bei einem tieferen See. Dies hat zur Folge, dass bei gleicher Menge an Nährstoffen bei einem flachen See das Planktonwachstum höher ist als bei einem tiefen See. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn kontinuierlich im Sediment eines Sees abgelagerte Nährstoffe remobilisiert werden und damit wieder in das Wasser gelangen.

Der Fuß ist aufgrund der Trübung im Wasser nicht zu sehen Der Fuß ist aufgrund der Trübung im Wasser nicht zu sehen © G. Petzold, Sozialministerium

Ursachen für geringe Sichttiefen
In den meisten Seen in Schleswig-Holstein wird die Trübung des Wassers und die damit einhergehenden geringen Sichttiefen vor allem durch das Wachstum von Plankton verursacht, wobei in der Regel in den Sommermonaten insbesondere das Wachstum von Algen und Blaualgen (Cyanobakterien) entscheidend zur Trübung beiträgt. Des Weiteren können zum Beispiel der Rapspollenflug oder Sedimentaufwirbelungen durch Wind und Wellenschlag das Wasser vorübergehend trüben.

Zusammenfassung
Das Problem geringer Sichttiefen durch Algenentwicklung in den schleswig-holsteinischen Seen ist hinlänglich bekannt. Allerdings lässt sich faktisch nur bei den anthropogen bedingten Ursachen Abhilfe schaffen.

So wurden bereits in der Vergangenheit größere punktuelle Stoffeinträge (zum Beispiel Abwasser) durch zahlreiche Sanierungs- und Entlastungsmaßnahmen deutlich verringert. Diese Maßnahmen werden auch in Zukunft fortgesetzt. Ebenso kann durch Schaffung von Uferrandstreifen, die nicht gedüngt werden, der Nährstoffeintrag aus der Fläche bei Starkregen verringert werden. Technische Maßnahmen im See wie zum Beispiel Tiefenwasserbelüftung können allenfalls nach erfolgter Sanierung des Gewässers zur Stabilisierung zeitlich befristet empfohlen werden.

Sinnvolle Abhilfe durch die oben genannten Entlastungsmaßnahmen im Einzugsgebiet könnte jedoch selbst unter optimalen finanziellen Voraussetzungen nur bei etwa der Hälfte der Seen in Schleswig-Holstein mittelfristig, das bedeutet in etwa über einen Zeitraum von zwanzig Jahren, zu sichtbaren Erfolgen führen.

Die oben erwähnten Aussagen bezüglich der Seen gelten im wesentlichen auch für die schleswig-holsteinischen Flüsse.

Zerkarien in Binnengewässern

Süßwasserschnecke Süßwasserschnecken dienen als Zwischenwirt für Zerkarienlarven © G. Petzold, Sozialministerium

Die Hauptschwärmzeit der Zerkarien beginnt mit der allgemeinen Badesaison im Frühsommer und erreicht im Spätsommer einen zweiten Höhepunkt. Besonders nach Schönwetterperioden werden gehäuft Fälle von Badedermatitis registriert. Die Erreger der Badedermatitis oder der Zerkariendermatitis sind kleine Gabelschwanzlarven von Saugwürmern, die eigentlich Wasservögel befallen. Der Mensch, der ebenfalls befallen wird, wenn er im Süßwasser badet, ist ein Fehlwirt. Ein Befall ist für den Betroffenen durch den Juckreiz zwar unangenehm, aber ungefährlich. Da die Schwärmzeit und Überlebensdauer der Larven im Wasser aufgrund ihres komplizierten Entwicklungszyklus nur sehr kurz ist, wird der Badespaß nicht dauerhaft durch Zerkarien gestört. mehr

Wasserasseln in Nord- und Ostsee

Ab und zu tauchen im Küstenbereich von Nord- und Ostsee größere Mengen von Wasserasseln auf, die sich an Beinen und Armen der Badenden festhalten – wohl in dem Irrglauben, dass es sich dabei um Wasserpflanzen handelt. Durch das Festklammern der Meerasseln mit ihren kleinen Beinen entsteht bei dem Betroffenen der Eindruck, gebissen zu werden. Bis auf dieses etwas unangenehme Gefühl auf der Haut sind Wasserasseln jedoch vollkommen ungefährlich und harmlos. mehr

Mikrobiologische Faktoren wie Darmbakterien und Umweltkeime

Bei einem Badegewässer handelt es sich um ein natürliches Gewässer, das nicht nur Tieren und Pflanzen als Lebensraum dient, sondern in dem auch sehr unterschiedliche mikrobiologische Organismen wie z. B. diverse Bakterien und Mikroalgen vorkommen. Viele Bakterien kommen als sogenannte „Umweltkeime“ natürlicherweise in Gewässern vor, andere, so auch Fäkalkeime (Darmbakterien), können jedoch durch Abwasser und andere Verschmutzungsquellen (z. B. Drainagen, Fehlanschlüsse) eingetragen werden. Unter den pathogenen (krankmachenden) Fäkalkeime können sich, wie immer häufiger nachgewiesen wird, auch antibiotikaresistente Darmbakterien (z. B. multiresistente Gramnegative Bakterien - MRGN) befinden.

Zur hygienisch-gesundheitlichen Bewertung werden in Schleswig-Holstein Badegewässer während der Badesaison, die in der Regel vom 01. Juni bis zum 15. September dauert, regelmäßig beprobt. Die Untersuchungen werden auf zwei große Gruppen von Darmbakterien durchgeführt, nämlich auf Escherichia coli (E.coli) und Intestinalen Enterokokken (I.E.). Die gemessene Anzahl dieser so genannten Indikator- oder Anzeige-Bakterien lässt Rückschlüsse auf den Verschmutzungsgrad des Gewässers mit anderen Mikroorganismen fäkaler Herkunft (Bakterien, beispielsweise MRGN-Keime, Protozoen) zu. Die Untersuchung dieser Indikator-Bakterien ist von der EU vorgeschrieben. Wird einer der in der Badegewässerverordnung genannten Grenzwerte von E. coli oder von I.E. überschritten, erfolgt ein Badeverbot, da davon auszugehen ist, dass das Badegewässer übermäßig mit Keimen fäkalen Ursprungs belastet ist.

Badegäste können generell mit im Badegewässer befindlichen Keimen besiedelt werden, auch mit Darmbakterien unterschiedlicher Art - also auch mit MRGN. Ob eine Besiedlung des Körpers mit Keimen zu einer Erkrankung führt, also wie hoch das Infektionsrisiko ist, hängt jedoch zum Beispiel davon ab, wie pathogen, also krankmachend der Keim ist und wie empfänglich die Person generell für Infektionserreger ist. Eine Antibiotikaresistenz ist nicht mit einer erhöhten Pathogenität verbunden, das heißt, die Wahrscheinlichkeit, aufgrund von antibiotikaresistenten Darmbakterien zu erkranken, ist nicht höher als bei nichtresistenten Darmbakterien. Allerdings können die Folgen im Falle einer Erkrankung erheblich schwerwiegender sein. Generell gilt, dass immungeschwächte Personen ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Krankheitserreger haben. Dazu gehören ältere Menschen mit einer schwachen Immunabwehr oder Personen, die aufgrund von Vorerkrankungen in ihrer Immunabwehr geschwächt sind, zum Beispiel Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Lebererkrankungen, Diabetes mellitus, Alkoholabhängigkeit und sonstigen, die Immunabwehr schwächenden oder unterdrückenden Erkrankungen.

Mit der Festsetzung der oben erwähnten Grenzwerte in der Badegewässerverordnung wird ein möglichst umfassender Gesundheitsschutz für Badegäste ermöglicht, ohne dass eine Wasserprobe auf alle in einem Badegewässer vorkommende Bakterienarten untersucht werden muss.

Wurde an einem Badegewässer ein Badeverbot wegen Überschreitung des Grenzwertes von E. coli oder I.E. verhängt, ist dieses unbedingt zu beachten. Auch nach Starkregen ist mit einem verstärkten Eintrag von Keimen in ein Badegewässer zu rechnen (zum Beispiel durch Wasser, das von einer mit Fäkalien belasteten Kuhweide durch Drainage in ein Gewässer abgeleitet wird). Bei verhängtem Badeverbot - oder gegebenenfalls nach Starkregen - besteht grundsätzlich ein Erkrankungsrisiko aufgrund erhöhter Keimbelastung, weshalb nicht gebadet werden sollte.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat auf seiner Seite Informationen zu antibiotikaresistenten Bakterien in Badegewässern veröffentlicht.

Nähere Informationen zur Antibiotikaresistenz und deren Vorkommen und Ausbreitung finden Sie auf der Seite des Robert-Koch-Instituts (RKI)

Vibrio vulnificus – ein Bakterium in Ostsee und Brackwasser

Mit steigenden Wassertemperaturen in der Ostsee können sich auch Bakterien mit der Bezeichnung „Vibrionen“ stärker vermehren. Diese Bakterien können bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. Diabetes, HIV) über offene Wunden – auch Mückenstiche – in den Körper eindringen und sehr schwere Wundinfektionen verursachen. Infektionen mit Vibrionen sind zwar sehr selten, dennoch erfordert bereits der Verdacht auf eine Infektion mit Vibrionen einen sofortigen Arztbesuch und ein unverzügliches ärztliches Handeln. Gesundheitsbehörden, niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser und Rehakliniken Schleswig-Holsteins sind über das Vorkommen und die Behandlung informiert und aufgefordert, insbesondere bei Risikopatienten mit Wundinfektionen nach Kontakt mit Ostseewasser an diese Art der Infektionen zu denken und entsprechend zu therapieren. In diesem Zusammenhang wird daran erinnert, dass grundsätzlich alle Personen mit offenen Wunden auf das Baden vorsorglich verzichten sollten. mehr

Ein Fisch namens Petermännchen

Petermännchen, eine Fischart, halten sich gerne im Flachwasserbereich von Küstengewässern auf. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass Badegäste oder Strandspaziergänger, die im flachen Wasser waten, auf ein Petermännchen treten und von diesem gestochen werden. mehr

Quallen

Zu diesem Thema steht Ihnen ein Faltblatt mit weiteren Informationen zur Verfügung.

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