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Vertragsnaturschutz

© M. Ruff / grafikfoto.de

Vertragsnaturschutz - ein Instrument des freiwilligen Naturschutzes mit der Landwirtschaft

Der Vertragsnaturschutz löst Nutzungskonflikte mit der Landwirtschaft und leistet damit einen zentralen Beitrag zur Umsetzung der europarechtlichen Verpflichtungen des Landes, insbesondere durch die Förderung derjenigen Arten, die auf eine den Naturschutz berücksichtigende Landbewirtschaftung angewiesen sind.

Über 50 % der Tier- und Pflanzenarten, die in den Roten Listen als bedroht und in ihrem Bestand gefährdet eingestuft wurden, sind auf Agrar-Lebensräume angewiesen. Dies gilt insbesondere auch für viele Arten und Lebensraumtypen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und der EG-Vogelschutzrichtlinie. Damit wird die Notwendigkeit des Schutzes der Biodiversität in der Agrarlandschaft unterstrichen.

Hierzu bietet die Landesregierung - durchgehend seit 1986 - den Landwirten Verträge mit fünfjähriger Laufzeit an, um auf freiwilliger Basis naturnähere Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten zu schaffen oder zu erhalten.

Die Unterstützung wird als flächenbezogene Zahlung je Hektar Vertragsfläche gewährt und gelangt im fünfjährigen Verpflichtungszeitraum als jährlicher Zuschuss zur Auszahlung. Der Verpflichtungszeitraum beträgt fünf Jahre und kann bis zum Ende der Förderperiode um jeweils ein Jahr verlängert werden.

VNS - Grundsätze und Leitlinien (PDF 867KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen haben gezeigt, dass z. B. die reduzierte Beweidungsintensität im Frühjahr/Sommer, aber auch die ganzjährige (extensive) Beweidung, spätere Mähtermine sowie der Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel-Einsatz vielfach notwendige Voraussetzungen der Bestandssicherung sind, um beispielsweise die Lebensbedingungen von Amphibien zu verbessern oder den Bruterfolg von Wiesenvögeln zu erhöhen.

Bewirtschaftungsbeschränkungen allein sind jedoch nicht für alle Zielarten und Lebensgemeinschaften ausreichend. Wichtig sind z. B. auch zusätzlich hohe Wasserstände in den Flächen, um es den Wiesenvögeln zu ermöglichen, den Boden nach Nahrung zu durchstochern, oder neue Knicks und Gehölze, um durch Bereicherung der landschaftlichen Strukturvielfalt die Habitatansprüche zahlreicher wirbelloser Tierarten zu erfüllen. Die Biotop gestaltenden Maßnahmen sind daher für einige (Wiesenvogel relevante) Vertragsmuster obligatorischer Bestandteil der Verträge. Für andere Vertragsmuster können die Landwirte auf freiwilliger Basis die Ausführung Biotop gestaltender Maßnahmen vereinbaren.

Seit 2006 ist der Vertragsnaturschutz gestärkt und als freiwillige Form des Naturschutzes zur vorrangigen Umsetzung des Netzes Natura 2000 und der EU-rechtlichen Artenschutz Verpflichtungen weiterentwickelt worden. Die Vertragsmuster werden insbesondere in den FFH- und EG-Vogelschutzgebieten sowie den Naturschutzgebieten angeboten. Darüber hinaus ist ein Vertragsabschluss auch für Flächen mit Vorkommen von FFH-Lebensraumtypen bzw. Arten des Anhangs IV FFH-Richtlinie (z.B. Amphibienarten) sowie Vogelarten, die auf landwirtschaftlichen Flächen brüten (z. B. Kiebitz), möglich. Mit diesen räumlich-inhaltlichen Schwerpunktsetzungen soll das europäische Naturerbe gemeinsam mit der Landwirtschaft nachhaltig entwickelt werden. Die Fördergebietskulisse zum Vertragsnaturschutz befindet sich zur Zeit in der Überarbeitung.

Hinweis: Für das Vertragsmuster "Rastplätze für wandernde Vogelarten" gelten besondere Fördergebietskulissen.

Gänserastplatzkulisse (PDF 2MB, Datei ist nicht barrierefrei)

Detailkarten (zip 22MB, Datei ist nicht barrierefrei)

Informationen zu den verschiedenen Vertragsmustern des Vertragsnaturschutzes

Inhaltlich ist die Zahl der Vertragsmuster gestrafft und ein Schwerpunkt auf die Beweidung gelegt worden, da die "Maulschere" des Viehs den Aufwuchs strukturiert und viele Arten- und Lebensgemeinschaften des Dauergrünlands gerade hiervon am stärksten profitieren. Seit dem Jahr 2015 wird das Halligprogramm als Vertragsmuster im Rahmen des Vertragsnaturschutzes angeboten. Im Rahmen dieses Programms fördert das Land seit 1987 eine extensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Halligen Langeneß, Oland, Gröde, Hooge und Nordstrandischmoor und seit 2007 eingeschränkt auch die Halligen Südfall und Süderoog.

Die zu den angebotenen Vertragsmustern des Vertragsnaturschutzes bestehenden Kurzinformationen finden Sie unter den Links der jeweiligen Vertragsmuster in nachfolgender Übersicht.

Für die laufende ELER-Förderperiode 2014-2020 wurden im Rahmen des "Landesprogramm Ländlicher Raum" (LPLR) folgende Vertragsmuster entwickelt, die in Höhe von 75% (100%) durch die EU kofinanziert/ (finanziert) werden:

Umsetzungs-
instrument
Bewirtschaf-
tungsauflagen
Ausgleichs-
zahlung
Bemerkungen
Vertragsnaturschutz
(VNS)

(i. d. R.) Verzicht auf
Düngung u. Pflanzenschutz;
verringerte Besatzdichte;
spätere Mahd;

freiwillige oder obligatorische Biotopgestaltungs-maßnahmen
(BGM)

(40,-- bis 750,-- €/ha u. Jahr)

(nur bei freiwilligen BGM: 30,-- € je 1% pro ha Vertragsfläche)

Verträge mit 5-jähriger Laufzeit;



Beantragung und
Vertragsabschluss über Landgesellschaft (LGSH)

Weidegang (PDF 20KB, Datei ist nicht barrierefrei)Mit Bodenbearbei-
tungssperrfrist
Ohne Bodenbearbei-
tungssperrfrist

100,-- €/ha u. Jahr


80,-- €/ha u. Jahr

freiwillige BGM
Weide-Wirtschaft (PDF 16KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Standweide (max. 3 Tiere/ha);

Mahd ab 21.06. o. 16.07.

Halboffene Weidelandschaft
Winterweide

310,-- €/ha u. Jahr;

300,-- €/ha

380,-- /120,-- €/ha

+ Zuschlag in Gänsefrühjahrs-/ Sommerrastgebieten 50,-- €/ha

freiwillige BGM
Weide-Wirtschaft Moor (PDF 12KB, Datei ist nicht barrierefrei)Standweide (max. 4 Tiere/ha);
Mahd ab 21.06.; [wahlweise
organ. Düngung zulässig]
340,-- € / [270,-- €];
330,-- € / [260,-- €]
freiwillige BGM
Weide-Wirtschaft Marsch (PDF 12KB, Datei ist nicht barrierefrei)Standweide (max. 4 Tiere/ha);
Mahd ab 21.06.; [wahlweise
organ. Düngung zulässig]

400,-- € / [330,-- €];
390,-- € / [320,-- €]

+ Zuschlag in Gänsefrühjahrs-rastgebieten von 50,-- bis 70,--€/ha

obligat. BGM (Vernässungsmaßnahmen
Weide-Landschaft Marsch (PDF 194KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Grüne Flächen: ohne Vorgabe
von Tierzahl o. Mahdtermin,
[wahlweise kein Schleppen etc. 01.04.-20.06.];

Gelbe Flächen: max. 4 Tiere/ha; Mahd
ab 21.06., organ. Düngung
zulässig;

Rote Flächen: Standweide
(max. 4 Tiere/ha)

100,-- € / [120,-- €]

400,-- €/ha u. Jahr

500,-- €/ha u. Jahr
+ Zuschlag in Gänsefrühjahrs-rastgebieten von 50,-- bis 70,--€/ha

Einbeziehung des gesamten einzelbetriebl. Grünlandes;
mindest. 10 % Rote Flächen;
obligat. BGM (Grabenanstau; auf Roten Flächen Vernässungsmaßnahmen auf der Fläche)
Grünlandwirtschaft Moor (PDF 14KB, Datei ist nicht barrierefrei)Grüne Flächen: ohne Vorgabe von Tierzahl o. Mahd;
Verzicht auf Schnittnutzung
Gelbe Flächen:
Mahd ab 21.06.;
Standweide (max. 4 Tiere/ha)
Rote Flächen

40,-- €/ha u. Jahr

120,--€/ha u. Jahr

290,-- €/ha u. Jahr
300,-- €/ha u. Jahr

Temporärer Wassereinstau;
mit oder ohne Tierzahlbegrenzung,
Mahd ab 21.06.
500,-- €/ha u. Jahr
Rastplätze für wandernde Vogelarten (PDF 12KB, Datei ist nicht barrierefrei)Flächenbestellung und Aussaat von Winterraps (vor Vertragsbeginn und danach jährlich bis 15.10.) o. Wintergetreide (bis 01.10.), keine mineralische Bodenbearbeitungs-maßnahmen.; ab 01.04 Weiterbewirtschaftung zulässig
Flächenbestellung und Aussaat mit Klee- oder Ackergras bis spätestens 15.09. vor Vertragsbeginn, Umbruch und Anbau Folgekultur im letzten Vertragsjahr ab 16.09.
360,-- €/ha u. Jahr;

(in traditionellen Gänse-Frühjahrsrastgebieten bei fünfjähriger Kleegrasansaat 430,-- €/ha u. Jahr)
Duldung von rastenden und nahrungssuchenden Gänsen, Enten und Schwänen
Hallig-programm (PDF 28KB, Datei ist nicht barrierefrei)Bewirtschaftung-sentgelt
Ringelgansent-schädigung
Extensivierungs-zuschuss
Salzwiesenprämie
180,--/ha u. Jahr
10,-- bis 120,-- /ha
60,--/ha
330,--/ha
Nur für Ökobetriebe
Kleinteiligkeit im Ackerbau (PDF 18KB, Datei ist nicht barrierefrei)3 verschiedene Hauptfruchtarten, davon mindestens eine Leguminose als Hauptfrucht; Verkleinerung der Schläge (mind. 2 ha – höchstens 5 ha);
Brach-/Blühflächen (mind. 5 % der Gesamtfläche)
240,-- €/ha u. JahrNur für Ökobetriebe
Ackerlebens-räume (PDF 394KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Nur für mineralisches Ackerland, Begrünung nach Bodenbearbeitung und ggf. Aussaat i,d,R. im Frühjahr, keine Düngung etc.
- Selbstbegrünung

- gezielte Begrünung

625,--€/ha und Jahr

750,-- €/ha
Bei Anrechnung als ökologische Vorrangfläche (368,-- €/ha u. Jahr)

Anrechnung ÖVF
nur bei Bienenweide möglich

Aufgrund der Verordnung (EG) Nr. 1305/2013 über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) beteiligt sich die Europäische Gemeinschaft maßgeblich an der Finanzierung der Förderung des Vertragsnaturschutzes.

Ansprechpartner und Antragsformular

Die Landgesellschaft Schleswig-Holstein mbH, Fabrikstraße 6, 24103 Kiel, führt das Programm Vertragsnaturschutz im Auftrage des Landes Schleswig-Holstein durch. Die Landgesellschaft ist fernmündlich über die Telefonnummer 0431 54443 - 0 (= Vermittlung) bzw. über den Nebenstellenanschluss - 411 (zuständiger Ansprechpartner: Herr Jochen Thun) oder - 299 (= Fax) erreichbar. Dort können auch weitere Einzelheiten der Förderung in Erfahrung gebracht werden.

An einer Teilnahme am Förderprogramm Vertragsnaturschutz interessierte Landwirte können sich das aktuelle Antragsformblatt hier herunterladen:

VNS-Antrag 2017 (PDF 107KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Antragsschluss bei der Landgesellschaft ist vorbehaltlich spezifischer EU- und Landesregelungen für die Ackervertragsmuster "Rastplätze für wandernde Vogelarten", "Ackerlebensraum" und "Kleinteiligkeit im Ackerbau" der 01.07. eines Jahres und für die übrigen Grünlandvertragsmuster ist der Antragsschluss am 01.10. eines Jahres.

Pressemitteilungen

Bauernblatt

Artikel vom 25.07.2015 "Freiwilliger Naturschutz auf dem Acker" (PDF 371KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Artikel vom 01.08.2015 "Gänseland Schleswig-Holstein" (PDF 359KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Artikel vom 04.06.2016 "Angebote des Vertragsnaturschutzes auf dem Acker" (PDF 179KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Wild- und Honigbienen in der Agrarlandschaft

Das Honigbienensterben ist heutzutage weltweit durch die Medien präsent, aber auch die Wildbienen, zu denen übrigens auch die Hummeln gehören, haben in unserer technisierten Welt zunehmende Schwierigkeiten.
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Weitere Informationen

Diese Kategorie umfasst zukünftig alle Flächen, die durch Biotop gestaltende Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Vertragsnaturschutz entstanden sind.