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Ökotoxikologisches Gefahrenpotential versenkter Munition in der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee

© M. Staudt / grafikfoto.de

Ökotoxikologisches Gefahrenpotential versenkter Munition in der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee

Externe Fachleute haben das ökologische Gefahrenpotential versenkter Munition für Schleswig-Holstein auf der Basis neuer wissenschaftlicher Veröffentlichungen gutachterlich bewertet. Diese Studie mit dem Titel "Ökotoxikologisches Gefahrenpotential durch spreng-stofftypische Verbindungen (STV) und Tabun aus Munitionsaltlasten in der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee" wurde auf Veranlassung des Ministeriums für Landwirt-schaft, Umwelt und ländliche Räume und des Innenministeriums des Landes Schleswig-Holstein erstellt und beschreibt die Situation aus der Sicht der beauftragten Ingenieurgesellschaft. Die Studie dokumentiert bisherige Untersuchungen und Erkenntnisse, bewertet die Situation aus heutiger Sicht wissenschaftlich und gibt Handlungsempfehlungen für den weiteren Umgang mit Munitionsaltlasten im schleswig-holsteinischen Küstenbereich.

Die ersten fünf Kapitel beschreiben vor allem die gegenwärtigen Umweltbedingungen der Küstengewässer und ihre Lebensgemeinschaften sowie das Umweltverhalten der wichtigsten chemischen Verbindungen, die für Sprengstoffe und ihre Abbauprodukte typisch sind (STV).
Aktualisiert wurde die Beurteilung des Kampfstoffs Tabun in Bezug auf sein ökotoxikologisches Potential. In weiteren Kapiteln werden konkrete Gefährdungen für genannte Versenkungsgebiete vorgestellt und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Vorgeschlagen wird auch ein modular aufgebautes Schema zur Risikoeinschätzung munitionsbelasteter Flächen.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass

  • unter bestimmten Bedingungen und im Nahbereich von Munitionskörpern mit offenliegender Sprengstofffüllung toxische Konzentrationen von STV in den umgebenden Meeresboden oder das Meerwasser gelangen könnten,
  • mit einiger Sicherheit davon ausgegangen werden darf, dass eine großräumige, längerfristig schädigende Wirkung auf marine Ökosysteme durch die Freisetzung von STV und Tabun nicht zu befürchten ist,
  • verlässliche Aussagen über eventuelle flächige Beeinträchtigungen jedoch nur möglich sind, wenn weitergehende Informationen über Lagerungsdichten und Zustand der versenkten Munitionskörper sowie toxikologische Auswirkungen vorliegen,
  • somit eine abschließende Bewertung derzeit nicht möglich ist und
  • Kenntnisdefizite durch gezielte Untersuchungen an speziell ausgesuchten Versenkungsstellen behoben werden müssten.

Anlass für diese umfassende Studie gaben zum einen Befürchtungen, die am Meeresboden lagernde Munition könne die marine Umwelt gefährden, zum anderen die in internationaler Zusammenarbeit gewonnenen, aber immer noch lückenhaften Erkenntnisse zum Thema. Insbesondere die Frage der korrosionsbedingten Freisetzung von sprengstofftypischen Verbindungen und Kampfstoffen in die marine Umwelt und deren Wirkung auf benthische und pelagische Lebensräume war bisher nicht systematisch bewertet worden.
Die vor diesem Hintergrund erstellte und jetzt vorliegende Studie soll Grundlage für die weitere Befassung mit dem Thema sein.

Studie "Ökotoxikologisches Gefahrenpotential durch sprengstofftypische Verbindungen und Tabun aus Munitionsaltlasten in der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee" (PDF 12MB, Datei ist nicht barrierefrei)