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Gemeinsam die Halligen schützen


Wie lassen sich die Halligen vor steigendem Meeresspiegel und stärker werdenden Sturmfluten schützen? Wie im Einklang mit Natur und Menschen vor Ort Antworten auf diese Frage gefunden werden, zeigt das Projekt "ECOHAL".

Letzte Aktualisierung: 05.07.2024

Luisa Rieth steht vor einer Warft im Watt.
Die Norderhörn Warft liegt direkt an der Halligküste und soll verstärkt werden. ECOHAL-Projektleiterin Luisa Rieth berichtet im Interview von den geplanten Vorhaben.

Das Leben auf den norddeutschen Halligen ist geprägt vom Meer und den Gezeiten – und immer öfter auch von Sturmfluten: Wie die gesamte Nordseeregion sind auch die Halligen von den Veränderungen des Klimawandels betroffen. Mit dem Pilotprojekt ECOHAL versuchen die Menschen vor Ort nun, naturbasierte Antworten darauf zu finden.

Deckwerke verhindern Hallig-Wachstum

Knapp 300 Menschen leben auf den insgesamt zehn Halligen, außerdem sind sie Heimat für rund 60.000 brütende Küstenvögel. Durch ihre Lage sind die Halligen vom steigenden Meeresspiegel besonders betroffen und müssen vor starken Wellen und Strömungen geschützt werden. Deshalb dienen flach ansteigende Steinwälle, sogenannten "Deckwerke" als Wellenbrecher und befestigen die Halligkanten.

Gleichzeitig leben die Halligen davon, dass die Sturmfluten auch Sediment aufspülen. Ist das Deckwerk zu hoch, gelangen weniger Schlick und Sand auf die Halligen – mit der Folge, dass die Halligen nicht ausreichend mit dem Meeresspiegelanstieg in die Höhe wachsen können.

Drei LKN-Mitarbeiter stehen auf dem Hallig-Igel und werden von einm Kameramann gefilmt.
Bahne Hinrichsen (links) beobachtet die Erosion hinter den Deckwerken der Hallig.

Deckwerke schützen vor Landabtragung

"Viele Deckwerke müssen erneuert werden und haben Verstärkungsbedarf", erklärt Luisa Rieth vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Während der Planungen sei die Frage aufgekommen, ob es nicht eine naturverträglichere Lösung gäbe, als die die Deckwerke wie bisher einfach zu erhöhen und zu verstärken.

Überflutung zulassen und gleichzeitig verhindern, dass die Sturmfluten die Halligen Stück für Stück "auffressen" – das ist das Ziel von ECOHAL. Der Name steht für "ECOsystem based protection of the HALligen under stronger sea level rise" (deutsch: "Naturbasierte Lösungen für den Schutz der Halligen vor dem steigenden Meeresspiegel").

Luisa Rieth steht vor der Kamera.
Projektleiterin Luisa Rieth schaut sich bei den Hallig-Begehungen die Lage vor Ort an.

Ein europäisches Projekt

Mit dem ECOHAL-Projekt ist das LKN gleichzeitig in das EU-Nordseeprojekt MANABAS COAST eingestiegen, bei dem 16 Partner, unter anderem aus Dänemark, Schweden und den Niederlanden, in insgesamt 14 Pilotprojekten an naturbasierten Küstenschutzlösungen arbeiten. "Die Internationalität des Projekts gibt uns die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und zu Lösungen zu kommen, für die wir vermutlich allein viel länger gebraucht hätten, um sie zu finden", sagt ECOHAL-Leiterin Rieth. Die Europäische Union übernimmt rund 60 Prozent der Kosten für das Pilotprojekt auf den Halligen.

Küstenschutz als Beteiligungsprozess

Das Projekt wolle man dabei als Beteiligungsprozess gestalten und möglichst viele Interessensgruppen einbeziehen, betont Rieth. Dieser sogenannte "Multi-Stakeholder-Ansatz" soll einerseits verschiedene Perspektiven und Ideen zusammenbringen. Gleichzeitig sorgt er für eine nachhaltige Umsetzung und größere Akzeptanz der Menschen vor Ort. Bei Besuchsterminen im Frühjahr 2024 hatte sich Rieth daher mit den Bewohnern der Halligen, den "Halliglüüd" ausgetauscht. Einen ersten Überblick über das Projekt gibt es im Video.

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