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Schulen Schleswig-Holstein
: Thema: Ministerien & Behörden

Unterricht partizipativ denken

Selbst bestimmen, individuell Formate und Gruppen wählen – beim Fachtag „Lernen im Wandel“ entwickelten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Schule, Forschung und Bildung neue Ideen zum Lernen.

Letzte Aktualisierung: 05.06.2026

Mehrere Menschen sitzen in einem Sitzkreis zusammen und sprechen miteinander.
Offene Runde beim Fachtag „Lernen im Wandel“.

Eigentlich habe ich das bei Corona gemerkt – selbst zu lernen hat mich total vorangebracht. Und dann habe ich angefangen, darüber nachzudenken, wie viele Vorteile partizipatives Lernen hat“, erklärt Jonathan Bork. Der 14-jährige Schüler war Gast und Hauptredner bei der Fachtagung „Lernen im Wandel“, zu der das IQSH nach Kiel geladen hat.

Bei der Tagung ging es darum, das Lernen und letztlich den Unterricht in Schule anders zu denken – hybrid, partizipativ, selbstgesteuert. Im TED-Talk-Format trug Jonathan Bork seine Kernidee vor, dass Schülerinnen und Schüler stärker selbst entscheiden sollten, wo und wie sie lernen – teamweise, in Studyhalls, auf dem Schulflur. Rund 80 Gäste hörten dem 14-Jährigen zu, dessen Ideen an seiner eigenen Schule, dem Landfermann-Gymnasium in Duisburg, bereits einen Wandel ausgelöst haben. Schulleiter Christoph Haering war zunächst skeptisch: „Wir mussten erst lernen, die Ideen ernst zu nehmen. Sie dann zu ergänzen, zu verknüpfen, zu schauen, wie es gelingen kann“, gesteht er ein. Doch mittlerweile ist das Gymnasium, das rund 1.600 Schülerinnen und Schüler besuchen, mitten im Umbau – offene Lernräume, Gemeinschaftsflächen und Auditorien nehmen langsam Gestalt an. Dahinter steht die Bekenntnis zum Growth Mindset. Haering hat dazu mit seinem Kollegium, den Eltern und den Schülerinnen und Schülern einen Innovationsprozess nach bester Projektmanagement-Manier angestoßen. Man brauche zwar auch als Schule viel Durchhaltevermögen, viele Absprachen und eine Kultur des Ausprobierens für einen solchen Veränderungsprozess, betonte Haering. Aber dass dieser richtig sei, steht für ihn außer Frage.

Partizipatives Lernen in Schleswig-Holstein auf dem Programm

In Schleswig-Holstein stoßen die Ideen des 14-Jährigen, der bereits die Telekom-Stiftung, die Bertelsmann-Stiftung und die Bundesbildungsministerin Karin Prien für die Ideen eingenommen hat, auf offene Ohren. Bereits 2025 hat das Land mit dem Rahmenkonzept Schule 2035 übergreifende Lernziele ausgegeben, die für die nächsten Jahre bestimmend sind. Eines davon ist Chancengerechtigkeit. Laut übereinstimmenden Ergebnissen der Bildungsforschung ist ein Aspekt davon, Schülerinnen und Schüler stärker partizipativ einzubeziehen, sie am Lernprozess zu beteiligen und so individuelles Lernen zu stärken – an diesem Punkt setzte die Tagung an.

Mitbestimmt und motiviert

Mitbestimmt zu arbeiten fördert die Motivation“, bestätigte Dr. Maike Abshagen, MBWFK. „Wir erreichen damit mehr Chancengerechtigkeit und Kompetenzentwicklung, denn wenn Schülerinnen und Schüler im eigenen Tempo arbeiten, wird individueller Lernfortschritt ohne Stress und mit mehr Wohlbefinden möglich.“ Auch wenn Lernen in Präsenz stattfinden müsse, weil Schule ein sozialer Ort des Austausches sei, seien viele Mischformen – insbesondere digitale – möglich. „Genau das ist die Aufgabe des IQSH – wir arbeiten im Landesprogramm Zukunft Schule im digitalen Zeitalter mit sieben Partnern in Schleswig-Holstein daran, dass die Schulen auf eine digitale Welt ausgerichtet sind“, betonte Dr. Gesa Ramm, Direktorin des IQSH. Das Institut sei ein Unterstützungssystem und bringe zwar Impulse ein, doch stünden auch hier stets der Austausch, das dialogische und gemeinschaftliche Finden von Lösungen im Vordergrund.

Selbstreguliertes Lernen wirkt

Laut Wissenschaft berühren solche Lernformen den Bereich des selbstregulierten Lernens. Dr. Sophus Renger von der CAU zu Kiel erklärte in seinem Vortrag prägnant, was die Voraussetzungen dafür sind, welche Bedingungen es braucht, damit solches Lernen gelingt und welchen Einfluss es auf die Persönlichkeitsbildung entfalte. „Es ist kein Selbstläufer“, betonte der Wissenschaftler, es brauche sehr wohl eine pädagogisch fundierte Anleitung. Doch gut begleitet könnten diese Settings immens wirksam sein, neben dem fachlichen Lernen auch für die Persönlichkeitsentwicklung.

Austausch und Mitsprache für Schülerinnen und Schüler

In den Räumen des RBZ Wirtschaft in Kiel geht es an diesem Tag neben Austausch, Ideen und Vernetzung auch um Beteiligung. Deshalb sind neben Expertinnen und Experten aus Forschung, Bildung und Praxis auch Schülerinnen und Schüler aus Gemeinschaftsschulen, Gymnasien, Förderzentren und beruflichen Schulen vertreten. „Ich bin schon sehr gespannt auf die Diskussion, die Schülervertretung fordert das ja schon lange“, sagt Jannes Hagemeier, stellvertretender Landesschülersprecher der Landesschülervertretung Berufliche Schulen Schleswig-Holstein. „Es ist jedenfalls klasse, dass wir eingeladen sind und gehört werden“, ergänzt Emma Fur, stellvertretende Schülersprecherin der Gemeinschaftsschulen.

Ergebnisse fließen in weitere Planung ein

Nicole Haferlandt, Koordinatorin aus dem Landesprogramm Zukunft Schule im digitalen Zeitalter, betont: „Wir wollen auch Ideen aus der Schülerschaft Raum geben und gemeinsam nachdenken, welche hybriden Settings innerhalb der Schule denkbar sind. Es gibt unterschiedliche Bedarfe – wie lassen sich unterschiedliche Lernansprüche in der Schule umsetzen?“ Um wirklich alle zu beteiligen, sind auch die beruflichen Schulen mit den allgemeinbildenden Schulen eingeladen. Mit den Ergebnissen der Tagung wird das IQSH weiterarbeiten – als Elemente der Fortbildungsplanung.

Fixed Mindset – Growth Mindset

Leitende Denkweisen für menschliches Handeln und Treffen von Entscheidungen, entwickelt durch die Psychologin Carol Dweck.

Das Growth Mindset basiert auf der Einstellung, dass Fähigkeiten nicht festgelegt sind. Sie lassen sich durch Anstrengung, Übung und Ausdauer entwickeln. Individuelle Entwicklungen werden unter der Perspektive des Leitsatzes „Ich kann das NOCH nicht.“ betrachtet und führen zusammen mit einer konstruktiven Fehlerkultur durch das positive Selbstbild und das Annehmen von Herausforderungen zu deutlich mehr Lernzuwachs als das

Fixed Mindset – eine ebenfalls feste Mentalität, die dem Gedanken folgt, Intelligenz und Fähigkeiten seien von Geburt an festgelegt und unveränderlich. Dies führt häufig zu Demotivation und Selbstblockade.

Quelle: „Growth Mindset“ vs. „Fixed Mindset“: Beginnt Erfolg wirklich im Kopf? | Projekt Agility Lab | Universität Stuttgart Zugriff am 30.06.2026

Impressionen der Veranstaltung

Das Team der Vortragenden beim Fachtag im RBZ Kiel v. l. n. r. Christoph Haering, Jonathan Bork, Dr. Maike Abshagen, Dr. Sophus Renger, Dr. Gesa Ramm, Nicole Haferlandt und Gastgeber Gerhard Müller.
Dr. Maike Abshagen, MBWFK, betonte, wie wichtig Schule als sozialer Raum des Austauschs sei.
Jonathan Bork, 14, stellte seine Idee des hybriden Lernens vor, die den Impuls zur Tagung gab.
Ziel der Tagung war der Austausch – auch mit Schülerinnen und Schülern.
Jannes Hagemeier, Jonathan Bork, Lilian Laußat, Rena Spilok und Emma Fur nutzen die Gelegenheit, die Schülerperspektive einzubringen.
Gemischte Gruppenarbeit aus vielen Perspektiven – in der Arbeitsphase war Input aller Beteiligten gefragt.

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