Im Jahr 1426 schufen die Nordfriesen mit der "Siebenhardenbeliebung“ ihr eigenes "Grundgesetz“. Beim Jubiläumsfestakt auf Föhr bezeichnete Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen die Aufzeichnung als "politischen Meilenstein und Symbol für Freiheit“.
In einer Zeit des Umbruchs zwischen dem dänischen Königreich und den holsteinischen Herzögen versammelten sich am 17.06.1426 nordfriesische Ratsmänner in der St. Nicolai-Kirche auf Föhr und verfassten ein bemerkenswertes Dokument: die "Siebenhardenbeliebung". Mit diesem frühen "Grundgesetz" wollten sie ihre Selbstbestimmung wahren. Der Name ergibt sich aus der Entstehungsgeschichte – sieben Harden, also Verwaltungsbezirke, hatten diese Satzung gemeinsam erarbeitet.
Politischer Meilenstein
Als "politischen Meilenstein und Symbol für Freiheit" hat der Minderheitenbeauftragte Johannes Callsen diese Satzung nun 600 Jahre später beim Jubiläums-Festakt auf Föhr bezeichnet. Es sei die älteste Aufzeichnung nordfriesischen Rechts und stehe für einen bemerkenswert frühen Ausdruck von Selbstverwaltung, Rechtsbewusstsein und regionaler Eigenständigkeit. "Die Friesische Freiheit gehört zu den großen historischen Erzählungen des norddeutschen Küstenraums. Sie steht für den Anspruch freier Friesen, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, eigenes Recht zu bewahren und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen."
Veranstaltungen zum Jubiläum
Zum Jubiläum der Siebenhardenbeliebung und der friesischen Freiheit organisiert das Nordfriisk Instituut zusammen mit weiteren Partnern ein vielseitiges Programm, das neben dem offiziellen Festakt kulinarische Themenabende, Vorträge und digitale Bildungsangebote umfasst. Callsen dankte dem Institut für die engagierte Arbeit. Diese halte die friesische Sprache, Geschichte und Kultur seit Jahrzehnten lebendig und ordne sie wissenschaftlich ein.
Die Friesen sind eine der vier offiziell anerkannten Minderheiten in Deutschland und leben primär an der schleswig-holsteinischen Westküste sowie auf Helgoland. Ihr wichtigstes Identifikationsmerkmal ist die vielfältige, friesische Sprache, die von etwa 10.000 Menschen aktiv gesprochen wird. Seit 1990 sind Sprache und Kultur der Friesen in der Landesverfassung geschützt.
Signal für die Zukunft
"600 Jahre nordfriesische Freiheit erinnern uns nicht nur an die Vergangenheit. Sie erinnern uns auch daran, dass kulturelle Vielfalt, regionale Identität und demokratische Teilhabe immer wieder neu gepflegt und geschützt werden müssen", mahnte Callsen. Er sei dankbar, dass die Zusammenarbeit zwischen der friesischen Volksgruppe und der Landesregierung von Vertrauen und Respekt geprägt sei. "Schleswig-Holstein lebt bis heute von seiner kulturellen Vielfalt, von regionaler Identität und vom respektvollen Miteinander seiner Minderheiten und Volksgruppen. Die friesische Volksgruppe gehört unverzichtbar dazu", sagte Callsen.
Hinweis zur Verwendung von Cookies
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: