die archäologische Hauptuntersuchung der Superlative auf dem Northvolt-Gelände neigt sich dem Ende zu
Letzte Aktualisierung: 26.06.2024
Im Vorfeld der Baumaßnahmen für die geplante Batteriefabrik der Firma Northvolt finden derzeit archäologische Ausgrabungen durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein statt. Der Bau greift großflächig und tiefgreifend in das archäologische Erbe ein. Die aufgrund der Ergebnisse der Voruntersuchungen ausgewählte archäologisch interessante Fläche liegt auf dem Geestrücken im Übergang zur westlich angrenzenden Marsch. Die Ausgrabungen finden seit März 2023 statt.
Die extrem hohe Dichte und Qualität der Befunde und Funde sowie die außergewöhnlich guten Erhaltungsbedingungen auf einer Fläche dieser Größe sind in Schleswig-Holstein bisher einmalig.
Martin Höfelmann, Sprecher von Northvolt dazu:„Dank der wertvollen Arbeit des Archäologischen Landesamtes gibt es jetzt einen umfassenden Einblick in die reiche Geschichte dieses Ortes. Es ist faszinierend zu sehen, dass unser Baugrund einst Teil eines dicht besiedelten Küstenstreifens war und Menschen hier bereits vor Jahrhunderten wirtschafteten. Mit Northvolt schlagen wir ein weiteres Kapitel der Geschichte auf.“
Seit 15 Monaten sind nun mehrere Teams des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein auf der Fläche unterwegs, insgesamt wurden in der gesamten Grabungszeit 9,1 ha geöffnet und bearbeitet. Die Gesamtgrabungsleitung liegt bei Herrn Eric Müller, die Projektleitung bei Frau Anja Austen.
Die Befunde reichen lückenlos vom Neolithikum bis in die Völkerwanderungszeit, also über einen Zeitraum von mindestens 4600 Jahren, in dem der Mensch seine Spuren hinterlassen hat. Wenige Einzelfunde reichen sogar bis ins Spätpaläolithikum und ins Mesolithikum.
Das Spektrum der archäologischen Befunde ist von herausragender Bedeutung: So war aus der Völkerwanderungszeit (ca. 375 bis 700 n. Chr.) an der schleswig-holsteinischen Westküste bisher nur ein Grubenhaus bekannt, das durch die Ausgrabungen um 65 weitere ergänzt wurde.
Auch Körpergräber aus dieser Zeit sind nur selten nachgewiesen. Eines der Gräber ist reich ausgestattet. Der/dem Verstorbenen wurden Gefäße, mindestens zwei Fibeln (Gewandnadeln) und mindestens eine Bernsteinkette mit ins Jenseits gegeben.
Auch die Grubenhäuser liefern wichtige Informationen: In einem wurde ein vollständiger Satz Webgewichte in situ geborgen, in einem anderen Rohbernstein. Ein deutlicher Hinweis auf handwerkliche Tätigkeit.
Dr. Ingo Lütjens, stellvertretender Amtsleiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein, ist begeistert:„Für uns ist es eine Ausgrabung der Superlative! Bei keiner Ausgrabung in Schleswig-Holstein wurde bisher eine so dichte Konzentration archäologischer Befunde unterschiedlicher Zeitstellung angetroffen wie hier in Lohe-Rickelshof im Vorfeld des Baus der Northvolt-Batteriefabrik. Das ganze Ausmaß der schon jetzt außerordentlichen Bedeutung der Grabungen wird erst nach der wissenschaftlichen Bearbeitung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu erfassen sein. Ein weites Feld für die Erforschung vor allem der eisenzeitlichen Epochen vor ca. 1500–2500 Jahren in dieser besonderen topografischen Lage zwischen Geest und Marsch.“
In den letzten 15 Monaten wurden 16.330 archäologische Befunde auf 9,1 ha Fläche freigelegt und dokumentiert. Innerhalb dieser Befunde konnten bisher die Grundrisse von 205 Langhäusern, 65 Grubenhäusern, 197 Speicher- oder Nebengebäuden, 16 Gräbern (ein spätneolithisches Steinkistengrab, zwei Urnengräber der Vorrömische Eisenzeit, 13 Körpergräber der späten Römischen Kaiser- und frühen Völkerwanderungszeit), 200 Öfen, 4000 Gruben, 40 Brunnen und Wasserschöpfstellen erfasst werden sowie über 100 Grabenabschnitte (Umfassungs- und Parzellengräben, Wand- und Traufgräben), eine Steinkiste, neun Schlagplätze und ein möglicher „Opferplatz“ bzw. Gefäßdeponierungen mit Leichenbrand (Tier).
Hinzu kommen noch eine Wegeführung und zwei urgeschichtliche Laufhorizonte. Bemerkenswert ist auch die Erhaltung der Befunde und Funde. Sie sind durch die mindestens 0,8 m mächtige Bodenüberdeckung besonders gut erhalten.
Hinweis zur Verwendung von Cookies
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: