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Müll im Meer - Nachhaltiger Schutz für unsere Meere

Porträt
Jan Philipp Albrecht

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

© W. Diederich / grafikfoto.de

Hintergrund - Müll im Meer

Der Eintrag von Plastikmüll in marine Systeme stellt nicht nur ein ästhetisches Problem dar, sondern kann auch negative Folgen auf die Meeresumwelt und bestimmte maritime Wirtschaftszweige wie die Fischerei oder den Tourismus haben.

Aktuelle Studien gehen davon aus, dass jährlich 5-13 Mio. t Plastikabfälle ins Meer gelangen. Ein globaler „Peak“ der Abfallproduktion wird aufgrund des fortgesetzten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums vor allem in urbanen Gebieten nicht vor 2100 für realistisch erachtet. Obwohl ein Großteil des marinen Plastikmülls in Schwellen- und Entwicklungsländern generiert wird, in denen Plastikabfälle aufgrund der sozialen Situation und fehlenden Infrastruktur meist nicht fachgerecht entsorgt werden, besteht in Deutschland Potential für eine effizientere Kreislaufwirtschaft, eine grundsätzliche Reduzierung der Produktion von Einwegplastikprodukten und die Entwicklung und Anwendung von Alternativprodukten.

Reduzierung von Plastikmüll

Erste Ansätze zur Reduzierung von Einwegplastikprodukten werden derzeit von der EU ausgearbeitet. Hierzu zählt unter anderem die EU-Richtlinie zur Reduzierung des Verbrauchs von dünnwandigen Plastiktüten. Im Rahmen dieser Richtlinie soll der Pro-Kopf-Verbrauch von dünnwandigen Plastiktüten in der EU bis 2019 zunächst auf 90 Tüten und später bis 2025 auf 40 Tüten reduziert werden. In der EU beträgt der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Verbrauch derzeit 200 Tüten, in Deutschland liegt er bereits bei 75 Tüten.

Mikroplastik

Eine besondere Gefährdung für marine Systeme und Lebewesen stellt das sogenannte Mikroplastik dar. Dabei handelt es sich um Plastikpartikel die kleiner als 0,5 mm sind. Dieses entsteht im Laufe von Jahrzehnten über physikalische und chemische Zersetzungsprozesse von Plastikprodukten. Zum Teil wird es jedoch auch direkt verschiedenen Kosmetika oder Reinigungsprodukten beigesetzt und gelangt anschließend über die Kanalisation und die Flüsse ins Meer. Mikroplastik wird von marinen Lebewesen mit Nahrung verwechselt oder unbeabsichtigt aufgenommen und gelangt so in die Nahrungskette. Da das Mikroplastik auf im Wasser nach unten absinkt, stellt es insbesondere in bodennahen Schichten, wo eine aktuelle Studie ( http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/1/4/140317 ) bis zu 1000 mal mehr Mikroplastikpartikel als in oberflächennahen Bereichen nachweisen konnte, eine Gefahr für marine Lebewesen dar.

Plastikmüll am Deich
© Jennifer Timrott
Sogenanntes Mikroplastik: Plastikpartikel kleiner als 0,5mm
© Jennifer Timrott
Kopf eines toten Vogels
© Jennifer Timrott

Übereinkommen zum Schutz der Meere

Es bestehen internationale Regelungen zum Schutz von Nord- und Ostsee, denen sich auch Schleswig-Holstein verpflichtet sieht. Hierzu gehören u.a. das MARPOL-Übereinkommen, das OSPAR-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks oder das HELCOM-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes.
Im Rahmen der regionalen Übereinkommen wurden die Mengen an Abfällen in der Nordsee trotz Reduktionsbemühungen als „unakzeptabel hoch“ und als ein beständiges Problem für die gesamte Meeresumwelt definiert(OSPAR, 2010). In der Ostsee stellen die Einträge von Abfällen eine physikalische Beeinträchtigung mit Schädigungspotenzial für marines Leben dar (HELCOM, 2010). Die Vertragsstaaten von OSPAR und HELCOM haben daraufhin regionale Aktionspläne zum Thema Müll im Meer erarbeitet.

Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie

Ein europaweit einheitlicher Ordnungsrahmen zum Schutz der Meeresgewässer der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wird seit 2008 erstmals durch die Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie gegeben (siehe auch www.meeresschutz.info ). Im Rahmen dieser Richtlinie hat jeder Mitgliedsstaat der Europäischen Union eine Meeresstrategie zu entwickeln, um über die Umsetzung entsprechender Maßnahmen einen guten Zustand der Meeresgewässer zu erreichen und beizubehalten. Hinsichtlich der Müllbelastung der Meere definiert die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie den guten Zustand folgendermaßen: „Die Eigenschaften und Mengen der Abfälle im Meer haben keine schädlichen Auswirkungen auf die Küsten- und Meeresumwelt.“