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Einspeisemanagement

© M. Staudt / grafikfoto.de

Einspeisemanagement

Aufgrund bundesgesetzlicher Regelungen erhalten Betreiber von Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen für Strom, den sie aufgrund von Netzengpässen nicht einspeisen können, Entschädigungen.

Windkraftanlagen hinter einem Solarpark in Klanxbüll © M. Staudt (grafikfoto.de)

Wie ein im Juni 2018 vorgelegter Bericht der Betreiber der schleswig-holsteinischen Stromnetze und des MELUND zur Abregelung von Strom aus Erneuerbaren Energien (EE) und daraus resultierenden Entschädigungsansprüchen zeigt, wurden 2017 in Schleswig-Holstein 2.967 Gigawattstunden (GWh) Strom aus Wind an Land, Sonne und Biomasse abgeregelt. Dies ist ein Anstieg um gut 10 Prozent gegenüber dem windschwachen Vorjahr 2016 und etwa dieselbe Größenordnung wie 2015. Hinzu kamen 2017 290 Gigawattstunden Abregelung von Offshore-Windenergie mit Netzanbindung in Schleswig-Holstein. Insgesamt wurden 2017 rund 13 Prozent der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Schleswig-Holstein abgeregelt. Die daraus resultierenden Entschädigungsansprüche von Betreibern von Erneuerbaren-Energien-Anlagen betrugen nach Abschätzung der Netzbetreiber und der Bundesnetzagentur 2017 rund 297 Millionen Euro für EE-Anlagen an Land und 54 Millionen Euro für die Abregelung von Wind Offshore.

Mehr Strom aus Erneuerbaren Energien

Angesichts des deutlich windstärkeren Windjahrs 2017, der weiter gestiegenen installierten Leistungen und der Einspeisungen in die Netze von SH Netz und Tennet erwarten das Energiewendeministerium und die Netzbetreiber eine Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien im Jahr 2017 von rund 21,6 Terawattstunden (TWh). Dies ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um mehr als 2 TWh. Die in die Stromnetze aufgenommene Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ist 2017 weiter deutlich angestiegen. Damit ist die in die Stromnetze aufgenommene Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien 2017 weiter und deutlich angestiegen – ein Indikator dafür, dass Netzausbau- und Netzmanagementmaßnahmen in Schleswig-Holstein zu wirken beginnen. Besonders zu nennen sind hier die erfolgten Inbetriebnahmen von Netzteilen in der Höchstspannungsebene (insbesondere erster Abschnitt der Westküstenleitung bis zum Umspannwerk Süderdonn und zweiter Abschnitt der Mittelachse von Hamburg Nord nach Audorf).

Mittelfristig ist zu erwarten, dass die zunehmende Verfügbarkeit des Höchstspannungsnetzes in Schleswig-Holstein den Anteil der abzuregelnden EE-Strommenge reduzieren wird.

Die Entschädigungszahlungen für Engpässe im Höchstspannungsnetz werden von 2019 an bis Ende 2022 schrittweise bundesweit angeglichen. In 2017 und 2018 gehen sie in die Netzentgelte der TenneT ein, die über die Länder Schleswig-Holstein, Bremen sowie Teilen Niedersachsens, Nordrhein-Westfalens, Hessens und Bayerns gewälzt werden.  

Bis der erforderliche Netzausbau erfolgt ist, sollte der Strom aus Erneuerbaren Energien verstärkt auch auf andere Art und Weise genutzt statt abgeregelt werden.

Netzausbau weiter vorantreiben

Der Anstieg der Kosten für Einspeisemanagement ist ein klares Signal, dass der Netzausbau weiterhin energisch vorangetrieben werden muss. Die Landesregierung Schleswig-Holstein und die beteiligten Netzbetreiber sind dabei bereits auf einem sehr guten Weg. Abhilfe werden absehbar die neuen 380 kV-Leitungen in Schleswig-Holstein schaffen: Die Westküstenleitung ist bereits im Bau, die Mittelachse wird verstärkt und auch die Planung für die Ostküstenleitung schreitet konsequent voran.

Bis der erforderliche Netzausbau erfolgt ist, sollte der Strom aus Erneuerbaren Energien verstärkt auch auf andere Art und Weise genutzt statt abgeregelt werden. Im Zuge des Projektes Norddeutsche Energiewende 4.0 wurde das Konzept für die ENKO Plattform (Energie intelligent koordinieren) von SH Netz und ARGE Netz entwickelt: Hierzu wird ein Algorithmus programmiert, mit dessen Hilfe Netzengpässe bereits am Vortag prognostiziert werden können. Dies ermöglicht es, zuschaltbare Lasten auf der ENKO-Plattform auszuschreiben. Als Koordinationsplattform vermittelt ENKO die zur Behebung der Netzengpässe geeignetsten Flexibilitätsangebote. Ziel ist es, mehr lokal erzeugten erneuerbaren Strom vor Ort zu nutzen. ENKO startet diesen Sommer eine Live-Simulation und wird Ende 2018 in den Echtbetrieb übergehen.

Weiterhin gilt es zu verhindern, dass Reststrommengen auf norddeutsche Atomkraftwerke übertragen werden können. Energiewendeminister Robert Habeck begrüßte, dass der Bundesrat Anfang Juni einem Antrag von Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern zugestimmt hat, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, die Übertragung der Restrommengen auf norddeutsche Atomkraftwerke notfalls gesetzlich zu verbieten.