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Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren

Portraitfoto Dr. Heiner Garg
Dr. Heiner Garg

Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren

© zwiebackesser / fotolia.de

Sprechstunde im Internet

Datum 11.09.2019

Mit 500.000 Euro fördert die Landesregierung ein Telemedizin-Projekt an der Westküste, das Seniorenheime digital mit Arztpraxen und Kliniken verbindet.

Schleswig-Holstein altert: Schätzungen zufolge werden 2030 mehr als ein Drittel der Menschen in Schleswig-Holstein 60 Jahre und älter sein – auch die Zahl der Über-80-Jährigen wird deutlich zunehmen. Für die medizinische Versorgung ist das eine besondere Herausforderung, insbesondere im ländlichen Raum: Künftig stünden immer mehr Patienten immer weniger Fachkräften gegenüber, sagte Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg. Deshalb fördere das Land mit dem Versorgungssicherungsfonds innovative Projekte, um Schleswig-Holstein zukunftsfest zu machen.

Einzigartiges Projekt

In Burg (Dithmarschen) überreichte der Minister nun einen Förderbescheid über rund 500.000 Euro für das Projekt "TelemedNetz.SH" an die Projektpartner, darunter das Medizinisches Qualitätsnetz Westküste (MQW). Das bundesweit einzigartige Projekt soll Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen an der Westküste digital verbinden. "Wir setzen damit in Schleswig-Holstein um, was in Fachkreisen häufig nur diskutiert wird", sagte der Minister und betonte, die digitale Technik solle die Menschen entlasten ohne sie zu ersetzen. Das Projekt war durch die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes in der Berufsordnung der Landesärztekammer Schleswig-Holstein 2018 überhaupt erst möglich geworden.

Virtueller Hausbesuch

Zwei Monitore mit Zickzack-Kurven. Die Messgeräte in den Seniorenheimen übertragen digital den Herzschlag und Blutdruck des Patienten. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Die telemedizinischen Messgeräte übertragen digital den Herzschlag und Blutdruck des Patienten an die Ärzte. (Symbolbild) © M. Staudt / grafikfoto.de

Drei Seniorenheime des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Dithmarschen erhalten ab Herbst 2019 ein mobiles Telemedizin-System, das sie mit fünf Haus- und Facharztpraxen in Dithmarschen, dem Tele-Arztzentrum der ife Gesundheits-GmbH in Nehmten und dem Westküstenklinikum Heide vernetzt. Das ermöglicht nicht nur Videotelefonate mit Ärzten, sondern auch telemedizinische Untersuchungen mithilfe speziell vernetzter Messgeräte wie EKG, Blutdruckmanschette oder Lungenfunktionstest.

Der Hausarzt und Vorsitzende des MWQ, Burkhard Sawade, ist überzeugt: Das Projekt eröffne völlig neue Möglichkeiten, die medizinische Versorgung im ländlichen Raum weiterzuentwickeln. Insbesondere die langfristige Betreuung von weniger mobilen Heimbewohner werde durch die Telemedizin spürbar erleichtert. "Das erspart den Patienten manchen aufwendigen und belastenden Transport zu Praxen oder Kliniken."

Entlastungen für Notärzte und Kliniken

Uwe Witt ist verantwortlich für die stationäre Pflege beim DRK-Kreisverband Dithmarschen. Für ihn steht die schnelle und unkomplizierte Klärung akuter Beschwerden im Vordergrund. Im Pflege-Alltag stelle sich oft die Frage, ob ein Bewohner einen Notarzt benötige, oder ob das Gesundheitsproblem auch am nächsten Werktag vom niedergelassenen Arzt behandelt werden könne. "Für solch verantwortungsvolle Entscheidungen sind meist ärztliche Untersuchungen nötig, die nun telemedizinisch möglich sind."

Auch Dr. Martin Blümke, Geschäftsführer des Westküstenklinikums, erhofft sich eine Entlastung für das Notarztsystem: "Ein solches Projekt steht schon lange auf unserer Wunschliste und wir sind sehr dankbar, dass das Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein nun beim Aufbau eines solchen Projektes entscheidende Anstöße gibt."

Wissenschaftliche Auswertung

Das Institut für Allgemeinmedizin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel soll das Telemedizin-Angebot in Zukunft wissenschaftlich begleiten und auswerten. Im Vordergrund soll dabei die Akzeptanz durch die Heimbewohner, des Pflegepersonals sowie der Ärzte stehen. Perspektivisch könne das Netzwerk weiter wachsen, sagt Dr. Thomas Schang, Medizinischer Leiter der ife Gesundheits-GmbH und Vorsitzender der "Agentur deutscher Arztnetze". Das Netzwerk ermögliche variable Verbindungen zwischen allen Teilnehmern – ein entscheidender Fortschritt gegenüber einfachen Verbindungen mit je einer Sende- und Empfangsstation. Wenn die Grundstruktur erst einmal etabliert sei, könne das Netzwerk relativ einfach erweitert werden.