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Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren

Portraitfoto Dr. Heiner Garg
Dr. Heiner Garg

Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren

© Rob / fotolia.de

Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg: Schleswig-Holstein will Notfall-Versorgung durch erweiterte Portalpraxen verbessern – Land startet Bundesratsinitiative

Datum 08.03.2018

KIEL. Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg hat eine Bundesratsinitiative für die Weiterentwicklung von Portalpraxen gestartet. Einem entsprechenden Gesetzesantrag zur Verbesserung der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit im ärztlichen Notdienst hatte das Landeskabinett diese Woche zugestimmt. Die Vorlage, mit der das Sozialgesetzbuch V geändert werden soll, wird jetzt dem Bundesrat zugeleitet. Die Plenarbefassung im Bundesrat wird für den 23. März erwartet.

Minister Dr. Garg betonte heute (8.3.): "Für eine zukunftssichere Ausgestaltung der Notfallversorgung bedarf es einer gezielten sektorenübergreifenden Koordination. Mit unserer Initiative wollen wir die Voraussetzung für eine deutliche Entlastung der Notaufnahmen in den Krankenhäusern erreichen. Im Vordergrund muss dabei stehen, wer die Patientinnen und Patienten angemessen versorgen kann. Portalpraxen an den Kliniken sollen nach unserem Vorschlag dabei als Wegweiser dienen können, und zwar nicht nur während der bisherigen ambulanten Bereitschaftsdienstzeiten. Die weiterentwickelten Portalpraxen könnten so effektiv dazu beitragen, dass Notfallkapazitäten denen zugutekommen, die sie wirklich benötigen".

Die ambulante Versorgung akuter Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren mit einer jährlichen Steigerungsrate von 8 - 10 % in Richtung Krankenhäuser verschoben. Immer mehr Patientinnen und Patienten suchen eigenständig die Notaufnahmen der Krankenhäuser auf. Dabei handelt es sich zu einem hohen Anteil um Patienten mit nicht akutem Behandlungsbedarf – also um Patienten, die ambulant versorgt werden sollen und können. "Damit werden Ressourcen in Anspruch genommen, die eigentlich für die Versorgung von Menschen mit akut lebensbedrohlichem Behandlungsbedarf zur Verfügung stehen sollten“, so Minister Dr. Garg. „Ich erwarte, dass eine neue Bundesregierung und die Bundesländer unsere Initiative befürworten, um dieser Herausforderung wirkungsvoll zu begegnen. Mein Dank gilt den Beteiligten in Schleswig-Holstein, KVSH und KGSH, die konstruktiv dazu beitragen, die Brücke zwischen ambulanter und stationärer Notfallversorgung zu schlagen", erklärte Dr. Garg.

Schleswig-Holstein nimmt mit den meist in den Krankenhäusern befindlichen derzeitigen 33 allgemeinmedizinischen Anlaufpraxen bereits eine Vorreiterrolle ein: Dort findet eine vertragsärztliche ambulante Versorgung bisher außerhalb der üblichen vertragsärztlichen Sprechzeiten statt. Diese – u. a. auf eine gemeinsamen Initiative von Land, Kassenärztlicher Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) und Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein KGSH zurückgehende Kooperation – will Minister Dr. Garg mit der Bundesratsinitiative um die Möglichkeit einer unmittelbaren ambulante Versorgung in den Portalpraxen auch während der Sprechstundenzeiten erweitern, an Standorten, wo dies versorgungspolitisch sinnvoll ist.

"Mit den Portalpraxen im 24/7/365-Betrieb könnte sichergestellt werden, dass alle gesetzlich Krankenversicherten, die eigenständig und aus eigenem Entschluss eine klinische Notaufnahme aufsuchen, zunächst in der 'Portalpraxis' eine Zuordnung zur adäquaten Versorgungsebene erhalten", so Dr. Garg. "Beispielsweise durch einen örtlich gemeinsamen Empfang müssten sich Patientinnen und Patienten über diese Zuordnung zu Notfallambulanz oder Anlaufpraxis im besten Fall selbst keine Gedanken machen. Natürlich kann dies auch dazu führen, dass eine Patientin oder ein Patient lediglich die Information erhält, dass ein Besuch beim Hausarzt oder Facharzt zur Abklärung ausreichend sei. Das Angebot soll explizit nicht den Praxisbesuch bei einer niedergelassenen Hausärztin oder einem niedergelassen Hausarzt ersetzen", so Dr. Garg.

Durch den vorgelegte Gesetzentwurf soll im Sozialgesetzbuch V eine Änderungen in den Paragraphen 75 und 105 erfolgen, um in begründeten Ausnahmefällen die Option der Entlastung der Notaufnahmen der Krankenhäuser auch während der Sprechstundenzeiten zu ermöglichen. Die jetzt schon möglichen Kooperationsverträge sollen erweitert werden, um die unmittelbare ambulante Versorgung der Patienten in den Portalpraxen auch während der Sprechstundenzeiten zu ermöglichen, wenn dies als medizinische Akutversorgung erforderlich ist.

Die Umsetzung auf Landesebene kann durch die vom Land neu eingerichtete Investitionsförderung „Sektorenübergreifende Versorgung“ unterstützt werden. Damit können notwendige Umbauten der Anlaufpraxen zu Portalpraxen gefördert werden. Dafür stehen in den nächsten Jahren rund 15 Millionen Euro bereit. Derzeit wird im Ministerium die notwendige Förderrichtlinie erarbeitet. Das Gesundheitsministerium wird mit den Partnern KVSH und KGSH das bisherige Konzept gemeinsam weiterentwickeln, wenn die angestrebte Änderung des SGB V gesetzlich umgesetzt wird. KVSH und KGSH begrüßen die Initiative zur Weiterentwicklung der bereits guten Kooperation auf Landesebene.

Dr. Ralph Ennenbach, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVSH, betont: „Wir freuen uns sehr, dass der Landesgesundheitsminister die Initiative für eine Versorgung ergreift, die sich künftig stärker am medizinischen Bedarf orientiert. Unser gemeinsames Motto lautet: ‚Behandeln am richtigen Ort‘. Patienten müssen dort versorgt werden, wo es nach Schwere und Dringlichkeit der Erkrankung angemessen ist. Ziel muss sein, die immer knapper werdenden personellen Ressourcen im ambulanten und stationären Bereich besser zu nutzen.“

Bernd Krämer, Geschäftsführer der KGSH, erklärt: "Eine Entlastung der Notaufnahmen der Krankenhäuser durch die Aufhebung der Beschränkung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der KVSH in den sprechstundenfreien Zeiten bringt für alle Seiten nur Vorteile: Patientinnen und Patienten werden fachgerecht und zügig dem für sie erforderlichen Versorgungsbereich zugewiesen. Das ohnehin stark beanspruchte Klinikpersonal wird entlastet und die Wartezeiten in den Notfallambulanzen können deutlich sinken. Die Bundesratsinitiative kommt daher genau zur richtigen Zeit und die KGSH unterstützt das Engagement von Gesundheitsminister Dr. Garg voll und ganz."

Info zu bisherigen KV-Anlaufpraxen sowie Standorten: www.kvsh.de/index.php?StoryID=64

Verantwortlich für diesen Pressetext: Christian Kohl | Ministerium für Sozials, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein | Adolf-Westphal-Straße 4, 24143 Kiel | Telefon 0431 988-5317 | E-Mail: pressestelle@sozmi.landsh.de | Medien-Informationen der Landesregierung finden Sie aktuell und archiviert im Internet unter www.schleswig-holstein.de

 

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