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Finanzministerium

Portraitfoto Monika Heinold
Monika Heinold

Finanzministerin

Ein bewegtes Datum

Datum 09.11.2018

Im Landtag haben Vertreter aus Politik und Gesellschaft der Ausrufung der Republik vor hundert Jahren gedacht.

Drei Personen sitzen nebeneinander. Gedenkveranstaltung im Landtag: Die stellvertretende Ministerpräsidentin Monika Heinold mit Landtagspräsident Klaus Schlie (r.) und Historiker Herfried Münkler. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Gedenkveranstaltung im Landtag: Die stellvertretende Ministerpräsidentin Monika Heinold mit Landtagspräsident Klaus Schlie (r.) und Historiker Herfried Münkler. © Landtag SH

"Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Das alte Morsche ist zusammengebrochen; der Militarismus ist erledigt! Die Hohenzollern haben abgedankt! Es lebe die deutsche Republik!" - Über die genauen Worte, mit denen SPD-Politiker Philipp Scheidemann vor hundert Jahren auf dem Westbalkon des Berliner Reichstages die deutsche Republik ausrief, wird bis heute diskutiert. Unumstritten ist jedoch, dass der 9. November die offizielle Geburtsstunde der parlamentarischen Demokratie in Deutschland ist.

Sein hundertjähriges Jubiläum wäre damit eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch das Datum steht auch für andere, weitaus schwierigere Ereignisse in der deutschen Geschichte. An sie haben Vertreter von Landtag und Landesregierung nun in einer gemeinsamen Veranstaltung gedacht.

Licht und Schatten der Geschichte

In ihrer Rede im Landtag erinnerte die stellvertretende Ministerpräsidentin Monika Heinold an den Matrosenaufstand, der vor einem Jahrhundert von Kiel aus die Novemberrevolution anstieß, die Reichspogromnacht von 1938 und die friedliche Revolution, die 1989 die DDR zu Fall brachte. "So unterschiedlich die einzelnen Daten auch sind, es waren doch immer Menschen, die gemeinsam die deutsche Geschichte verantwortet haben", sagte Heinold. Gerade die Angriffe auf jüdische Geschäfte und Synagogen im Dritten Reich, in denen Menschen zusammen ihren Hass ausgelebt hätten, ermahnten auch heute noch dazu, wachsam zu bleiben. "Wir müssen jeden Tag bereit sein, unsere Demokratie aktiv zu verteidigen", fuhr Heinold fort. "Der 9. November zeigt Licht und Schatten in der Geschichte unseres Landes. Lassen Sie uns die Zukunft mit lichten Tagen füllen."

Portraitfoto Monika Heinold

Wir müssen jeden Tag bereit sein, unsere Demokratie aktiv zu verteidigen.

Monika Heinold

Einsatz zeigen und Ambivalenz aushalten

Der 9. November sei einer der bedeutendsten Tage für die deutsche Geschichte, hob auch Landtagspräsident Klaus Schlie in seiner Ansprache hervor. "Mal Sternstunde der Geschichte, mal Tag des unfassbaren Verbrechens ­ - beides gehört zu unserer Vergangenheit und beides mahnt uns, die Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte nicht als Selbstverständlichkeit zu verstehen." Es sei fatal zu denken, man könne ohne eigene Haltung und Einsatz im Abseits stehen, sagte Schlie. "Das ist mit Blick auf das heutige Datum niemals eine Option für Demokraten."

Als prominenter Gast sprach außerdem der bekannte Politikwissenschaftler Herfried Münkler über die besondere historische Relevanz des 9. Novembers für Deutschland. Wer sich auf diesen Tag einließe, müsse Zwei- und Vieldeutigkeiten in Kauf nehmen und die Kraft haben, mit den Ambivalenzen umzugehen, erklärte Münkler. "Aber das heißt auch: Immer wieder muss man sich vergegenwärtigen, was dieses Datum für die Deutschen bedeutet."

Putschversuch und Judenverfolgung

Der 9. November war die Geburtsstunde der Weimarer Republik. Doch der Anfang der Demokratie in Deutschland war schwierig und von Anfang an von politischer und wirtschaftlicher Instabilität geprägt. Nur fünf Jahre nach der Ausrufung der Republik versuchte die NSDAP unter Adolf Hitler und Erich Ludendorff am 8. und 9. November 1923 in Bayern an die Macht zu gelangen und von dort nach Berlin zu marschieren. Der Putsch scheiterte zwar, doch nur zehn Jahre später wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Im November 1938 markierten die sogenannten "Novemberpogrome" dann eine neue Stufe der Judenverfolgung im Dritten Reich. Mehrere hundert Menschen wurden ermordet oder in den Suizid getrieben, tausende Synagogen, Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert und zerstört.

Mauerfall und Wiedervereinigung

Ein halbes Jahrhundert später war der 9. November dagegen wieder ein Grund zur Freude: 1989 sah sich die politische Führung der DDR durch Massendemonstrationen gezwungen, an diesem Tag die Mauer zu öffnen, die West- und Ostdeutschland fast drei Jahrzehnte voneinander getrennt hatte. Mehrere tausend Berliner feierten an den Grenzübergängen ihrer Stadt. Als die beiden deutschen Staaten im kommenden Jahr wiedervereinigt wurden, wurde kurzzeitig sogar über den 9. November als neuen gemeinsamen Nationalfeiertag diskutiert. Aufgrund der Datumsgleichheit mit der Reichspogromnacht fiel die Entscheidung allerdings stattdessen auf den 3. Oktober - den offiziellen Tag der Deutschen Einheit.