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Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

Porträt
Jan Philipp Albrecht

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

© M. Staudt / grafikfoto.de

"Gestern haben wir 480 Gläser Marmelade gekocht"

Was lässt sich aus Lebensmitteln kochen, die eigentlich ein Fall für die Tonne wären? Jede Menge, finden die Kieler ResteRitter.

Moritz Dietzsch ist ein ResteRitter. Gemeinsam mit Nick Eßwein und Oke Hansen kämpft er gegen die Lebensmittelverschwendung an.

Dass viele gute Lebensmittel im Müll landen, muss sich ändern – finden die ResteRitter. Deshalb bewahren sie Obst und Gemüse vor der Tonne und kochen daraus Fruchtaufstriche und Chutneys. Von jedem Glas, das sie verkaufen, spenden sie einen Teil an die Stiftung Mittagskinder – sie ermöglicht damit Schulkindern ein warmes Mittagessen. Für ihr Engagement sind die ResteRitter 2019 mit dem Nachhaltigkeitspreis des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet worden.

Moritz, wenn Du einen Wunsch frei hättest: Was würdest Du Dir wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass es Projekte wie unseres gar nicht mehr geben muss - weil jedem bewusst ist, dass Lebensmittel wertvoll sind. Weil jeder nur so viel einkauft, wie er selbst verbrauchen kann. Weil jeder weiß, wie er Reste sinnvoll verwertet und Lebensmittel zuhause lagert. Und weil im Supermarkt auch mal eine braune Banane gekauft werden kann. Es wäre schön, wenn sich in unserer Gesellschaft und Wirtschaft etwas ändern würde, sodass es uns einfach nicht mehr braucht. Aber bestimmte Aspekte wird man wohl nicht vermeiden können – man braucht nur die richtigen Projekte und Produkte, die damit bewusst agieren können.

 

So wie Eures. Als ResteRitter habt ihr Euch über Kiel hinaus einen Namen gemacht mit Euren Aktionen: Wie seid ihr darauf gekommen, Partys zu veranstalten, um übriggebliebenes Gemüse vor der Mülltonne zu retten und es gemeinsam zu schnippeln und zu verarbeiten?

Nick, Oke und ich haben zusammen Geografie studiert. In einem Studienmodul sollten wir ein Problem auf unternehmerische Art lösen. Unser Thema war: Lebensmittelverschwendung. Und wir haben überlegt: Wie kann man daraus etwas machen? Wie kann man all das Essen retten, das im Abfall landet? Und wie kann man daraus etwas Großes auf die Beine stellen? So kam uns die Idee, die Lebensmittelverschwendung mit dem sozialen Aspekt zu verbinden und damit den Tausenden Kindern in Deutschland, die nicht jeden Tag ein warmes Mittagessen bekommen können, zu helfen.

 

Und wie kommt ihr an die Reste?

Eine unserer größten Quellen ist der Kieler Obst- und Gemüsegroßhändler Brötzmann KG. Dort ist oft Obst und Gemüse übrig, das nach zweiter Wahl ist und nicht mehr verkauft werden kann.

 

Wie sieht Obst und Gemüse, das weniger als zweite Wahl ist, denn aus?

Obst und Gemüse wird schon als zweite Wahl deklariert, wenn es kleine Schönheitsfehler gibt, wenn die Äpfel bei der Lagerung Druckstellen in der Kiste bekommen haben oder wenn die Banane zu gelb ist und langsam braun wird. Oft sind es optische Aspekte, die keinen Einfluss auf den Geschmack haben. Wenn die Tomaten zu weich sind, können sie nicht mehr verkauft werden – für unsere Chutneys sind sie gerade dann genau richtig. Jetzt im Herbst rufen uns auch viele Menschen an, die in ihren Privatgärten eine große Ernte erwarten: Dann bekommen wir haufenweise Birnen und Äpfel. Neulich meldete sich ein Landwirt, der viele Kartoffeln abgeben wollte, weil sie wegen der Trockenheit anders gewachsen waren und vom Lebensmittelhändler aus rein ästhetischen Gründen nicht mehr abgenommen wurden. Dann wieder brachte uns jemand kistenweise Mirabellen, die einfach übrig waren.

 

Was passiert mit all den Lebensmitteln, die ihr rettet?

Tatsächlich bereiten wir sehr viele eingelegte Produkte zu, kochen Marmelade, Chutneys und machen im Herbst Apfelsaft. Es hängt immer sehr davon ab, welche Lebensmittel wir gerade zur Verfügung haben. Dann heißt es, bei der Rezeptwahl kreativ zu sein und schnell zu handeln.

 

Worauf achtet ihr bei der Verarbeitung der Lebensmittel?

Zum einen achten wir natürlich immer darauf, was gerade Saison hat. Wobei wir beispielsweise Erdbeeren erst dann bekommen, wenn die Saison fast vorbei ist. Kürbisse bringen uns die Leute meist auch erst nach der Kürbiszeit. Zum anderen überlegen wir, welche Zutaten zusammenpassen.

 

Und mit welchen Mengen arbeitet ihr dann?

Das ist auch ganz unterschiedlich und hängt von der Jahreszeit ab. Gestern erst haben wir 480 Gläser Marmelade gekocht. Dafür verarbeiten wir im Januar und Februar nur etwa zehn Kilogramm Essen pro Woche. Im Herbst hingegen lassen wir schon mal ein bis zwei Tonnen Äpfel zu Saft pressen. Oder haben 200 Kilogramm Quitten, die wir mit einer mobilen Presse selbst zu Saft verarbeiten. Es entstehen dann schon mal 800 Gläser Bratapfelmarmelade in einer Aktion. Ich denke, im Durchschnitt verwerten wir rund 50 Kilogramm Obst und Gemüse in der Woche.

Weitere Informationen

Nachhaltigkeitspreis für die ResteRitter

Die ResteRitter im Internet