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Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

Porträt
Jan Philipp Albrecht

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

© M. Staudt / grafikfoto.de

Erhebliche Ertragsausfälle erwartet

Datum 22.08.2018

Futtermittelknappheit und Risikomanagement waren zentrale Themen bei der Vorstellung der schleswig-holsteinischen Erntebilanz.

Die Trockenheit ist seit Wochen das bestimmende Thema in der Landwirtschaft im Norden. Zwar gibt es regionale Unterschiede in der Niederschlagsverteilung - insgesamt hat es jedoch landesweit deutlich zu wenig geregnet. Nun haben Landwirtschaftsministerium, Landwirtschaftskammer und Bauernverband die Ergebnisse der diesjährigen Ernte vorgestellt. Fast alle landwirtschaftlichen Betriebe rechnen mit Ertragsausfällen.

Schlechteste Getreideernte seit 1976

Die Ertragsausfälle betreffen die Getreide- und die Rapsernte, die Futtermittelernte, aber auch Kartoffeln, Zuckerrüben und Silomais. Es wird eine Erntemenge von rund 1,7 Millionen Tonnen Getreide (ohne Körnermais) erwartet, das sind 31 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit wäre sie die niedrigste in Schleswig-Holstein seit 1976. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte - sowohl von Biohöfen als auch aus konventionellen Betrieben - steigen. Allerdings werden diese Preissteigerungen die Verluste der Betriebe nicht komplett kompensieren können. Insbesondere für viele Milchbauern sind aufgrund der geringen Milchpreise die Reserven aufgebraucht.

Kartoffeln und Raps werden teurer

Auch Kartoffeln und Raps sind stark von der Trockenheit betroffen. Bei der Kartoffelernte ist mit Ertragsverlusten von 30 bis 40 Prozent zu rechnen, die Raps-Erntemenge liegt 36 Prozent niedriger als im Vorjahr. Dadurch steigen auch hier die Preise: Eine Tonne Speisekartoffeln kostet mit 260 bis 280 Euro beinahe 50 Euro mehr als im Vorjahr, der Rapspreis steigt um vier Prozent auf 370 Euro pro Dezitonne.

Portraitfoto Dr. Robert Habeck

Die klimatischen Bedingungen des letzten Jahres waren alles andere als normal. Faktisch brauchen wir eine klimaangepasste Landwirtschaft.

Dr. Robert Habeck

Aus den Extremjahren lernen

Angesichts der extremen klimatischen Bedingungen forderte Landwirtschaftsminister Robert Habeck finanzielle Hilfe für die besonders stark betroffenen Betriebe vom Bund. "Allerdings darf diese Unterstützung nicht eine immer stärke Intensivierung abfedern, noch die niedrigen Preise, die die abnehmende Hand den Landwirtinnen und Landwirten zahlt, subventionieren. Faktisch brauchen wir eine klimaangepasste Landwirtschaft", sagte der Minister.

Auch Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer, betonte, dass angesichts der vergangenen beiden Extremjahre das Risikomanagement der Betriebe noch stärker in den Fokus rücken müsse. Die Betriebe müssten für die kommende Saison die richtigen Schlüsse für mehr Fruchtfolge ziehen. In der Viehhaltung müssten jetzt kurzfristig die Futtermischungen angepasst werden, langfristig müsste jeder Betrieb die Tierhaltung ganzheitlich neu beurteilen.

Versorgung der Nutztiere gewährleisten

Die Viehhalter, die jetzt teures Futter zukaufen müssen, sind besonders stark von den Ernteausfällen betroffen. So haben sich beispielsweise die Preise für Stroh und Heu – sowohl für Futterzwecke als auch als Einstreu – beinahe verdoppelt. "Bauern können mit widrigem Wetter umgehen. Sie tun dies seit Jahrtausenden", sagte Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes. "Doch Extremwetterlagen wie die Nässe 2017 und die Dürre 2018 führen manchen Betrieb an die Grenze. Viel wichtiger als die Kosten ist nun, dass die Tiere versorgt werden. Wir werden auch diese Dürre überstehen und wir werden uns anpassen."

2018 zu trocken

Die niedrigen Ernteerwartungen wurden durch die teilweise extremen Wetterbedingungen in diesem und im vergangenen Jahr verursacht. Im Herbst 2017 waren viele Böden aufgrund hoher Niederschläge nicht befahrbar, was die Aussaat von Wintergetreide und Winterraps erschwerte. Bis Ostern litten die Bestände unter Staunässe; im März sorgten Spätfröste für weitere Schäden. Die Aussaat von Sommergetreide erfolgte relativ spät. Ab Mai und Juni führten dann die starke Sonneneinstrahlung und ein anhaltender Ostwind zum Austrocknen der Böden.