Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Wölfe im Norden

Staatskanzlei

Wölfe im Norden

Datum 12.08.2016

Klare Regeln für den Umgang mit Wölfen: Umweltminister Habeck hat in Kiel die Ergebnisse eines Runden Tisches vorgestellt.

Drei Wölfe im Wildpark Eekholt Drei Wölfe im Wildpark Eekholt (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Seit 2007 gab es in Schleswig-Holstein 29 Wolfsnachweise. © Wolf-Gunthram v. Schenck / Wildpark Eekholt

Gemeinsam mit Schafhaltern, Jägern und Naturschützern hat das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium das Wolfsmanagement auf neue Füße gestellt. Umweltminister Robert Habeck stellte die Ergebnisse in Kiel gemeinsam mit dem Landesverband der Schleswig-Holsteinischen Schafzüchter, dem NABU und dem Koordinator der Wolfsbetreuer vor. Kernpunkte sind: mehr Wolfsbetreuer, neue Regeln für die Entschädigung bei Tierrissen und Lösungen für den Umgang mit verletzten Wölfen.

Runder Tisch mit allen Beteiligten

Umweltminister Robert Habeck sagte: "Mit dem neuen Management schaffen wir eine breit akzeptierte Basis für den weiteren Umgang mit dem Wolf. Die ist angesichts der schwierigen Debatten und der unterschiedlichen Interessen besonders wertvoll. Und es ist der Bereitschaft aller zu konstruktiven Lösungen zu verdanken".

Aufwand durch Wölfe steigt

Hintergrund: Wölfe im Norden

> Seit 2007 gab es 29 Wolfsnachweise

> In neun Fällen wurde ein Wolf als Verursacher von Nutztierrissen nachgewiesen

> Seit 2007 wurden rund 36.000 Euro an Entschädigungen gezahlt

In 2015 wuchs die Zahl der Wolfsnachweise im Norden. Auch die Meldungen über möglicherweise durch Wölfe gerissene Nutztiere nahmen zu. Minister Habeck berief darum im Sommer 2015 den Runden Tisch zum Thema Wölfe ein. Die Ergebnisse sollen im Herbst auch in einer Broschüre veröffentlicht werden.

An den Gesprächen waren Vertreter der Landwirtschaft ebenso beteiligt wie die schleswig-holsteinische Forstwirtschaft und die Pferdesportverbände. Darüber hinaus beteiligten sich Vertreter der Naturschutz- und Tierschutzverbände sowie der behördliche Natur- und Tierschutz. Insgesamt tagte der Runde Tisch vier Mal. Seine Arbeit wird kontinuierlich weitergehen, um das Wolfsmanagement an neue Erfordernisse anzupassen.

Ergebnisse des Runden Tisches

alle öffnen

Entschädigungszahlungen

Ein Schwerpunkt war die Frage von Entschädigungszahlungen, die bislang aufgrund des EU-Wettbewerbsrechts auf maximal 15.000 Euro pro Betrieb innerhalb von drei Jahren begrenzt sind. Diese Höhe wurde in jüngster Vergangenheit überschritten beziehungsweise nahezu erreicht. Um für solche Fälle gewappnet zu sein, wird das Ministerium eine Aufhebung der Grenze beantragen. "Das heißt auch, dass bestimmte Kosten, wie Tierarztkosten nach einem Wolfsübergriff, nur noch zu 80 Prozent durch das Land ersetzt werden können. Aber alles in allem ist es aus Sicht der Beteiligten beim Runden Tisch dennoch die bessere Lösung", sagte Habeck.

Die Schäden berechnen sich künftig nach einem von allen Seiten akzeptierten Kalkulationsverfahren. Zudem werden bestimmte Mitwirkungspflichten der Tierhalter festgelegt. So müssen sie Fälle von potentiellen Wolfsrissen spätestens am Tag nach dem Vorfall melden oder dürfen getötete Tiere beispielsweise nicht bewegen, bevor ein Wolfsbetreuer sie untersuchen konnte.

Umgang mit verletzten Wölfen nach Unfällen

Intensiv diskutiert wurde auch, wie mit Wölfen umzugehen ist, die bei Unfällen verletzt werden und unter welchen Rahmenbedingungen eine Nottötung möglich ist, um die Tiere von ihren Leiden zu erlösen. Dies ist deshalb anspruchsvoll, weil Wölfe streng geschützte Tiere sind und grundsätzlich ein Tötungsverbot gilt. Der Runde Tisch hat nun gemeinsam mit den Veterinärbehörden des Landes und der schleswig-holsteinischen Tierärztekammer einen rechtssicheren Weg für eine Nottötung abgestimmt. So sollen die Polizei und Tierärzte eine vorweggenommene Ausnahmegenehmigung erhalten, um dann einen Wolf von seinen Leiden zu erlösen, wenn er so schwer verletzt ist, dass er sich nicht mehr von der Unfallstelle entfernen kann.

Mehr Wolfsbetreuer

Bereits 2015 hatte das Land das Wolfsmanagement neu strukturiert, beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) angesiedelt und für die Wolfsbetreuer einen Koordinator eingerichtet. Neue ehrenamtliche Wolfsbetreuer wurden zusätzlich geschult. Die Zahl der Wolfsbetreuer steigt damit von 40 auf 70. "Wir haben das Management behördlich verankert, um es zu stärken. Aber die Arbeit der ehrenamtlichen Wolfsbetreuer ist unentbehrlich. Ihr hohes Engagement und ihre Fachkunde sind gefragt. Es ist wertvoll, dass nun noch mehr Wolfsbetreuer uns unterstützen", sagte Habeck. Zudem werden seit 2016 erstmals spezielle Mittel in Höhe von 100.000 Euro in den Haushalt des zuständigen Umweltministeriums eingestellt.

Verhalten bei Begegnungen mit Wölfen

Bei den Gesprächen am Runden Tisch wurden Empfehlungen für den Fall von Wolfsbegegnungen erarbeitet. Insbesondere wurde festgelegt, dass Wölfe unter keinen Umständen gefüttert werden dürfen. An Menschen gewöhnte Wölfe könnten in der Folge aufdringlich oder aggressiv werden. Um dem entgegenzuwirken, wurden Fütterungen auch rechtlich untersagt.

Teilen: