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Rostige Atomfässer werden geborgen

Staatskanzlei

Rostige Atomfässer werden geborgen

Datum 22.02.2016

Umweltminister Habeck hat in Brunsbüttel den Probedurchlauf der Bergung von rostigen Atommüllfässern verfolgt.

Minister Habeck und Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtiger bei Vattenfal,l vor Ort Fassbergung in Brunsbüttel (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Minister Habeck und Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtiger bei Vattenfall © Umweltministerium

Die Bergung von teilweise stark verrosteten Atommüllfässern im Kernkraftwerk Brunsbüttel kann beginnen. Ende Februar will der Betreiber Vattenfall mit extra entwickelter Technik die ersten Fässer aus den Kavernen holen. Diesem Vorschlag hat die schleswig-holsteinische Atomaufsichtsbehörde jetzt zugestimmt.

Sicherheit vernachlässigt

"Endlich kann die Räumung der Kavernen starten. Was hier zu leisten ist, ist Pionierarbeit", sagte Energiewendeminister Robert Habeck in Brunsbüttel, wo er einen Probedurchlauf der Bergung verfolgte. "Viel zu lange sind die Fässer nahezu unbeobachtet in den Kavernen vor sich hin gerostet. Es fehlte an Sicherheitskultur und entsprechenden Kontrollmechanismen."

Daraus habe man Konsequenzen gezogen, sagte Habeck: "In den letzten vier Jahren wurden die Kavernen inspiziert und so weit kontrolliert, wie das möglich war. Es wurde ein Verfahren zur Bergung entwickelt und die Atomaufsicht hat die Kontrollmechanismen auf verschiedenen Ebenen gestärkt."

Jedes Fass wird einzeln geborgen

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info Häufig gestellte Fragen zum Bergungskonzept

In sechs unterirdischen, abgeschirmten Kavernen des Kernkraftwerks befinden sich nach bisherigem Kenntnisstand 632 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Stoffen (Filterharze und Verdampferkonzentrate). Ein Großteil dieser Fässer weist – wie Kamerainspektionen ergaben – Korrosionsbefunde auf, mehr als 150 Fässer sind schwer beschädigt.

Das unter Auflagen der Atomaufsichtsbehörde gebilligte Bergungskonzept der Betreibergesellschaft sieht vor, dass nach und nach jedes einzelne Fass ferngesteuert geborgen wird. Jedes Fass wird dann in ein Überfass gestellt. Von den Bergungsarbeiten gehen keine Gefahren für Umwelt und Bevölkerung aus.

Trocknung der Fassinhalte soll Korrosionsschäden vorbeugen

Die Atomaufsicht geht davon aus, dass besonders die Verdampferkonzentrate vor Jahrzehnten nicht ausreichend getrocknet worden waren, was die erheblichen Rostschäden auslöste. Als Vorsichtsmaßnahme darf deshalb die Restfeuchte jedes einzelnen Fasses mit Verdampferkonzentraten bei höchstens 20 Prozent liegen – zehn Prozent weniger als ursprünglich von der Betreibergesellschaft vorgesehen. Diese strenge Anforderung soll erneuten Korrosionsschäden vorbeugen.

Männer in Schutzanzügen in einem Atomkraftwerk Männer in Schutzanzügen im Atomkraftwerk (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Bei der Bergung der rostigen Fässer werden höchste Sicherheitsvorkehrungen getroffen. © M. Ruff / grafikfoto.de

"Wir haben soweit wie möglich den jahrzehntelangen Umgang mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen in Schleswig-Holstein untersucht. Die Erwartung, dass es bald eine Endlager-Lösung für diese Abfälle geben würde, war offenbar ein Kernproblem: Aus dieser Erwartung heraus wurden langfristige Sicherungsmechanismen vernachlässigt. Das Ergebnis sehen wir jetzt in den Kavernen", sagte Habeck.

Habeck: "Strahlenschutz hat bei den Arbeiten Priorität"

Die Bergung der Fässer wird unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Dabei stehe der Schutz des Personals im Vordergrund. "Wir können keine Garantie dafür abgeben, dass das Konzept reibungslos umgesetzt werden kann. Es kann immer wieder Nachsteuerungsbedarf geben. Wir wollen die Kavernen zwar so zügig wie möglich räumen, Strahlenschutz hat aber immer Priorität", erklärte der Minister.

Dr. Dr. Jan Backmann, Leiter der Atomaufsichtsabteilung schätzt die Dauer der Bergungsarbeiten auf rund drei Jahre. Dabei werde das Ministerium ein Auge auf das Vorhaben werfen. "Wir werden die geplanten Arbeitsabläufe begleiten, überwachen und nötigenfalls optimieren, je nachdem, wie die Bergung verläuft", so Backmann.