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Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

Porträt
Jan Philipp Albrecht

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

© M. Staudt / grafikfoto.de

Erntebilanz: Schlechteste Getreideernte seit 1976 - Futterknappheit und Risikomanagement im Fokus

Datum 22.08.2018

Robert Habeck: "Das Erntejahr 2017/18 ist bitter für die Bäuerinnen und Bauern"

NORDSTRAND. Die Trockenheit ist seit Wochen das bestimmende Thema in der Landwirtschaft im Norden. Heute (22. August 2018) wurden nun von der Landwirtschaftskammer, dem Bauernverband und dem Landwirtschaftsministerium die Ergebnisse der diesjährigen Ernte vorgestellt. Auch, wenn es regional entsprechend der Niederschlagsverteilung und der Böden Unterschiede gibt, ist landesweit deutlich zu wenig Niederschlag gefallen. Man kann feststellen, dass fast alle landwirtschaftlichen Betriebe von Ertragsausfällen betroffen sind. Insgesamt zeichnet sich die schlechteste Getreideernte seit 1976 ab.

Die niedrigen Ernteerwartungen wurden durch die teilweise extremen Wetterbedingungen in diesem Jahr und im vergangenen Herbst verursacht. Durch den nassen Herbst wurde die Aussaat von Wintergetreide erheblich erschwert. Zum Teil konnten geplante Wintergetreideflächen gar nicht bestellt werden. So mussten die Landwirte im Frühjahr vermehrt auf Sommergetreide (u. a. Sommerweizen, Sommergerste, Hafer) und auch Eiweißfrüchte (Leguminosen) wie die Ackerbohne ausweichen. Landwirtschaftsministerium, Landwirtschaftskammer und der Bauernverband SchleswigHolstein zogen heute auf dem Betrieb von Karl-Volkert Meyer und Sylvia Hagen auf Nordstrand, Kreis Nordfriesland, gemeinsame Bilanz: "Die Ertragsausfälle betreffen die Getreide- und die Rapsernte, die Futterernte (Gras, Heu) sowie auch Kartoffeln, Zuckerrüben und auch Silomais. Dadurch sind nicht nur die Ackerbauern, sondern insbesondere die viehhaltenden Betriebe betroffen. Futter ist knapp und die Preise steigen, das gilt für Bio- und konventionelle Betrieb gleichermaßen."

Landwirtschaftsminister Robert Habeck sagte: "Das Erntejahr 2017/18 ist bitter für die Bäuerinnen und Bauern. Zwar ist es richtig, dass Landwirtschaft immer mit natürlichen Schwankungen arbeitet und arbeiten muss. Aber vor allem für viele Milchbauern sind wegen der geringen Milchpreise die Reserven aufgebraucht. Deswegen wäre es dringend erforderlich, dass die Preise für Landwirte besser werden. Die klimatischen Bedingungen des letzten Jahres waren alles andere als normal. Entsprechend ist es richtig, wenn der Bund dein nationales Schadensereignis ausrufen würde und die Betriebe, die besonders betroffen sind, unterstützt. Allerdings darf diese Unterstützung nicht eine immer stärke Intensivierung abfedern, noch die niedrigen Preise, die die abnehmende Hand den Landwirtinnen und Landwirten zahlt, subventionieren. Faktisch brauchen wir eine klimaangepasste Landwirtschaft."

Portraitfoto Dr. Robert Habeck

Die klimatischen Bedingungen des letzten Jahres waren alles andere als normal. Faktisch brauchen wir eine klimaangepasste Landwirtschaft.

Dr. Robert Habeck


Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer, betonte: „ Aus diesen beiden Extremjahren – 2017 viel zu nass und 2018 viel zu trocken – lernen wir, dass das Risikomanagement der Betriebe noch stärker in den Fokus rücken muss. Kurzfristig geht es in der Beratung jetzt darum, für die kommende Saison im Pflanzenbau, betriebsindividuell, die richtigen Schlüsse für mehr Fruchtfolge, verschiedene Sorten, zu ziehen, um das Wetter- und Ertragsrisiko zu streuen. In der Viehhaltung müssen Futtermischungen jetzt kurzfristig der Situation angepasst werden. Auf lange Sicht wird jeder Betrieb für sich – gesamtheitlich seine Viehhaltung beurteilen (müssen). Im Bereich der Ökonomie stellt die Kammer die Liquiditätsberatung derzeit in den Fokus und unterstützt die Betriebe in Vorbereitung auf wichtige Bankgespräche zur Kreditvergabe. Auch in der strategischen Aufstellung der Betriebe wird beraten. Spezialisierte Betriebe benötigen ein intensiveres Risikomanagement als breiter aufgestellte. Patentrezepte gibt es leider nicht von der Stange, sondern es geht um durchdachte einzelbetriebliche Konzepte“, betonte Heller und meinte weiter: „Die jüngsten Preissteigerungen bei Getreide werden die Verluste der Betriebe nicht kompensieren können, zumal die Ackerbaubetriebe das dritte schwierige Jahr in Folge erleben. Der Strukturwandel dürfte dadurch weiter angeheizt werden. Am stärksten betroffen sind jedoch die Viehhalter, die jetzt teures Kraftfutter zukaufen müssen, was die Lage zusätzlich erschwert.“

Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes, sagte: "Bauern können mit widrigem Wetter umgehen. Sie tun dies seit Jahrtausenden. Doch Extremwetterlagen wie die Nässe 2017 und die Dürre 2018 führen manchen Betrieb an die Grenze: Ertragsverluste von über 30 Prozent im Ackerbau, der Ausfall ganzer Grasschnitte, welker Silomais. Viel wichtiger als die Kosten ist nun, dass die Tiere versorgt werden. Koste es, was es wolle. Wir werden auch diese Dürre überstehen und wir werden uns anpassen. Zur Ernte 2018 zeigt sich, wie wichtig es war, als Deutscher Bauernverband eine Klimastrategie aufzulegen und aktuell fortzuschreiben."

Erntestatistik der Kulturen

Nach Angaben des Statistikamtes Nord stand Getreide insgesamt in diesem Jahr auf einer Fläche von 289.000 ha, das sind 3 % weniger als im vergangenen Jahr. Es wird eine Erntemenge von rund 1,7 Mio. t Getreide (ohne Körnermais) erwartet, 31 % weniger als im Vorjahr, darunter 1,2 Mio. t Brotgetreide und 0,5 Mio. t Futtergetreide. Diese Erntemenge wäre die niedrigste in Schleswig-Holstein seit 1976, also seit 42 Jahren.

Die Winterweizenerträge liegen mit 73 dt/ha um knapp 18 % unter dem Vorjahresniveau. Dies wäre der niedrigste Winterweizenertrag seit 35 Jahren (1983: 67 dt/ha). In Folge des Rückgangs der Anbaufläche um 58.000 ha auf 127.000 ha liegt die Erntemenge damit mit 925.900 t um rund 44 % unter der des Vorjahres. Vielfach konnten die geernteten Mengen von den Qualitäten her überzeugen, so wird von einem größeren Brotweizenanteil berichtet. Auch die Naturalgewichte liegen auf dem erforderlichen Niveau. Es gibt aber auch Partien, die diese Qualitäten nicht erreichen. Die Ernte konnte zügig eingefahren werden, Trocknungskosten sind nicht angefallen. Die Preise liegen für Weizen bei im Schnitt 203 €/t. Von den gestiegenen Preisen können allerdings nur die Landwirte profitieren, die keine Vorkontrakte mit dem Handel abgeschlossen haben. Ca. ein Drittel des geernteten Getreides ist schon im Vorwege aus der Ernte heraus verkauft worden. Ein weiteres Drittel wird im Verlaufe des Herbstes zu den dann geltenden Preisen vermarktet und ca. ein weiteres Drittel wird über den Jahreswechsel bis teilweise Ende des Wirtschaftsjahres auf den Betrieben eingelagert und je nach Preisentwicklung verkauft.

Die Rapsernte fiel in diesem Jahr erneut enttäuschend aus, mit einem durchschnittlichen Hektarertrag von nur 30 dt. Dieser liegt damit 15 % unter dem schon niedrigen Vorjahresertrag (36 dt/ha). Die Erntemenge liegt bei 0,2 Mio t, das sind 36 % weniger als im Vorjahr. Der Rapspreis liegt bei 370 €/dt (Vorjahr 355 €/dt). Das sind 15 bzw. 4 % mehr als im Vorjahr. Grund für den gestiegenen Kurs sei die deutlich kleiner ausgefallene Rapsernte in den Hauptanbauländern der EU wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen und der Tschechei. Der Anbauumfang von Winterraps hat in Schleswig-Holstein gegenüber dem Vorjahr um 25 % auf 73.000 ha abgenommen und liegt damit weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 92.000 ha.

Bei Wintergerste liegen die Erträge im Schnitt bei 64 dt/ha, das sind 27 % weniger als im Vorjahr. Die Erntemenge liegt schätzungsweise bei rund 334.200 t, das sind rund 38 % weniger als im Vorjahr. Zu Beginn der Ernte wurde von zu niedrigen Hektolitergewichten berichtet. Im weiteren Verlauf – auf den schweren Standorten – konnten aber ausreichende Naturalgewichte erreicht werden. Gerste kostet derzeit rund 200 €/dt (Vorjahr 133 €/dt), das sind 30 % mehr als 2017.

Roggen und Triticale verzeichnen mit 53 dt/ha bzw. 46 dt/ha Erntemengenrückgänge von 25 bzw. 40 % gegenüber dem Vorjahr. Roggen stand dieses Jahr auf 22.000 ha und Triticale auf 6.200 ha. Die Haferfläche betrug 15.800 ha, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 119 % entspricht (Anbaufläche 2017: 7.200 ha). Dies ist der geschilderten Witterungslage im vergangenen Herbst geschuldet, weil viele Flächen nicht bestellt werden konnten und so auf Sommerungen wie Hafer ausgewichen werden musste. Der Haferertrag wird auf 43 dt/ha geschätzt, das sind 31 % weniger als im Vorjahr. Die Erntemenge bei Roggen wird auf 117.400 t geschätzt, das sind 38 % weniger als im Vorjahr und bei Triticale auf 28.100 t (minus 54 % gegenüber Vorjahr). Die Hafererntemenge liegt bei 67.600 t, das sind 51 % mehr als im Vorjahr. Roggen wurde im Hinblick auf die unzureichende Raufutterernte vielfach als Ganzpflanzen- silage (GPS) schon vorab geerntet. Damit dürfte die Erntemenge noch kleiner als geschätzt ausfallen. Der Markt reagiert auch in diesem Bereich mit steigenden Preisen. Somit erreichen die Brotroggenpreise mit 200 €/t (Vorjahr 140 €/t) mittlerweile auch das Niveau von Brotweizen. Futterroggen ist kaum am Markt. Im Vorjahr lag der Preis bei 135 €/t. Qualitätshafer kostet derzeit 174 €/t (Vorjahr 145 €/t).

Sommergerste wurde auf einer Fläche von 31.200 ha angebaut, dies ist 6-mal so viel wie im Vorjahr (2017: 5.200 ha). Auch diese Steigerung hängt mit den ungünstigen Bestellmöglichkeiten im Herbst 2017 zusammen. Es wird ein Ertrag von 35 dt/ha geschätzt, dies sind 32 % weniger als im Vorjahr.

Sommerweizen hatte eine Anbaufläche von 33.600 ha, im langjährigen Durchschnitt sind es bei normalen Witterungsbedingungen 6.000 ha. Es wird ein Ertrag von 49 dt/ha erwartet (minus 32 % zum Vorjahr).

Auch Stroh – sowohl für Futterzwecke als auch als Einstreu – ist knapp, was sich in der Preisentwicklung niederschlägt. Hier werden teils bis zu 200 €/t frei Hof bezahlt, das ist fast das Doppelte wie in den bisherigen Jahren, zuletzt sanken die Preise aber wieder. Gleiches gilt auch für Heu (getrocknetes Gras) zu Futterzwecken. Wenn es zu bekommen ist, werden für Heu Preise ebenfalls von 200 €/t gefordert. Auch die Grasernte mit normalerweise vier bis fünf Schnitten im Jahr ist deutlich schlechter ausgefallen. Zweiter und dritter Schnitt fielen vielerorts aus, und erster und zweiter Schnitt, wenn er stattfand, hatte rund 20 bis 30 % Ertragsverluste. Regional gibt es hier große Unterschiede.

Mit den kürzlichen Regenschauern wächst jetzt regional jedoch die Hoffnung für einen abschließenden vierten Schnitt. Die Kammer rät Landwirten, verbräunte Grasnarben zu kontrollieren und jetzt nachzusäen.

Silomais hat in diesem Jahr eine Anbaufläche von rund 179.000 ha, das sind 11 % mehr als im Vorjahr. Nachdem der Maisanbau in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist, ist dieser Anstieg ebenfalls auf die ungünstige Herbstwitterung 2017 zurückzuführen. Es werden auch hier deutlich niedrigere Erträge von bis zu 50 bis 60 % erwartet. Teils haben die Pflanzen keinen Kolben gebildet, und wenn, dann sind die Körner schlecht ausgebildet. Erste, ganz schlechte Bestände sind bereits geerntet worden. Bei den übrigen können vielleicht noch Inhaltsstoffe in den Kolben, wenn vorhanden, gebildet werden, wesentliche Blattmassezuwächse sind aber nicht zu erwarten. Es geht zum einen darum, den richtigen Reifezeitpunkt zu finden, um Silierverluste zu vermeiden, und oder noch um die Nachsaat einer zweiten Futterpflanze. Maissilage frei ab Hof kostet 50 bis 60 €/t, Maissilage ab Feld 35 bis 45 €/t.

Auch die Kartoffeln sind stark von der Trockenheit betroffen. Die Kartoffelanbaufläche in Schleswig-Holstein liegt 2018 bei rund 5.600 ha. Davon sind rund 3.300 ha Speisekartoffeln und davon 400 ha Frühkartoffeln. Etwa 40 % der Kartoffelfläche steht unter Beregnung. Es ist mit Ertragsverlusten von 30 bis 40 % zu rechnen. Mitunter können außerdem Qualitätsprobleme dazu kommen. Während die Frühkartoffelernte beendet ist, hat die normale Speisekartoffelernte noch nicht begonnen. Die Preise für Speisekartoffeln ziehen im Hinblick auf die erwarteten Ertragsausfälle bereits deutlich an (260 bis 280 €/t), das sind 50 mehr als im Vorjahr. Im Bereich der Pflanzkartoffeln sind Verluste in ähnlicher Höhe wie bei Speiseware zu erwarten, wobei die Marschstandorte wie Nordstrand weniger betroffen sind. In Schleswig-Holstein wird auf ca. 2.300 ha Kartoffel-Vermehrungsanbau betrieben, wie hier auf dem Betrieb Meyer. Von den geernteten Pflanzkartoffeln werden etwa 85 % außerhalb Schleswig-Holsteins abgesetzt. Auch bei den Pflanzkartoffeln wird von höheren Preisen ausgegangen.

Der landwirtschaftliche Betrieb von Sylvia Hagen und Karl-Volkert Meyer ist ein sehr vielseitiger Ackerbaubetrieb mit angegliederter Biogasanlage. Es werden i. d. R. pro Jahr mehr als zehn verschiedene Ackerkulturen angebaut (üblich ist zurzeit in Schleswig-Holstein eine dreifeldrige Fruchtfolge von Winterraps, Weizen und Gerste).

Wie war das Anbaujahr?

Schleswig-Holstein war in mehrfacher Hinsicht von für den Pflanzenbau ungünstigen Witterungsbedingungen betroffen. Im Herbst 2017 waren viele Böden aufgrund hoher Niederschläge nicht befahrbar, sodass deutlich weniger Wintergetreide und Winterraps ausgesät werden konnte. Bis Ostern litten die Bestände unter Staunässe; im März sorgten Spätfröste für weitere Schäden. Die Aussaat von Sommergetreide erfolgte relativ spät. Die Pflanzen schafften es nicht, ihr Wurzelsystem vor dem Einsetzen von Hitze und Trockenheit bis in tiefere Schichten zu entwickeln, sondern wuchsen gewissermaßen dem Wasser hinterher. In den Monaten Mai und Juni fiel in Schleswig-Holstein im Landesdurchschnitt jeweils etwa nur die Hälfte des im langjährigen Durchschnitt möglichen Niederschlages. Neben starker Sonneneinstrahlung führte auch ein anhaltender Ostwind zum Austrocknen der Böden.

Medien-Information vom 22. August 2018 zum Herunterladen (PDF 481KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Verantwortlich für den Pressetext: Daniela Rixen, Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Telefon: 0 43 31-94 53-110, E-Mail: drixen@lksh.de;

Joschka Knuth, Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Naturschutz und Digitalisierung, Mercatorstraße 3, 24106 Kiel, Telefon: 0431-988-7201, E-Mail: pressestelle@melund.landsh.de

 

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