Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

Portraitfoto Dr. Robert Habeck
Dr. Robert Habeck

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

© M. Staudt / grafikfoto.de

Energiewendeminister Habeck bedauert Verzögerungen bei Schacht Konrad: „Das ist ein weiterer Beleg für den Irrsinn der Atomenergie.“

Datum 08.03.2018

KIEL. Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck hat die weiteren Verzögerungen bei der Inbetriebnahme des Endlagers Konrad für schwach- und mittelradioaktive Atomabfälle bedauert. „Dass der Abtransport der schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle aus Schleswig-Holstein nun später beginnt, ist natürlich misslich. Aber die Gesamtdauer der Zwischenlagerung an den einzelnen Atomstandorten muss sich nicht zwangsläufig erhöhen. Hier hat der Bund Maßnahmen aufgezeigt, wie es schneller gehen kann. Ich erwarte, dass diese festgestellten Potenziale ausgeschöpft werden. Das schulden wir nicht zuletzt der Bevölkerung an den Standorten der Kernkraftwerke. Sicherheit geht aber immer vor“, sagte Minister Habeck heute (8. März 2018) in Kiel. Der Rückbau könne wie geplant voranschreiten.

Insgesamt zeige sich, dass nicht nur Standortsuche und Genehmigungsverfahren, sondern auch die Errichtung eines Endlagers ungeheuer komplexe und langwierige Verfahren sind.

Portraitfoto Dr. Robert Habeck

Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass man sich nie auf den Irrweg der Atomenergienutzung hätte begeben dürfen. Es war von Anfang an unverantwortlich, in großem Stil Atommüll zu produzieren, ohne zu wissen, ob und wann es jemals sichere Endlager hierfür geben würde. Das war wie ein Flugzeugstart ohne Landebahn.

Dr. Robert Habeck

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hatte mitgeteilt, dass das in Niedersachsen gelegene Endlager nicht vor 2027 in Betrieb gehen könne. Ursache für die neuerliche Verzögerung sind demnach im Wesentlichen Probleme bei der Abwicklung von Verträgen aufgrund unklarer Strukturen der Vergangenheit, die im Zuge eines Sachverständigengutachtens offenbar wurden. Unter anderem diese Unklarheiten hatten im vergangenen Jahr auf Empfehlung der Endlagerkommission bereits zu einer umfassenden Neuordnung der Zuständigkeiten im Bereich der Endlagerung radioaktiver Abfälle geführt. Die damit verbundenen Maßnahmen begrüßt Minister Habeck ausdrücklich: „Es war klar, dass damit nicht auf einen Schlag alle Nachwirkungen von Fehlern der Vergangenheit beseitigt werden konnten. Aber die Neuorganisation war ein großer Schritt nach vorne. Gut, dass der Bund sich hier ehrlich macht. Das lässt hoffen, dass es in Zukunft besser läuft.“

Für Schleswig-Holstein bedeutet die Verschiebung der Inbetriebnahme, dass mit dem Abtransport der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus dem Betrieb und dem Rückbau der Kernkraftwerke und des Forschungsreaktors in Geesthacht jetzt frühestens fünf Jahre später, also nicht vor dem Jahr 2027 begonnen werden kann. Auf den Rückbau der kerntechnischen Anlagen hat dies keinen Einfluss, da es ohnehin mehrere Jahrzehnte dauert, bis alle Abfälle an das Endlager abgeliefert sind und in dieser Zeit Zwischenlager vorzuhalten sind. Die geplanten Zwischenlagerkapazitäten an den Standorten Brunsbüttel und Krümmel sind dabei so bemessen, dass sie alle schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus dem Betrieb und dem Rückbau der Kernkraftwerke aufnehmen können. Ebenso verhält es sich beim Forschungsreaktor Geesthacht. Für das geplante Zwischenlager beim noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerk Brokdorf werden die Kapazitäten im gerade erst begonnenen Stilllegungsgenehmigungsverfahren noch zu prüfen sein. Auch hier wird die schleswig-holsteinische Atomaufsicht darauf achten, dass für alle an das Endlager Konrad abzuliefernden Abfälle ausreichende Zwischenlagerkapazitäten nachgewiesen sind. Die Zwischenlager werden an allen schleswig-holsteinischen Standorten nach neuesten Standards unter besonderer Berücksichtigung der Langzeitsicherheit errichtet und ermöglichen insbesondere regelmäßige und systematische Inspektionen.

Für Verzögerungen wie die aktuell bekannt gegebene ist damit Vorsorge getroffen. Trotzdem erhöht sich durch die jetzige Verzögerung bei der Inbetriebnahme des Endlagers nicht zwangsläufig die Gesamtdauer der Zwischenlagerung. Das von der BGE eingeholte Sachverständigengutachten hat auch eine Reihe von Optimierungsmaßnahmen im weiteren Verlauf aufgezeigt, darunter die Verkürzung der Einlagerungszeit durch die Einführung eines Zweischichtbetriebes. Außerdem ist im Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung die Errichtung eines zentralen Bereitstellungslagers vorgesehen.

Hintergrund:

Bei Schacht Konrad handelt es sich um ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk im Stadtgebiet von Salzgitter, das derzeit zum Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung umgerüstet wird. Mit der Untersuchung auf Eignung als Endlager wurde bereits 1976 begonnen, die konkreten Planungen begannen 1984 und seit 2007 liegt ein bestandskräftiger Planfeststellungsbeschluss für die Errichtung und den Betrieb des Endlagers vor. In die Kategorie der nicht Wärme entwickelnden Abfälle fällt rund 90 Prozent des in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfallvolumens. Dieses beinhaltet aber nur weniger als 1 Prozent der gesamten Radioaktivität allen Abfalls.

Der Großteil der Radioaktivität entfällt auf die hier nicht betroffenen sog. Wärme entwickelnden (hoch radioaktiven) Abfälle, insbesondere die Brennelemente aus dem Betrieb der Kernkraftwerke. Die Suche nach einem Standort für ein Endlager für diese Abfälle wurde im Jahr 2013 auf Grundlage des Standortauswahlgesetzes neu begonnen. Hier wird mit einer Inbetriebnahme nicht vor 2050 gerechnet. Die Zwischenlagerung dieser Abfälle wird in den sog. Standortzwischenlagern an den Standorten der Kernkraftwerke sichergestellt.

Medien-Information vom 8. März 2018 zum Herunterladen (PDF 177KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Verantwortlich für diesen Pressetext: Nicola Kabel | Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung | Mercatorstraße 3, 24106 Kiel | Telefon 0431 988-7201 | Telefax 0431 988-7173 | E-Mail: pressestelle@melund.landsh.de |
Medien-Informationen der Landesregierung finden Sie aktuell und archiviert im Internet unter www.schleswig-holstein.de |
Das Ministerium finden Sie im Internet unter www.melund.schleswig-holstein.de

 

Alle Medien-Informationen direkt erhalten?

RSS Abonnieren Sie hier unseren Newsfeed.