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Geflügelpest

© dpa

Seit Ende Oktober 2020 hält in Schleswig-Holstein das bislang schwerste Geflügelpestgeschehen im Land an. Schon jetzt übersteigt die Geflügelpest-Epidemie hinsichtlich Intensität und Fallzahlen das Geschehen 2016/2017. Neben landesweit zahlreichen Nachweisen der Geflügelpest bei Wildvögeln ist es auch in mehreren kleinen und großen Geflügelhaltungen zum Ausbruch der Tierseuche gekommen.

Geflügelpest in Schleswig-Holstein

Die Aviäre Influenza kann in zwei Formen bei Hausgeflügel und Wildvögeln auftreten: die niedrigpathogene Form (LPAI) oder die hochpathogene Form (HPAI), die Geflügelpest. Die hochpathogene Form unterliegt sowohl bei Wildvögeln als auch beim Hausgeflügel der Anzeigepflicht und wird durch die Maßnahmen der Geflügelpest-Verordnung bekämpft. Eine Impfung gegen das Virus ist nicht erlaubt.

Ausbrüche bei Wildvögeln

Laut Experten ist es aufgrund detaillierter Analysen am wahrscheinlichsten, dass die Tierseuche nach Europa und Deutschland über Zugvögel gelangt ist, die aus von der Geflügelpest betroffenen Gebieten kommen. Bereits seit Ende Juli 2020 ist aus Russland und Kasachstan eine Serie von Geflügelpest-Ausbrüchen des Subtyps H5N8 bei Geflügel und Wildvögeln gemeldet worden. Die betroffenen Regionen liegen auf der Route von migrierenden Wasservögeln, die im Herbst nach Europa ziehen. In den Jahren 2005/2006 und 2016/2017 waren ähnliche Ausbruchsserien in derselben Region einem dann folgenden umfangreichen Geschehen in Europa vorausgegangen.

In Schleswig-Holstein ist die Geflügelpest im Herbst 2020 zunächst in Nordfriesland festgestellt worden, ehe sie auf etliche Landkreise übergriff. Innerhalb nur weniger Tage sind mehr als 3000 verendete Wildvögel gezählt worden - darunter Möwen, Wildgänse, Wildenten, Brachvögel, Mäusebussarde, Turmfalken oder Austernfischer. Damit nicht weitere Haus- und Nutztiere oder Wildvögel angesteckt werden können, hat das Land im November die Stallpflicht für Geflügel eingeführt.

Geflügelpest in Haustierhaltungen

In die Hausgeflügelbestände kann die Geflügelpest auf mehreren Wegen eingeschleppt worden sein. In Freilandhaltungen sind direkte Kontakte mit infizierten Wildvögeln möglich. Aber auch in anscheinend geschlossene Haltungen kann das Virus durch indirekte Kontakte eindringen: Bereits Spuren von Kot oder nicht sichtbaren Nasensekreten von infizierten Vögeln reichen für eine Übertragung aus. Risiken stellen außerdem verunreinigtes Futter, Wasser, Gerät oder verunreinigte Einstreu, Schuhe sowie Einstallung von Tieren und Personen- und Fahrzeugverkehr dar. Zudem kann es auch zwischen Geflügelhaltungen etwa durch den Zukauf von Geflügel oder indirekte Kontakte (wie den Personen- und Fahrzeugverkehr) zu Übertragungen der Geflügelpest kommen.

Nonnengänse fliegen von einer Wiese los. Das Bild ist aus Eiderstedt in Nordfriesland. Nonnengänse (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Nonnengänse in Nordfriesland © M.Staudt

Monitoring verstärkt

Aufgrund des aktuellen Vogelzugs in Schleswig-Holstein gilt es, wachsam zu sein und mögliche Ausbrüche im Land frühzeitig zu erkennen. Hierzu finden ganzjährig und über das Land verteilt verschiedene Monitorings in Hausgeflügelbeständen sowie in der Wildvogelpopulation statt. Das sogenannte passive Wildvogelmonitoring, die Untersuchung von verendet aufgefundenen Wildvögeln, wurde im Sinne eines Frühwarnsystems nochmals verstärkt wird. Zusätzlich wird intensiv die internationale Lage und Entwicklung beobachtet.

Halterinnen und Halter müssen wachsam sein

Für alle Halterinnen und Halter von Geflügel im Land gilt, die allgemeinen Schutzmaßregeln, die in der Geflügelpest-Verordnung vorgeschrieben sind, konsequent umzusetzen - unabhängig von der Größe oder dem Zweck der Haltung. Hierzu zählt unter anderem, Geflügel nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen zu füttern und zu tränken. Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen Geflügel in Berührung kommen kann, sollen für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden. Die veterinärmedizinische Untersuchung bei einem unklaren Krankheitsgeschehen im Bestand, erhöhten Verlusten in der Herde oder einer reduzierten Legeleistung sind ebenfalls vorgeschrieben. Darüber hinaus sind alle bislang noch nicht gemeldeten Geflügelhaltungen beim zuständigen Veterinäramt und beim Tierseuchenfonds anzuzeigen.

Als zusätzliche Maßnahme zum Schutz aller Geflügelhaltungen hat das Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung aufgrund des derzeitigen Geflügelpestgeschehens eine Allgemeinverfügung zur Festlegung von vorbeugenden Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelhaltungen für alle privaten und gewerblichen Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter erlassen. Diese sowie allgemeine Verhaltensregeln für Kleinbetriebe mit Geflügelhaltung und Geflügelhobbyhaltungen zur Erläuterungen der praktischen Umsetzung der Allgemeinverfügung sind unter nachfolgendem Link abrufbar:

Stallpflicht angeordnet

Als weitere Maßnahme nach Geflügelpest-Verordnung ist die Aufstallung von Freilandgeflügel aufgrund der jeweiligen Lage von den Kreisen und kreisfreien Städten angeordnet. Die Pflicht zur Aufstallung kann für das vollständige Gebiet des Kreises oder der kreisfreien Stadt gelten oder auf bestimmte Regionen reduziert sein. Nähere Informationen hierzu stellen die Kreise und kreisfreien Städte zur Verfügung; sie sind deren Allgemeinverfügungen zu entnehmen.

Aufmerksam sein

Wer tote oder krank erscheinende Wasservögel oder Greifvögel entdeckt, wird dringend gebeten, sie dem Veterinäramt des jeweiligen Landkreises und der kreisfreien Stadt zu melden. Diese Stellen organisieren dann das Einsammeln und Beproben verendeter Tiere. Untersuchungen dieser Tiere helfen, die Verbreitung des Virus im Land zu ermitteln. Verendete oder krank erscheinende Tiere sollten nicht berührt, eingefangen oder vom Fundort verbracht werden, um eine weitere Verschleppung der Erkrankung zu vermeiden.

Aktuelle Meldungen zur Geflügelpest

Hinter einem Zahn ist ein Huhn zu sehen © Pexels.com
04.05.2021

Ge­flü­gel­pest: We­ni­ger Nach­wei­se im Land

Erste Landkreise bewerten das Infektionsrisiko neu und haben in einigen Regionen die Stallpflicht für Geflügel gelockert

Ein Huhn schaut im Stall durch das Gitter. © Pexels.com
29.04.2021

Auf­stall­pflicht wird teil­wei­se ge­lo­ckert

Geflügel in Teilen von Pinneberg, Nordfriesland und Plön muss nicht mehr im Stall bleiben.

Hühner in einem Stall © M. Staudt / grafikfoto.de
29.03.2021

Jung­hen­nen aus Nord­rhein-West­fa­len be­trof­fen

Halterinnen und Halter, die Tiere aus Aufzuchtbetrieb gekauft haben, sollten wachsam sein.

Das Bild zeigt Alpenstrandläufer, die im Wattenmeer nach Nahrung suchen. © Martina Kairies
24.03.2021

"Ge­flü­gel­pest ist im­men­se Be­las­tung für Na­tur­raum"

Von 10.000 im Watt überwinternden Strandläufern sind beinahe 3000 Tiere gestorben.

Hennen stehen in einem Stall © M. Staudt / grafikfoto.de
12.03.2021

Er­neut Ge­flü­gel­pest in Hüh­ner­hal­tung

In einem Stall mit 53.000 Legehennen im Kreis Plön wurde Geflügelpest bestätigt.

Einige Hennen stehen im Stall eines Geflügelbetriebs. Pexels.com
07.03.2021

Ge­flü­gel­pest in Plö­ner Be­trieb

In einer Haltung mit 76.000 Legehennen im Kreis Plön wurde Geflügelpest bestätigt. Landwirtschaftsminister Albrecht ruft zu erhöhter Vorsicht auf.

Mehrere Hühner stehen im Freien auf einem Hof. M. Staudt / grafikfoto.de
05.03.2021

In zwei Klein­hal­tun­gen ist Ge­flü­gel­pest aus­ge­bro­chen

Bei weiteren 24 Wildvögeln ist die Geflügelpest nachgewiesen worden. Erstmals befindet sich darunter der neue Subtyp H5N4 im Kreis Plön.

Zwei Schwäne schwimmen im Wasser. © M. Staudt / grafikfoto.de
26.02.2021

Erst­mals Sub­typ H5N4 nach­ge­wie­sen

Bei einem Schwan und einer Möwe in Ostholstein ist erstmals in Schleswig-Holstein dieser Subtyp festgestellt worden.

Eine Schar Gänse auf einer grünen Wiese. © M. Staudt / grafikfoto.de
29.12.2020

1800 Gän­se in Dith­mar­schen be­trof­fen

Die Vögel im Landkreis Dithmarschen mussten getötet werden. Elf weitere Bundesländer melden Geflügelpest bei Wildvögeln.

Spülsaum mit Seegras und Austernfischern © pixabay
22.12.2020

Wei­te­re Tot­fun­de an der West­küs­te

Rund 15.700 tote Wildvögel sind inzwischen an der Westküste gefunden worden. Die Stallpflicht besteht weiterhin.

Eine Henne steht inmitten anderer Hühner in einem Stall. © M. Ruff / grafikfoto.de
24.11.2020

11.000 to­te Wild­vö­gel ge­fun­den

Im Vergleich zum Geflügelpestgeschehen 2016/17 bereits mehr als doppelt so viele Nachweise bei Wildvögeln vor.

Austernfischer fliegen über das Wattenmeer. Das Bild ist an der Hallig Langeness entstanden. © M.Staudt / grafikfoto.de
24.11.2020

9.600 to­te Wild­vö­gel ge­fun­den

Immer mehr verendete Wildvögel werden an der schleswig-holsteinischen Westküste gezählt.

Inmitten einer Gruppe Möwen landet eine Ente © M. Staudt / grafikfoto.de
20.11.2020

Ge­flü­gel­pest auf Pell­worm

In einer Gänsehaltung mit 650 Tieren ist die Geflügelpest ausgebrochen. Nun müssen die Tiere getötet werden.

Eine Schar Gänse auf einer grünen Wiese. © M. Staudt / grafikfoto.de
17.11.2020

Neu­er Ge­flü­gel­pest-Nach­weis

In einer Geflügelhaltung im Kreis Nordfriesland wurde die Geflügelpest nachgewiesen. Die Tiere müssen nun getötet werden.

Ein Mann steht mit Straßenschuhen im Hühnerstall. © M.Staudt / grafikfoto.de
11.11.2020

Hy­gie­ne im Hüh­ner­stall

Für gewerbliche oder private Geflügelhalter in Schleswig-Holstein gelten nun einheitliche Biosicherheitsvorschriften

Ein Hahn kräht inmitten einer Schar Hühner. © M. Ruff / grafikfoto.de
10.11.2020

Lan­des­wei­te Stall­pflicht

Weil acht Kreise in Schleswig-Holstein von der Geflügelpest betroffen sind, müssen die Tiere in den Stall.

Das Bild zeigt ein Fasan auf einer grünen WIese. © Franz-Josef Willenborg
09.11.2020

Land­kreis Se­ge­berg be­trof­fen

In einer kleinen Geflügelhaltung mit Hühnern, Fasanen und Enten ist die Geflügelpest ausgebrochen.

Das Bild zeigt Möwen, die auf einem Geländer am Nord-Ostsee-Kanal sitzen. © M. Staudt / grafikfoto.de
07.11.2020

Ge­flü­gel­pest auch in Stein­burg

Inzwischen liegen Nachweise aus vier Landkreisen vor. Insgesamt 75 Wildvögel wurden positiv getestet.

Eine Henne steht inmitten anderer Hühner in einem Stall. © M. Ruff / grafikfoto.de
05.11.2020

Kran­ke Tie­re auf Hal­lig Oland

Zudem ist die Tierseuche bei einer Wildgans im Landkreis Rendsburg-Eckernförde nachgewiesen worden.

Ein Schwarm Nonnengänse landet zur Rast an der schleswig-holsteinischen Westküste. Michael Staudt / grafikfoto.de
04.11.2020

1000 to­te Vö­gel ge­fun­den

An der Westküste Schleswig-Holsteins breitet sich die Tierseuche unter Wildvögeln weiterhin aus.

Gänse © M. Staudt / grafikfoto.de
02.11.2020

Fäl­le auch in Dith­mar­schen

In Nordfriesland und Dithmarschen sind neun weitere Wildvögel mit der Geflügelpest infiziert.

Eine Pfeifente läuft über das Gras. © N. Glaubitz
30.10.2020

To­te Wild­vö­gel in Nord­fries­land

Bei einer Pfeifente, einem Brachvogel und einem Wanderfalken ist Geflügelpest nachgewiesen worden.

Die Geflügelpest im Winter 2016/2017

Das Geflügelpest-Geschehen im Winter 2016/17 gilt als das bislang schwerste und am längsten andauernde Geschehen seit Beginn der Aufzeichnungen. Schleswig-Holstein gehörte hier zu den stark betroffenen Ländern. Hier wurde hochpathogenes aviäres Influenzavirus der Subtypen H5N8 und H5N5 in der Wildvogelpopulation sowie in Hausgeflügelhaltungen amtlich festgestellt.

Chronologie des Geflügelpest-Ausbruchs 2016/2017

  1. Aviäre Influenza
  2. Übertragung

Aviäre Influenza

Aviäre Influenza

Aviäre Influenza

Die Aviäre Influenza kann in zwei Formen bei Hausgeflügel und Wildvögeln auftreten: Die niedrigpathogene Form (LPAI) oder die hochpathogene Form (HPAI), die Geflügelpest. Die hochpathogene Form unterliegt sowohl bei Wildvögeln wie auch beim Hausgeflügel der Anzeigepflicht und wird durch die Maßnahmen der Geflügelpest-Verordnung bekämpft. Eine Impfung gegen das Virus ist nicht erlaubt.

Übertragung

Übertragung


Übertragung

Laut Experten ist aufgrund detaillierter Analysen ein Eintrag nach Europa und Deutschland über Zugvögel, die aus von der Geflügelpest betroffenen Gebieten kommen am wahrscheinlichsten.

Für eine Einschleppung in Hausgeflügelbestände kommen mehrere Wege in Betracht. In Freilandhaltungen sind direkte Kontakte mit infizierten Wildvögeln möglich. Aber auch in scheinbar geschlossene Haltungen kann das Virus durch indirekte Kontakte eindringen. Bereits Spuren von Kot bzw. Nasensekreten, die nicht sichtbar sind, von infizierten Vögeln reichen hierbei für eine Übertragung aus. U.a. Verunreinigtes Futter, Wasser, Gerät oder verunreinigte Einstreu, Schuhe sowie Einstallung von Tieren und Personen- und Fahrzeugverkehr stellen Risiken dar.

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Die Geflügelbestände in Schleswig-Holstein sind wegen der Geflügelpest gefährdet. Damit kein Geflügelpest-Erreger durch Wildvögel in die Ställe gelangt, gelten für Halter von Geflügel besondere Verhaltensregeln.

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Das Geflügelpest-Geschehen im Winter 2016/17 gilt als das bislang schwerste und am längsten andauernde Geschehen seit Beginn der Aufzeichnungen.

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