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Aufarbeitung von Leid und Unrecht

Staatskanzlei

Viele Menschen, die in der Zeit von 1949 bis 1975 als Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Behindertenhilfe, der Kinder-und Jugendpsychiatrie oder der damaligen Jugendfürsorge untergebracht waren, haben dort Leid und Unrecht erfahren. Noch heute leiden Betroffene an den Folgen von Zwangsmaßnahmen, Demütigungen, Unterversorgung, Strafen, Gewalt und Medikamentenversuchen.

Auf den folgenden Seiten informiert das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein (anhand einer Darstellung von Schwerpunkten) über die Aktivitäten zur (wissenschaftlichen) Aufarbeitung dieses Unrechts und zu Hilfsangeboten für die Betroffenen.

So haben der Bund, die Länder und die Kirchen im Jahr 2017 die Stiftung Anerkennung und Hilfe ins Leben gerufen. Diese Stiftung hat die Aufgabe, das Leid und Unrecht anzuerkennen und die Betroffenen zu beraten und zu unterstützen. Die Stiftung ist in Schleswig-Holstein über die Anlauf- und Beratungsstelle beim LAsD Neumünster zu erreichen. Betroffene können dort eine einmalige Anerkennungszahlung für das erfahrene Leid und Unrecht (maximal 9000 €) sowie eine Rentenersatzleistung beantragen (maximal 5000 €).

Um dieses Leid anzuerkennen und um Impulse für die heutige Betreuung und Behandlung untergebrachter Kinder und Jugendlicher zu setzen, hat das Land zwei Wettbewerbe ausgerufen:

  1. Künstler*innen-Wettbewerb für eine Skulptur, die an das Schicksal der Betroffenen erinnert und die historische Verantwortung dafür ausdrücken soll.
  2. Mit dem „Praxispreis für Innovation und fortschrittliches Engagement“ werden Projekte aus dem Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe ausgezeichnet, bei denen die Förderung von Selbstständigkeit, Partizipation und Teilhabe der dort lebenden jungen Menschen besonders im Vordergrund stehen.

Die Preisträger wurden bereits benachrichtigt. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde bislang auf eine Preisverleihung verzichtet, die im Rahmen einer im Jahr 2021 nachzuholenden Anerkennungsveranstaltung durchgeführt werden soll.

Ein Wunsch Betroffener ist ein unabhängiger Ansprechpartner. Sozialminister Heiner Garg hat daher Ende November 2019 Günther Jesumann zum Unabhängigen Beauftragten für die Belange der Betroffenen berufen. Er ist seit dem 1. Januar 2020 neben der offiziellen Anlauf- und Beratungsstelle ein unabhängiger Ansprechpartner für Menschen in Schleswig-Holstein, die als Kinder oder Jugendliche Leid und Unrecht in Einrichtungen unter staatlicher, kirchlicher oder privater Trägerschaft erfahren hatten. Neben Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Kinder-und Jugendpsychiatrie zählen dazu auch Kinder- und Jugendheime.

Am 28. und 29.11.2018 fand im Plenarsaal des Schleswig-Holsteinischen Landtags ein öffentliches Symposium statt. Die bis dahin bundesweit einmalige Veranstaltung mit dem Titel "Die Vergangenheit im Kopf - die Zukunft in der Hand" wurde gemeinsam mit den Betroffenen vom Sozialausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags und dem Sozialministerium organisiert. Mit der öffentlichen Veranstaltung im Plenarsaal - als dem zentralen politischen Ort Schleswig-Holsteins - sollte in einer öffentlichen Aufarbeitung dazu beigetragen werden, dass Betroffene Gehör finden und Wertschätzung erfahren.

Weitere Informationen zum Symposium, zu den Preisträgern, zur wissenschaftlichen Aufarbeitung und zur Stiftung "Anerkennung und Hilfe" finden Sie in den unten stehenden Boxen.

Allgemeiner Hinweis

Das Sozialministerium erinnert daran, dass Betroffene, die in der Zeit von 1949 bis 1975 als Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Behindertenhilfe, der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der damaligen Jugendfürsorge Leid und Unrecht erfahren haben, weiterhin einen Antrag auf finanzielle Hilfe bei der Stiftung Anerkennung und Hilfe stellen können. Die Stiftung hatten Bund, Länder und Kirchen 2016 eingerichtet, um Betroffene zu unterstützen. Die Anmeldefrist zum Erhalt von Stiftungsleistungen wurde kürzlich bis 30. Juni 2021 verlängert, sodass Betroffene ein halbes Jahr mehr Zeit haben, einen Antrag zu stellen.
Kontakt für Betroffene: Landesamt für soziale Dienste Stiftung Anerkennung und Hilfe, Telefon: 04321 913-753 oder -751, Steinmetzstraße 1-11, 24534 Neumünster.

Dokumente

zwei Jugendliche springen über einen Graben auf einer grünen Wiese Grafikfoto.de / M. Ruff

Wettbewerb Praxispreis

Wettbewerb für Innovation und fortschrittliches Engagement in Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendhilfe und …

ein Holzblock wird mit einem Stemmeisen bearbeitet Grafikfoto.de / M.Staudt

Wettbewerb "Anerkennungsskulptur Leid und Unrecht"

Wettbewerb für Künstlerinnen und Künstler aus Schleswig-Holstein

Rednerpult mit zwei Mikrofonen Fotolia / Alexander Zamaraev

"Die Vergangenheit im Kopf - die Zukunft in der Hand"

Öffentliches Symposium im Plenarsaal in Kiel am 28. und 29.11.2018

Frau am PC Fotolia / Kneschke

Wissenschaftliche Aufarbeitung

Medikamentenversuche in Psychiatrien und Heimen Schleswig-Holsteins 1949 bis 1975: Stand der Forschung und Perspektiven.

Logo der Stiftung Anerkennung und Hilfe Stiftung Anerkennung und Hilfe

Was wir für Sie tun...

Aufgaben der Stiftung "Anerkennung und Hilfe": Anerkennung von Leid und Unrecht Betroffener in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe bzw. …

Herr Jesumann trägt auf dem Bild eine ergraute Kurzhaarfrisur, eine randlose Brille und einen Schal um den Hals © Pat Scheidemann

Unabhängiger Beauftragter

Seit dem 1. Januar 2020 ist Günther Jesumann unabhängiger Beauftragter für Menschen in Schleswig-Holstein, die als Kinder oder Jugendliche Leid und …