Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Landespolizei Schleswig-Holstein

Landespolizei Schleswig-Holstein

„Cybermobbing“ – Prävention und Ermittlung

Bild zeigt eine Person mit einem Handy in der Hand, im Hintergrund geht eine Frau nach linksMobbing von unterwegs: Eltern kriegen oft nicht mit, was ihre Kinder online machen © Landespolizei SH

Es ist ein Phänomen des Internet-Zeitalters und der für Kinder und Jugendliche inzwischen selbstverständlichen mobilen Kommunikation: Cybermobbing. Es zwar keine eigene Straftat, doch Cybermobbing kann Handlungen beinhalten, die gegen das Gesetz verstoßen. Cybermobbing liegt dann vor, wenn Personen oder Gruppen andere Personen mittels elektronischer Kommunikationsmedien, also z. B. dem Handy oder Internet, absichtlich und systematisch über einen längeren Zeitraum belästigen, bedrohen, bloßstellen und ausgrenzen.

Info Cybermobbing – 3 Fragen – 3 Antworten

Dem Cybermobbing, als einer Sonderform des Mobbings, begegnet die Landespolizei Schleswig-Holstein mit einer Vielzahl an Maßnahmen zur Prävention und der Unterstützung von Opfern solcher Taten. Im Falle einer Anzeige ermittelt sie auch gegen die Beschuldigten und arbeitet mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Kinder lernen den Umgang mit Smartphones oft untereinander

Smartphones, Tablets und Co. sind heute bei Jugendlichen nahezu flächendeckend vorhanden. Woran es den Kindern und Jugendlichen dagegen fehlt ist die Kenntnis vom Umgang damit: es mangelt an Medienkompetenz. „Wenn wir bei unseren Besuchen in Schulklassen die Kinder mal danach fragen, wer ihnen die Bedienung des Smartphones beigebracht hat, dann antworten die Kinder ganz oft: Das bringen wir uns selbst bei oder Freunde erklären es uns“ beschreibt Ove Fallesen, der bei der Landespolizei als Präventionsbeamter tätig ist. „Eltern erklären Ihren Kindern das Fahrradfahren und sensibilisieren für den Straßenverkehr, aber so einen kleinen Computer, den erklären sie leider ganz oft nicht“.

Wer Mobbingopfer geworden ist, sollte sich zuerst an Vertrauenspersonen wenden, erklärt Fallesen: „Das können die Eltern, Freunde oder Bekannte sein. Oft können die Probleme auch in der Schule, in Gesprächen mit Vertrauenslehrern gelöst werden. Schließlich steht jedem steht der Weg zur Polizei frei“. Im Falle einer Anzeige befassen sich Ermittler und Jugendsachbearbeiter auf den Polizeidienststellen damit, die Zusammenhänge aufzuklären und die Beweise zu sichten. Kinder und auch Jugendliche kommen in Begleitung ihrer Eltern und mit Chatprotokollen, Screenshots und Sprachnachrichten im Gepäck zu Jugendsachbearbeitern wie Karsten Peter [Name geändert]. Über Wochen sammeln sich immer extremere Beleidigungen über WhatsApp und sogar Drohungen auf dem Facebookprofil eines Minderjährigen. Der Verdächtige: auch noch ein Jugendlicher. Peter hat regelmäßig mit solchen Fällen von Cybermobbing zu tun: „Der Vater war sauer, was der Sohn da so alles online abgelassen hat. Die Kommentare bei Facebook postet der Sohn ja nicht von zu Hause aus. Der Vater wusste von nichts und hat erst durch die Anzeige davon erfahren“, beschreibt Peter. Er rät in solchen Fällen zur Anzeige, da Gefahr bestünde, dass eine virtuelle Drohung in die Realität umgesetzt werden könnte: „Wenn der Konflikt zwischen Täter und Opfer weiterschwelt, dann kann es zur nächsten Stufe der Eskalation kommen. Auch wenn ich selbst so einen Fall noch nicht hatte, ist es denkbar, dass es irgendwann zur Körperverletzung kommt“.

Täter und Opfer gehen oft in dieselbe Klasse

Ove FallesenOve Fallesen unterstützt Lehrer und Eltern bei der Vermittlung von Medienkompetenz © Landespolizei SH

Fast immer stehen Täter und Opfer in einer direkten Beziehung zueinander: Schulfreunde, Nachbarn, Bekannte. Mobbing ist in der Regel kein individuelles Problem zwischen Täter und Opfer, sondern muss als Prozess betrachtet werden, an dem auch mal eine ganze Klasse oder Gruppe in verschiedenen Rollen beteiligt ist. Die Ursachen für Mobbing sind vielfältig, es kann sich praktisch überall entwickeln, wo Menschen zusammen leben, lernen oder arbeiten. „In einem Fall hat ein Jugendlicher dem anderen Schläge angedroht und beide kannten sich von der Schule und spielten zusammen Fußball“, erklärt Peter. „Die werden dann auch keine Freunde mehr“.

Die Anlässe für Mobbing sind häufig banal, mitunter genügt es, dass ein späteres Opfer "anders" als die anderen ist. Dies können äußerliche Merkmale sein: Kleidung, Style, Sozialstatus, aber auch Verhaltens- oder Arbeitsweisen, politische, kulturelle oder religiöse Zugehörigkeiten können einen Anlass für Mobbing geben. „In einem Fall mit einem 15 und einem 17-jährigen ging es zum Beispiel um Eifersucht und ein junges Mädchen. Da war dann der neue Freund das Ziel der Attacken und der Ex-Freund ist mit seinen Beleidigungen bei Facebook über das Ziel hinausgeschossen“, beschreibt Peter. Die Landespolizei Schleswig-Holstein beteiligt sich regelmäßig auch an Aktionen im Netz, wie zum Beispiel dem „Safer Internet Day“, der für den Umgang mit dem Medium sensibilisieren soll. Ove Fallesen hält diesen Ansatz für besonders wichtig: „Eltern sollten die Probleme ihrer Kinder im Zusammenhang mit den Neuen Medien ernst nehmen – Verbote lösen das Spannungsfeld nicht“, erklärt er. Die Förderung von Medienkompetenz stehe auch in engem Verhältnis mit dem Aufbau von Sozialkompetenz der Kinder und Jugendlichen.

Das Internet ist aber nicht nur wie im Falle von Cybermobbing ein Instrument der Täter, sondern bietet auch Betroffenen vielfältige Informationen, Rat und Hilfe sogar in einer „Erste-Hilfe-App“ für das Smartphone an. Zum Beispiel unter: http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/


Text: Dennis Schneider