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Landesvertretung in Berlin

© Achim Kleuker

Geteilte Verstrickung am 29.9.2021 um 19.00 in der LV SH

NS-Kontinuitäten nach 1945 in Schleswig-Holsteins Politik, Justiz und Verwaltung // mit Uwe Danker, Flensburg

Eintritt: frei

Anmeldung: notwendig

Dauer: circa 100 Minuten

Anmeldung zur Veranstaltung >> hier

Mit solch exorbitanten Verstrickungen und Belastungen der schleswig-holsteinischen Funktionseliten in Verbrechen des Nationalsozialismus hätte das Forschungsteam um den Historiker Uwe Danker nicht gerechnet.

So weit verbreitet waren biografische Muster von NS-Belastungen nach '45 - allen voran bei Polizisten, Juristen und Medizinern -, dass es brauner Netzwerke gar nicht bedurfte, um sich aufgrund gemeinsamer Erfahrungen zu verständigen. Und doch gelang es ausgerechnet mit diesem Personal, eine funktionierende Demokratie zu errichten.

Am 29. September stellt Uwe Danker wesentliche Ergebnisse der 1200 Seiten starken aktuellen Studie vor, die im Auftrag des schleswig-holsteinischen Landtags erstellt wurde.

Eingebettet in den Vortrag werden Ausschnitte des DFF-Films "Die Affäre Heyde-Sawade" von 1963 vorgeführt. Der ohnehin zeithistorisch spannende DDR-Spielfilm illustriert, wie selbstverständlich Nachkriegseliten in Schleswig-Holstein den Euthanasie-Massenmörder Werner Heyde schützten.

Die Studie

Nach der Untersuchung aus dem Jahr 2016 zur NS-Belastung von Landespolitikern in der Nachkriegszeit ist nun die Folgestudie des Forscherteams um den Historiker Professor Uwe Danker erschienen. Die neue Studie hat sich vorrangig mit der Frage befasst, ob es neben vorbelasteten Einzelpersonen auch NS-Netzwerke in Politik, Justiz und Verwaltung gab. Ein Ergebnis: Viele Beamte in den genannten Bereichen weisen eine „biografische Erfahrungsnähe zu nationalsozialistischen Gewaltverbrechen“ auf, wie es in der Untersuchung heißt. NS-belastete Beamte und Juristen stellten also vielfach die überwiegende Mehrheit des Personals des demokratischen Neuanfangs. Überraschend war für die Forschungsgruppe der Umfang der Verstrickung und Belastung. Die massiv in NS-Unrecht verstrickten Funktionseliten waren nicht nur bestens in die Demokratie integriert, sondern maßgeblich an der Errichtung des Rechtsstaats beteiligt. In der Folge begegneten Opfer der NS-Diktatur in Schleswig-Holstein nach 1945 ihren ehemaligen Peinigern in hohen und zum Teil höchsten Ämtern der Verwaltung, des Justizwesens und der Landespolizei wieder.

Uwe Danker

Uwe Danker ist Professor für Geschichte und ihre Didaktik am Seminar für Geschichte und Geschichtsdidaktik der Europa-Universität Flensburg sowie Direktor der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History (frzph) der Europa-Universität Flensburg.

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Logo Affäre Heyde-Sawade © DRA

Die Affäre Heide Sawade

Eingebettet in den Vortrag zeigen wir in Ausschnitten den 1963 vom DFF Deutschen Fernsehfunk produzierten Fernsehfilm "Die Affäre Heide - Sawade" von Friedrich Karl Kaul und Walter Jupe (Bonner Pitaval, 1. Folge), der beispielhaft zeigt, wie der Medizinprofessor und Massenmörder in Schleswig-Holstein nicht nur untertauchte, sondern - gestützt und getarnt durch die Funktionseliten des Landes - seinen Beruf als Gerichtsgutachter ausübte.

 

Logo Schleswig-Holsteinischer Landtag © LV

Schleswig-Holsteinischer Landtag

Der schleswig-holsteinische Landtag hat die Studie in Auftrag gegeben und mit 200.000 Euro finanziert. Eine fast 1200 Seiten starke zweibändige Buchversion ist am 26. Mai erschienen. Die Wissenschaftler haben 482 Biografien untersucht. 

Link zur Pressemitteilung des Landtags