Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein

© M. Staudt/grafikfoto.de

Verwaltung

Wegeverordnung für die Herzogtümer Schleswig und Holstein Wegeverordnung (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © LBV-SH.DE

 Reglement für die Benutzung der neuen Wegelinie zwischen Kiel und Altona Reglement (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Reglement für die Benutzung der neuen Wegelinie zwischen Kiel und Altona © LBV-SH.DE

Eine Straßenbauverwaltung hat im Wesentlichen folgende Aufgaben:

  • Planung des Straßennetzes
  • Baulastträger für Entwurf und Bau der Straße
  • Betrieb der Straße mit Unterhaltung, Instandsetzung und Aufsicht
  • Regelungen für Bau und Nutzung (Verkehrsregeln)
  • Verwaltung, Finanzierung von Maßnahmen, Mitwirkung bei Bauvorhaben am Straßenbereich

Diese Aufgabenbereiche gelten bei allen Straßenbaumaßnahmen in Schleswig-Holstein seit dem Bau der Kiel-Altonaer Chaussee ab 1832 und haben sich bis heute im Prinzip nicht geändert.

Straßenbauverwaltung in dänischer Zeit

Die Verwaltung bzw. Wegeaufsicht erfolgte bis 1842 in den Herzogtümern jeweils durch einen Oberlandweginspektor, der seinerseits 2 Wegeinspektoren vom Wegekorps einsetzte. Dabei handelte es sich um ehemalige Angehörige des königlichen Ingenieurskorps. Bau und Unterhaltung der Straßen und Wege lag bei den Städten, Kommunen bzw. Kreisen und adeligen Gütern. Eine staatliche Finanzierung gab es nicht. Träger der Straßenbaulast waren Anlieger, die den Bau und die Instandsetzung von Wegen durch Hand- und Spanndienste zu erbringen hatten.
Für den Chausseebau änderte sich das mit dem Bau der Kiel Altonaer Chaussee und später durch die Wegeordnung von 1842.

1832 wurde für die Kiel-Altonaer Chaussee ein umfangreiches „Reglement für die Benutzung der neuen Wegelinie zwischen Kiel und Altona“ herausgegeben, unterschrieben von König Frederik VI am 18.12.1831.
Das Reglement war nicht nur für die Kiel-Altonaer Chaussee verbindlich, sondern galt auch für andere neu erbaute Kunststraßen bis 1842 per öffentlicher Bekanntmachung mit jeweils ortsspezifischen Anpassungen.
In diesem Reglement wurden alle notwendigen Verkehrsregeln und ihre Bestrafungen bei Nichtbefolgen eingehend erläutert.
U.a. wurde in 34 Paragraphen folgendes geregelt:

  • Zahlung von Chausseegeld an 13 Barrieren (§4)
  • Ausnahmen vom Wegegeld z.B. Militär, Beamte, Feuerwehr, Armenfuhren (§5)
  • Rechtsverkehr beim Überholen (§11)
  • Beschädigungen an Einrichtungen der Straße (§12)
  • Verunreinigung der Straße (§14)
  • Straßenreinigungspflicht der Gastwirte, die an der Strecke liegen (§15)
  • Abstand von Bienenkörben, Windmühlen, Schützenfesten usw. von der Chaussee (§20)
  • Markierung gefährlicher Lasten (§21)
  • Anbaugenehmigung (§26)
  • Strafen für unangemessenes Benehmen gegenüber dem Wegegelderhebungsbeamten (§33)

Dieses Reglement galt bis zum 1.3.1842, als für die Verwaltung aller Straßen der Herzogtümer Schleswig und Holstein eine 237 Paragraphen umfassende Wegeverordnung erlassen wurde, die am 1.5.1842 in Kraft und 1962 durch das Staats- und Wegegesetz Schleswig-Holstein außer Kraft trat. In dieser Wegeverordnung waren nicht nur die 1832 ergangenen Regelungen enthalten sondern eine Vielzahl von Bau- und Instandsetzungsvorschriften eingearbeitet. Für die Kiel-Altonaer Chaussee war die Chaussee- und Wegebaudirektion in Itzehoe mit den Wegebauinspektoren in Itzehoe, Altona und Neumünster zuständig.

Chausseehäuser

 Für die Chausseewärter wurden dicht an der Fahrbahn stehende Chausseehäuser gebaut. Chausseehäuser (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Für die Chausseewärter wurden dicht an der Fahrbahn stehende Chausseehäuser gebaut. © LBV-SH.DE


Für die Arbeiten an der Chaussee wurden 13 Chausseehäuser für die Chausseewärter und Wegegeldeinnehmer dicht an der Fahrbahn errichtet. Die Chausseehäuser waren meistens eine Kombination von Wegegelderheber- und Wärterhäuser, d.h. der Wegegeldeinnehmer und der Chausseeaufseher waren in einem Gebäude untergebracht. Diese Praxis war auch in Preußen seit etwa 1800 üblich und änderte sich auch nach der 1867 erfolgten preußischen Übernahme nicht.
Vor den Chausseehäusern war die Chaussee in der Regel gepflastert und durch eine Schranke gesperrt, die erst geöffnet wurde, wenn das Wegegeld gezahlt worden war.
Der Bau der Chausseehäuser in Schleswig-Holstein kann ziemlich genau auf die Zeit zwischen 1830 – 1874 festgelegt werden, da ab dem 1. Januar 1875 auf den Staatsstraßen/Provinzialstraßen kein Wegegeld mehr erhoben wurde und damit eine ihrer Hauptfunktionen, die Einnahme des Chausseegeldes, entfiel. Zudem wurde 1875 eine neue Organisationsform für die Verwaltung der Provinzialstraßen eingeführt.


Bis etwa 1834 wurden an der Kiel-Altonaer Chaussee 13 Chausseehäuser (s. Abb.) mit Schlagbäumen in unterschiedlichen Abständen von etwa 4km-8km errichtet, die alle sehr ähnlich waren. Um 1880 gab es mindestens 15 Chausseehäuser mit folgenden Standorten:

  • km 1,7 Eidelstedt (Nr 24)
  • km 7 Rugenbergen
  • km 9,6 Hasloh (Nr.27)
  • km 12,4 Quickborn (Nr.28)
  • km 19,8 Alveslohe (Nr.29)
  • km 23,4 Langeln
  • km 30,4 Lentföhrden (Nr.32)
  • km 34,6 Bramstedt (Nr.33)
  • km 38,0 Fuhlendorf (Nr.34)
  • km 46 Brokenlande
  • km 50,0 Wittorf
  • km 57,7 Einfeld
  • km 67,5 Bordesholm
  • km 74,2 Rotenhahn
  • km 82,3 Kiel

Von den Chausseehäusern steht heute noch eines in Neumünster Wittorf (Altonaer Straße, heutige L 319, siehe Abbildung) bei der früheren Station km 50,0.
Das verhältnismäßig kleine quadratische (heute privates und etwas verändertes) Chausseehaus bestand aus einer kleinen Küche mit Wohnstube und Schlafstube sowie einem großen Keller und einer sehr großen Materialkammer. Hinzu kam ein großer Stall mit Hof, um die ganzen Gerätschaften der Chausseewärter unterzubringen.

Chausseehaus Neumünster Wittorf

 Chausseehaus Neumünster Wittorf Chausseehaus Neumünster Wittorf (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Chausseehaus Neumünster Wittorf © LBV-SH.DE

 Lageplan des Chausseehauses mit Stall um 1880 Lageplan (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Lageplan des Chausseehauses mit Stall um 1880 © LBV-SH.DE

 Chausseehaus 1880, Aufriss und Grundriss Chausseehaus 1880, Aufriss und Grundriss (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Chausseehaus 1880, Aufriss und Grundriss © LBV-SH.DE

Straßenbauverwaltung der preußischen Provinzialregierung

Etwas geändert wurde die dänische Wegeverordnung von 1842 in Schleswig-Holstein erst durch das preußische Reglement vom 25.10.1875, in dem eine Umorganisation der Straßenverwaltung in Schleswig-Holstein erfolgte.
Danach wurden unter einem Landesbaurat 6 Wegebauinspektoren eingesetzt in Itzehoe, Pinneberg, Heide, Plön, Flensburg und Hadersleben bei gleichzeitiger Bildung von Wegebaubezirken, die wiederum in Aufseherdistrikte unterteilt wurden. Die Wegeinspektorate in Schleswig-Holstein wurden um 1911 in Landesbauämter umbenannt.
Die Wegeinspektorate Itzehoe (Wegebaubezirk I) und Plön (Wegebaubezirk II) waren zuständig für die Kiel-Altonaer Chaussee. In ihrem Auftrag wurden die Chaussee um 1880 örtlich lage- und höhenmäßig vermessen und in Karten des Maßstabes 1:1000 bzw. 1:2000 dargestellt.
Die Verwaltung der Chaussee erfolgte mit Hilfe von detailliert geführten Straßenbüchern, in denen jede Arbeit an der Chaussee genauestens dokumentiert wurde. Ab 1935 wurden sie in Karteiform mit den rechtlichen Inhalten und als Straßenbuch mit den technischen Details der Straße wie z.B. Bepflanzungen, Baubreiten, Straßenaufbau, Reparaturen usw. überführt. Zudem wurde eine Übersicht über die Fahrbahnbefestigungen der Chaussee im Detail geführt.

Ab 1932 wurden die wichtigen Chausseen im Deutschen Reich, in Preußen die Provinzialstraßen zu Fernverkehrsstraßen ernannt und nummeriert und ab 1934 in Reichsstraßen und damit in die Trägerschaft des Reiches überführt. Die Kiel-Altonaer Chaussee wurde in dem Zuge zur F 4 und später zur R 4 benannt.

Straßenbauverwaltung heute

Ab 1950 wurden die Reichsstraßen, so auch die Kiel-Altonaer Chaussee (R 4), zu Bundesstraßen (B 4) und ihre Verwaltung den Ländern übertragen, die Baulsat verblieb beim Bund. 1946 wurden die Landesbauämter zu Straßenbauämtern mit Straßenmeistereien umbenannt; 2005 wird daraus der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr mit 4 Niederlassungen (LBV-SH) geschaffen.
Die Verwaltung, d.h. die Unterhaltung, Instandsetzung und Betrieb der Kiel-Altonaer Chaussee (Bundesstraße B 4) erfolgt durch den LBV-SH, vertreten durch seine Niederlassungen in Itzehoe und Rendsburg und den Straßenmeistereien.
Seit 2005 sind alle Straßendaten in einer digitalen Straßeninformationsbank (SIB) enthalten, sofern es sich um eine Landes- und Bundesstraße handelt. In der Datenbank sind alle Daten der Kiel-Altonaer Chaussee wie z.B. Querschnitt, Bäume, Siele, Schächte, Aufbau, Längen, Meilensteine, Brücken usw. metergenau registriert..

Das Reglement über die Nutzung der Neuen Wegelinie vom 13.12.1832 findet sein Pendant bezogen auf die Kiel Altonaer Chaussee heute in folgenden Regelungen:
Bundesfernstraßengesetz (BFStrG) von 1953
Straßenverkehrsordnung (StVO) von 1970
Straßen- und Wegegesetz des Landes Schleswig-Holstein (StrWG) von 1962, in dem unter anderem die WVO von 1842 aufgehoben wurde.
Hinzu kommen die zahllosen Ergänzungsbestimmungen.

Wegegeld für die Nutzung der Kiel-Altonaer Chaussee bzw. Bundesstraße B 4

Wegegeld bzw. Baumgeld für die Nutzung von Wegen und Brücken durch Reiter oder Fuhrwerke gab es in ganz Europa seit dem Mittelalter. In Holstein wurde hauptsächlich vor Brücken und Städten z.B. bei der Hamburg-Kieler Frachtstraße vor Kiel Baumgeld verlangt. Für Transitverkehre war vereinzelt auch Wegegeld zu zahlen. Vollständig abgeschafft wurde das Wegegeld erst um 1900.

 Wegegeldtarif ab 1.1.1832 gem. Reglement vom 13.12.1832 Wegegeldtarif 1832 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Wegegeldtarif ab 1.1.1832 gem. Reglement vom 13.12.1832 © LBV-SH.DE

Für die Kiel-Altonaer Chaussee wurde für die Wegegelderhebung ein detailliertes Tarifsystem (s. Abb.) entwickelt (Reglement vom 13.12.1831). Danach war an 13 Schlagbäumen entlang der Chaussee in der Regel vor Chausseehäusern ein Wegegeld zu entrichten. Längenbezugspunkte für das Wegegeld waren die Meilensteine am westlichen Straßenrand.

 Das Chausseegeld von 1832 wurde durch die Wegeverordnung von 1842 erhöht Chausseegeld von 1842 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Das Chausseegeld von 1832 wurde durch die Wegeverordnung von 1842 erhöht © LBV-SH.DE


Bezahlt wurde in Holstein mit dem Courant Schilling und dem dänische Riksbankschilling.

Wegegeld wurde in beiden Herzogtümern auch nach der Übernahme Preußens am 1.1.1867 für Provinzialstraßen, z.B. der Kiel-Altonaer Chaussee, bis zum 31.12.1874 erhoben. Die Tarife in Preußen und im vormaligen dänischen Schleswig-Holstein waren nahezu identisch und zwar sowohl hinsichtlich Höhe als auch bezüglich der Struktur. Die Umrechnung der Tarife erfolgte bis zur Einführung der Mark mit
1¼ Schilling Courant = 1 preuss. Silbergroschen.
An Kreischausseen, privaten Chausseen und sonstigen Straßen und Wegen z.B. vor Städten und Dörfern war Wegegeld z.T. erheblich länger als bis 1875 zu zahlen.


Wegegeld 2007

Für einen Teilbereich der alten Kiel-Altonaer-Chaussee, dem Bereich der heutigen B 4 ab Bad Bramstedt bis Hamburg wurde ab dem 1.1.2007 wieder Wegegeld in Form einer Maut für alle LKW ab 12t eingeführt. Die dazu ergangenen Regelungen erinnern hinsichtlich der Ausnahmen und der Strafen bei Nichtbezahlen der Maut an das alte Reglement von 1832.
2011 betrug die Höhe der Maut 0,141€/km - 0,288€/km. Die Berechnung der Maut erfolgt anhand von 8 Kriterien, u.a. der Anzahl der Achsen und der Schadstoffklasse. Für die Streckenmessung und Abrechnung wird die Satellitennavigation (GPS) eingesetzt; die Abrechnung erfolgt auf 100m genau. Gesetzlich festgelegt wurde die Zahlung einer Maut im Bundesfernstraßenmautgesetz vom 12.7.2011.

 Wegegeldtarif/Maut gem. BFstrMG vom 12.7.2011 für LKW ab 12t Maut 2007 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Wegegeldtarif/Maut gem. BFstrMG vom 12.7.2011 für LKW ab 12t © LBV-SH.DE

1. Die Maut pro Kilometer beträgt für mautpflichtige Fahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen mit bis zu drei Achsen

a) 0,141 Euro in der Kategorie A,
b) 0,169 Euro in der Kategorie B,
c) 0,190 Euro in der Kategorie C,
d) 0,274 Euro in der Kategorie D.

2.) Die Maut pro Kilometer beträgt für mautpflichtige Fahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen mit vier oder mehr Achsen

a) 0,155 Euro in der Kategorie A,
b) 0,183 Euro in der Kategorie B,
c) 0,204 Euro in der Kategorie C,
d) 0,288 Euro in der Kategorie D.

Beispiel einer Mautberechnung: Ein von Bad Bramstedt bis zur Grenze Hamburg fahrender LKW mit 3 Achsen der Kategorie C zahlt eine Maut von 21,1 km x 0,190€ = 4,-€.

Nachstehend ein kleiner Ausschnitt aus der amtlichen Mauttabelle für alle Streckenabschnitte der Kiel-Altonaer Chaussee (B 4) ab Bad Bramstedt Richtung Hamburg, die mautpflichtig sind:

Unterhaltung, Instandsetzung und Betrieb der Kiel-Altonaer Chaussee

Früher waren die überörtlichen Wege, z.B. die Handels- und Poststraßen als Hauptlandstraßen, überwiegend durch die jeweiligen Gemeinden oder adeligen Gutsherren instand zu halten, durch die sie liefen (s.a. Jütisches Low von 1593). Diese ließen ihrerseits derartige Tätigkeiten durch Hand- und Spanndienste der Anlieger, i.d.R. Landwirte vollbringen, wobei, da unbezahlt und keine Technik vorhanden, praktisch nichts geschah.

Während in Staaten wie England und Frankreich bereits Ende des 18.Jh. erkannt hatten, dass der Bau und die Unterhaltung von Hauptlandstraßen eine staatliche Aufgabe sein muss, änderte sich dieses in Schleswig-Holstein erst 1832 mit dem Bau der Kiel-Altonaer Chaussee und dem Reglement vom 13.12.1831. Ab dem Zeitpunkt wurden Instandsetzungsarbeiten von angestellten Chausseewärtern, die an der Chaussee in Chausseehäusern wohnten, erledigt.

Die Haupttätigkeiten der Chausseewärter waren u.a.

  • Beseitigung und Einebnung von Spurbahnen auf der Chausseeoberfläche
  • Reinigung der Steinschlagbahn von Pferdedung, Lehm, Schlamm
  • Wiederherrichtung der Bankette, Sommerwege und Grabenränder
  • Reinigung der Gräben

Die Arbeiten wurden mit Schaufeln, Hacken, Schieber und Sensen durchgeführt.
Dabei musste mit großer Sorgfalt vorgegangen werden, damit keinesfalls Steine verloren gingen,
Bis zum Einsatz von Maschinen bei der Chausseeunterhaltung hat es Jahrzehnte gedauert. Als erste „Maschine“ wurden Walzen für die Verdichtung der Steinschlag-bahnen eingesetzt.

Nach der Pflasterung der Gesamttrasse mit Kleinpflaster bis 1926 wurden nur die üblichen Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten vorgenommen sowie kriegsbedingte Instandsetzungen und Ausbesserungen mit Asphalt durchgeführt.

Heute wird der Betriebsdienst für die Kiel-Altonaer Chaussee durch die Straßenmeistereinen Stolpe, Hohenwestedt, Klausdorf, Itzehoe und Quickborn durchgeführt und umfasst im Wesentlichen folgende Aufgaben:

  • Kontrolle der Fahrbahnen
  • Bauliche Unterhaltung des Straßenkörpers (Kleinreparaturen wie Ausbessern von Schlaglöchern)
  • Pflege der Wegeseitengräben und sonstigen Entwässerungseinrichtungen
  • Pflege der Bankette
  • Straßenwinterdienste
  • Straßenreinigung
  • Wartung und Unterhaltung der Straßenausstattung (Verkehrszeichen, Leiteinrichtungen, Schutzeinrichtungen)
  • Einsätze nach Unfällen

Verlegungen von Chausseestreckenteilen

 Rotenhahn 2008, Verlegung, vorher (rot) und nachher (grün) Rotenhahn 2008, Verlegung (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Rotenhahn 2008, Verlegung, vorher (rot) und nachher (grün) © LBV-SH.DE

 Bad Bramstedt, Verlegungen, vorher (rot) und nachher (grün) Bad Bramstedt, Verlegungen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Bad Bramstedt, Verlegungen, vorher (rot) und nachher (grün) © LBV-SH.DE

 Verlegungen Blumenthaler Berg, Schmalsteder Weg, nördlich Bordesholm Verlegungen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Verlegungen Blumenthaler Berg, Schmalsteder Weg, nördlich Bordesholm © LBV-SH.DE

 Verlegungen Molfsee, Schulensee, Hassee, vorher (rot) und nachher (grün) Verlegungen Molfsee, Schulensee, Hassee (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Verlegungen Molfsee, Schulensee, Hassee, vorher (rot) und nachher (grün) © LBV-SH.DE

Verlegungen von Straßenteilen erfolgen aufgrund geänderter Verkehrsverhältnisse. Eine erste Verlegung der Chaussee fand in Einfeld um 1840 statt aufgrund des Baues der Christian VIII Ostseebahn.
Ansonsten blieb bis ca. 1960 die ursprüngliche Chausseetrasse im Grund- und Aufriss nahezu unverändert erhalten.
Aufgrund der zunehmenden Verkehre auf der Chaussee war sie nach dem II.Weltkrieg den geänderten Verhältnissen anzupassen. Neben Veränderungen im Straßenaufbau fanden Verlegungen der Trasse in größerem Umfang in Schleswig- Holstein ab Mitte der 1950er Jahre statt, z.B. in:

  • Bad Bramstedt (Stadt)
  • Neumünster (Stadt)
  • Nördlich Bordesholm
  • Schmalsteder Weg
  • Rotenhahn
  • Blumenthaler Berg
  • Molfsee / Kiel - Schulensee

In Schleswig-Holstein wurden eine Vielzahl kleinere geländebedingte Verlegungen aufgrund von Kurven und Untergrundverhältnissen durchgeführt. Örtlich zu erkennen sind die verlegten Alt-Streckenanteile heute häufig am sichtbaren Kleinpflaster der 20er Jahre auf Streckenteilen, die noch im Originalzustand vorhanden sind und heute oft als Lager- oder Parkplatz dienen.
In Hamburg ist der Anfang der Chaussee in Altona vollständig verändert und zahlreiche Kurven sind den Verkehrsverhältnissen angepasst, d.h. abgeflacht.

Als Verlegungen der Kiel-Altonaer Chaussee können ab 1966 (Baubeginn) auch die parallel verlaufenden Bundesautobahnen bzw. Bundesstraßen angesehen werden:

  • A 7 Hamburg- Flensburg
  • A 215 Abzweig Kiel und
  • B 404/A 21 Kiel-Segeberg – A 1 (nach Hamburg)

Umwidmungen

Mit Ausnahme der Verlegung der B 4 in Kiel Rammsee/Schulensee blieb bis etwa 1990 die alte Trasse der Kiel-Altonaer Chaussee als Bundesstraße B 4 bestehen. Erst danach wurde die Bundesstraße in großem Umfange u.a. aus Gründen der parallel laufenden Bundesautobahn A 7 und A 215 umgewidmet, so dass die historische Strecke bis auf ein Teilstück südlich von Bad Bramstedt heute aus einer Aneinanderreihung von Abschnitten von Landes- bzw. Kreisstraßen und Gemeindestraßen besteht.

Die historische Kiel-Altonaer Chaussee von 1832 (ohne Verlegungen) besteht auf heutigem Schleswig-Holsteinischem Gebiet im einzelnen aus folgenden 17 Straßen (mit 49 Abschnitten) bei einer Gesamtlänge von rund 81km:

Abschnitte der historischen Kiel-Altonaer Chaussee von 1832
Stand 1.1.2008
Abschnitte der Straßenart
Bund Land Kreis
Gemeinde
Länge
km
Ort
Schleswig-Holstein
K 29 (KI) div. Abschnitte 0,60 Kiel (Rondell)
K 28 (KI) 0,66 Kiel
K 24 (KI) 2,02 Kiel
K 32 (RD) teilweise 0,26 (Rumohr) Rotenhahn
Hamburger Landstraße 0,24 (Rumohr) Rotenhahn
L 318 div.(Teil-) Abschnitte 22,18 bis Neumünster
K 11 NMS 1,46 Neumünster
K 12 NMS 0,17 Neumünster
K 13 NMS 0,55 Neumünster
K 16 (div. Abschnitte) 0,80 Neumünster
L 319 div. Abschnitte 17,41 bis Bad Bramstedt
Kieler Straße 0,70 Bad Bramstedt
K 111 (SE), teilweise 0,30 Bad Bramstedt
B 206 0,40 Bad Bramstedt
Altonaer Straße 0,60 Bad Bramstedt
B 4 13 Abschnitte 29,48 Bis Bönningstedt (Hamburg Stadtgrenze)
Hamburg
B 4 Holsteiner Chaussee 3,9 Ab Schnelsen (Stadtgrenze)
Holsteiner Chaussee
Kieler Straße
2,8 Eidelstedt
B 4 (Kieler Straße) 4,0
Holstenstraße 1,1 Bis Altona (ehemals Gählerplatz)

In Schleswig-Holstein setzt sich danach die historische Chaussee heute aus 14 verschiedenen überörtlichen Straßen und 3 Gemeindestraßen zusammen:
14 Abschnitten von 2 Bundesstraßen
17 Abschnitten von 2 Landesstraßen
7 Abschnitten von 4 Kreisstraßen (NMS)
2 Abschnitten von 2 Kreisstraßen (RD)
1 Abschnitt von 1 Kreisstraße (SE)
5 Abschnitten von 3 Kreisstraßen (KI)
3 Gemeindestraßen (Bad Bramstedt, Rumohr/Rotenhahn)

Verkehrsstärken

 Verkehrsmengenkarte 2005 (Ausschnitt B4) Bad Bramstedt Verkehrsmengenkarte 2005 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Verkehrsmengenkarte 2005 (Ausschnitt B4) Bad Bramstedt © LBV-SH.DE

Nach dem Bau der Chaussee 1832 wurde sie in großem Umfange für den Frachtverkehr genutzt.
Dieses hat sich bis heute nicht verändert trotz der parallel verlaufenden Autobahn A 215 und A 7. Die heutige Verkehrsbelastung der Trasse ist weiterhin hoch wie man sowohl in der Örtlichkeit sieht als auch anhand der Verkehrszählung 2005 erkennen kann. Die Werte der parallel verlaufenden Autobahn liegen in etwa beim 10-fachen Wert (Verkehrszählung 2005). Daran ist zu erkennen, dass die damalige Trassenwahl der Chaussee richtig war:

Verkehrszählung 2005 (Auszug)
Tagesverkehrsbelastung der Kiel-Altona-Chaussee (je ein Zählbereich)
Kiel – Neumünster (L 318), Gesamt 13501, Güterverkehr 1302 LKW
Neumünster – Bad Bramstedt (L3 19), Gesamt 8718, Güterverkehr 1114 LKW
Bad Bramstedt – Hamburg (B 4) (Maut!), Gesamt 9923, Güterverkehr 932 LKW