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Landesarchiv Schleswig-Holstein

© Michael Staudt/grafikfoto.de

"Was treiben die Deutschen in Afrika?!"

Deutschland und Kamerun in Fotos und Dokumenten von 1880 bis heute

Ausstellung vom 20. April bis 14. Dezember 2018

Mit einer vielfältigen Ausstellung erinnert das Landesarchiv Schleswig-Holstein an unsere koloniale Vergangenheit.

Die vom Bundesarchiv in Koblenz entworfene Wanderausstellung "Was treiben die Deutschen in Afrika?!" zeigt die deutsch-kamerunischen Beziehungen von der Kaiserzeit bis heute. Ergänzt wird die Präsentation im Prinzenpalais durch einen Blick auf die Rolle Schleswig-Holsteins in der Kolonialgeschichte. Begleitend zur Ausstellung finden Vorträge und Führungen statt.

Seit den 1860er-Jahren gab es in Kamerun deutsche Handelsniederlassungen. Am 11. Juli 1884 übernahm Generalkonsul Gustav Nachtigal das afrikanische Land für das Deutsche Reich. In der Ausstellung wird das "Treiben" der Deutschen in Afrika in Bildern und Dokumenten eindrucksvoll dargestellt. So erzählt beispielsweise Staatssekretär Wilhelm Solf in seinem Tagebuch von der Ankunft in der Kolonie und berichtet später von einem Jagdausflug seiner mitgereisten Ehefrau. Der Briefwechsel einer deutsch-französischen Grenzexpedition lässt die Aufteilung des Kontinents unter den europäischen Mächten nachvollziehbar werden. Auf die einheimische Bevölkerung wurde dabei keine Rücksicht genommen.

Der Sprachforscher Richard Heydorn aus Blankenese unterwegs in Liberia, 1938Der Sprachforscher Richard Heydorn aus Blankenese unterwegs in Liberia, 1938 © Horst-Richard Heydorn

Die dominante, überhebliche und oftmals rassistische Einstellung der Kolonialherren zeigen viele Bilddokumente: Europäer sind stets in anleitenden Funktionen dargestellt – als Ausbilder, Lehrer oder Missionare. Bilder bewaffneter Auseinandersetzungen fehlen dagegen völlig.

Auch nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft bleibt das Interesse an Kamerun groß. Bereits nach wenigen Jahren lassen sich erneut deutsche Unternehmen in dem nun zwischen Großbritannien und Frankreich aufgeteilten Land nieder. Sie kaufen ihre Plantagen zurück und betreiben Anbau von Bananen, Kautschuk, Kakao und Palmöl. Zeitgleich wird in Rendsburg die Koloniale Frauenschule eröffnet, die junge Mädchen auf das Leben in den Kolonien vorbereiten soll. 1960 wird Kamerun unabhängig und pflegt seitdem diplomatische Beziehungen mit Deutschland.

Die zum Teil zweisprachige Ausstellung wird im Landesarchiv durch ein "regionales Fenster" ergänzt. Denn obwohl Schleswig-Holstein in der Kolonialgeschichte keine zentrale Rolle spielte, lassen sich auch hier Zeugnisse dieser Zeit finden. Neben Kamerun besaß das Deutsche Reich bis zum Ersten Weltkrieg die Gebiete Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika sowie Togo. Schleswig-Holsteiner reisten als Forscher, Beamte oder Soldaten nach Afrika. In der Heimat wurde für die Missionsarbeit gesammelt, und die importierten Güter wurden in Kolonialwarenläden angeboten.

Der Titel der Ausstellung ist angelehnt an das Anti-Koloniallied "Was treiben wir Deutschen in Afrika?", das auf die fragwürdige Vorgehensweise der Europäer aufmerksam macht. Gleichermaßen möchte auch die Ausstellung zu einer Beschäftigung mit der kolonialen Vergangenheit anregen.

Die Ausstellung ist vom 20. April bis zum 14. Dezember 2018 montags bis freitags von 8.30 bis 17.00 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos.

In einem Begleitprogramm werden Führungen angeboten und Vorträge veranstaltet. mehr

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