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Landesarchiv Schleswig-Holstein

© Michael Staudt/grafikfoto.de

Die Bedeutung des 19. Januar 1919 für die Frauengeschichte Schleswig-Holsteins

Das Landesarchiv Schleswig-Holstein lädt im Rahmen der Ausstellung "'Heraus aus der Finsternis!' Weibliche Lebenswelten von der Kaiserzeit bis heute" zu der Vortragsveranstaltung in das Prinzenpalais, Schleswig, ein.

Donnerstag, 5. Dezember 2019, 18.30 Uhr

Am 19. Januar 1919 wählte Deutschland ein neues Parlament – allgemein und gleich. Was bedeutete das für die Frauengeschichte Schleswig-Holsteins? Diese Frage lässt sich am leichtesten beantworten, wenn man einen Blick auf die evangelische Kirchengeschichte wirft. Denn im Mikrokosmos Kirche – in dem Frauen ja immer willkommen waren, wenn sie sich ehrenamtlich engagieren mochten – konnten die Schleswig-Holsteinerinnen sich bilden und wachsen. So nahmen die Großenasperinnen den 19. Januar 1919 zum Anlass, um erfolgreich für ein allgemeines kirchliches Wahlrecht zu streiten. Während des Zweiten Weltkriegs vertraten die Frauen selbstständig die Pastoren, die im Kriegsdienst standen. Sie machten deutlich, dass sie sehr wohl willens und in der Lage waren, Leitungsaufgaben zu übernehmen. Und nach den ersten restaurativen Nachkriegsjahren erinnerten sie immer wieder daran, dass sie gegebenenfalls ohne Männer Kirche sein könnten, Pastoren hingegen ohne die Frauen vor leeren Gemeinden stünden. Das Frauenwerk legte politische Bildungsprogramme auf, es stritt für die Schul- und Berufsausbildung von Frauen. Während sich die Landeskirche erst in den Neunzigerjahren mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzen mochte, war dies in sämtlichen kirchlichen Frauenkreisen bereits in den Fünfzigerjahren der Fall – detailgenau und mit sich selbst schonungslos. Aber vor allem war dem Frauenwerk eines wichtig: die Frauen zu vernetzen, sie zu ermuntern, eine eigene Meinung zu haben. Die norddeutschen Theologinnen forderten das gleichberechtigte weibliche Pfarramt; die erste ordinierte Pastorin stammte aus ihren Reihen. 1992 wurde eine Schleswig-Holsteinerin zur weltweit ersten lutherischen Bischöfin gewählt. Mit den hiesigen Streitigkeiten um die feministische Theologie erlangten die Frauen einen medialen Bekanntheitsgrad, der weit über die Bundesrepublik hinausging.

Dr. Michaela Bräuninger, Studium der Geschichte, Deutsch und Niederdeutsch an der CAU Kiel, 2016 Dissertation über die Geschichte der Kirchengemeinde Hamburg-Wellingsbüttel, seit 2016 Arbeit am Habilitationsprojekt einer Frauenkirchengeschichte Nordelbiens.

Eintritt 2 Euro, ermäßigt 1 Euro. Mitglieder des Fördervereins haben freien Eintritt.

Die Ausstellung ist vom 21. März 2019 bis zum 31. Januar 2020 im Landesarchiv zu sehen.