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Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Portraitfoto Karin Prien
Karin Prien

Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur

© M. Staudt/grafikfoto.de

Steinernes Kulturerbe

Datum 11.08.2020

Tausende von Jahren haben die Großsteingräber bis heute überdauert. Das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein hilft, dieses Erbe zu bewahren.

Lange vor den Pyramiden entstanden die ersten Großsteingräber, die sich auch in Schleswig-Holstein finden lassen. Die monumentalen Bauwerke beeindrucken noch heute ihre Besucher:innen.

Steinkonstruktionen für Bestattungen

Die Zeit der Megalithen (griechisch für großer Stein) beginnt in der Jungsteinzeit – also 3.650 – 3.100 v. Chr. Damals erbaute die erste bäuerliche Kulturgruppe Nordeuropas die Gräber in der sogenannten Trichterbecherkultur. Für die Konstruktion verwendeten sie Steine, die Gletscher während der Eiszeit transportiert hatten. Als das Eis taute, blieben die sogenannten Findlinge liegen. Erste physikalische und mathematische Kenntnisse ermöglichten es, die gewaltigen Steine zu den noch heute erhaltenen Bauwerken aufzustellen. Die umgangssprachlich auch "Hünengräber" genannten Großsteingräber dienten zum Teil für mehrere Bestattungen. Die Gesteinsbrocken selbst wurden von einem Sandhügel bedeckt.

Überdauerung der Jahrtausende

Im Mittelalter bemühte sich die Kirche, die Überreste anderer Kulturen zu christianisieren. So wurden beispielsweise einige der Gräber mit Kapellen überbaut, andere gezielt zerstört. Die Sandhügel wurden für andere Zwecke abgetragen. Einige Findlinge wurden zerlegt und dienten während der Industrialisierung als Baumaterial, etwa für Kirchenfundamente oder den Straßenbau. Und doch sind bis heute zahlreiche Hünengräber erhalten geblieben – so hat jedes davon seine eigene spannende Geschichte.

Das Megalithgrab Brutkamp in Albersdorf, Kreis Dithmarschen. Das Megalithgrab Brutkamp in Albersdorf, Kreis Dithmarschen. © ALSH

Schwerster Deckstein im echten Norden

Eine dieser besonderen Geschichten stammt von dem Großsteingrab Brutkamp. 3.600 v. Chr. entstand dieses Grab, das heute das Albersdorfer Wappen ziert. Sein riesiger Deckstein wiegt 23 Tonnen. Damit handelt es sich um den schwersten Grab-Deckstein in ganz Schleswig-Holstein. Dem Ort wurde früher einmal eine magische Kraft wegen der Nähe zu dem Stein zugesprochen. Das Grab soll eine besondere Bedeutung für einen Kult gehabt haben: Der Legende nach trafen sich hier frisch verheiratete Paare, um der Göttin Freya zu huldigen.

Teil der europäischen Kulturroute

Solche und ähnliche Fakten stellt das Archäologische Landesamt in Schleswig-Holstein (ALSH) bei den Grabstätten bereit. Darüber hinaus weisen die Schilder das kulturelle Erbe Schleswig-Holsteins als Teil von etwas Größerem aus: Einem Reiseweg durch ganz Europa. Die Großsteingräber sind nämlich quer über den Kontinent verstreut und doch verbunden durch die große Entdeckungsroute "Megalithic Routes". Der Europarat hat die Route 2013 offiziell als Kulturweg anerkannt. Schleswig-Holstein ist mit seinem Steinzeitpark Dithmarschen ein Teil dieses Weges geworden.

Die Kulturroute wächst

Die ersten Infotafeln für die Route waren nur der Anfang. Das ALSH plant zusammen mit dem Steinzeitpark Dithmarschen, weitere Teile des megalithischen Erbes zum Teil der "Europäischen Straße der Megalithkultur" werden zu lassen. Dafür erhalten sorgfältig ausgewählte Standorte in Schleswig-Holstein neue Beschilderungen. Gefördert wird das Projekt unter anderem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters.

Steinzeit in 3D

Doch das ALSH will das Wissen künftig nicht nur auf Infotafeln vor Ort vermitteln, sondern auch digital. Dafür sind schon jetzt ausgewählte Hünengräber Teil des Projektes "KuLaDig" (Kultur, Landschaft, digital). In diesem Rahmen sollen die Gräber zukünftig auf einer Webseite unter dem Motto "Das Unsichtbare sichtbar machen" präsentiert werden. Außerdem finden die Nutzer auf der interaktiven Seite Rekonstruktionen und 3D-Visualisierungen, Animationen, Audiodateien und Infografiken.

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