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Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Portraitfoto Karin Prien
Karin Prien

Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur

© Bildungsministerium SH

Konzept für Schuljahr 2020/21 steht

Datum 23.06.2020

In Lübeck hat das Kabinett den Plänen von Bildungsministerin Karin Prien für das nächste Corona-Schuljahr zugestimmt.

"Schule ist viel mehr als ein Ort der Wissensvermittlung. Schule ist Lebens- und Lernort", betonte Prien im Anschluss an die Kabinettsitzung vor Medienvertreter:innen. Zuvor hatte die Landesregierung das von ihr vorgelegte "Rahmenkonzept Schuljahr 2021/21 - Ein Schuljahr im Corona-Regel-Betrieb" beschlossen. Ab August solle der Unterricht für alle Schularten und alle Jahrgänge unter den regulären Bedingungen wieder stattfinden, erklärte die Ministerin. Dafür würden die Schulen die Jahrgangsstufen und Klassen in feste Gruppen, sogenannte Kohorten einteilen.

10 Millionen Euro zusätzlich

Darüber hinaus wolle das Land weiter investieren, betonte Prien: "Das Kabinett hat heute beschlossen, dem Finanzausschuss vorzuschlagen, 10 Millionen Euro der Coronahilfen mit den Zielen zu verwenden, zusätzliches Personal für die pädagogische Umsetzung der Digitalisierung sowie Schulen zum Ausgleich des durch die Coronakrise fehlenden Personals und zum Aufholen von Lernrückständen zur Verfügung zu stellen." Im Rahmen der Pressekonferenz dankte Karin Prien den Lehrkräften im Land für das große Engagement beim Lernsommer. 146 Schulen hätten sich gemeldet und über 600 Lehrerinnen und Lehrer werden im Sommer dabei helfen, die Brücke von diesem ins nächste Schuljahr zu schlagen. „Das ist ein großer Erfolg für die über 4500 Schülerinnen und Schülern vor allem an Grund- und Gemeinschaftsschulen, die sich zum Lernsommer.SH angemeldet haben.“

Schule ist wichtig für die Identitätsbildung

Begleitet wurde die Ministerin von Prof. Kamila Jauch-Chara, der Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKSH, Prof. Klaus Rabe, Chef der Pneumologie an der Lungenclinic Großhansdorf sowie Prof. Philip Rosenstiel, dem Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie aus Kiel.

„In der Schule wird weitaus mehr vermittelt als bloßes Faktenwissen. Sie hat eine große Bedeutung für die Reifung und Entwicklung der Kinder- und Jugendlichen. Die Schule prägt neben der kognitiven insbesondere die soziale und die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. Für diese Reifung und Weiterentwicklung ist es notwendig, dass Kinder- und Jugendliche die Möglichkeit erhalten, außerhalb der Familie mit „Dritten“ zu interagieren“, erläutert die Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKSH in Kiel, Prof. Kamila Jauch-Chara. Sie betonte: „Gerade im Kindes- und Jugendalter spielen die in der Schule besonders repräsentierten Beziehungen zu Gleichaltrigen eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden, die Identitätsbildung sowie die soziale und kognitive Entwicklung“. Daher sei der Unterricht auf Distanz zuhause oder bei den Eltern auch auf Dauer keine gute Lösung. „Wenn das Zuhause zur Schule wird, greift das in die „Lebensordnung“ der Kinder und Jugendlichen ein. Die Familie wird nicht mehr mit einem Rückzugsort assoziiert, bei dem Zeit- und Leistungsgrund eine untergeordnete Rolle spielen.“

„Schülerinnen und Schüler haben keine so laute Lobby, wie mancher Wirtschaftsbereich. Dabei spricht auch aus Sicht eines Mediziners alles dafür, Bildung in diesen Zeiten eine starke Stimme zu geben“, betonte Prof. Klaus Rabe. Der Chefarzt und Lungenspezialist sieht das Gesundheitswesen in Schleswig-Holstein gut vorbereitet. „Die Zusammenarbeit zwischen den Behörden, den Gesundheitsämtern, den Krankenhäusern und auch den niedergelassenen Ärzten läuft sehr gut. Schleswig-Holstein ist von daher gut darauf vorbereitet, dass es trotz aller Vorsicht zu begrenzten Ausbrüchen an Schulen kommen kann, und wahrscheinlich auch kommen wird“, so Rabe. Die Organisationsstrukturen im Land hätten sich durch die Erfahrungen der vergangenen Monate noch einmal deutlich verbessert. Teil der medizinischen Antwort auf das Virus sei aber immer auch Aufklärung und Information. „Daher müssen Lehrerinnen und Lehrer genau wie die Schüler lernen, mit Wahrscheinlichkeiten und medizinischer Unsicherheit umzugehen. Es gibt keine absolute Sicherheit, aber es gibt die realistische Möglichkeit für alle an Schule Beteiligten, durch Aufmerksamkeit frühzeitig zu reagieren.“

Vorsichtiger Weg in die Normalität

„Heute sind die Infektionszahlen im Land trotz Öffnungsmaßnahmen seit einigen Wochen konstant niedrig und das Infektionsgeschehen ist derzeit bis auf wenige Ausbrüche zurückgedrängt“, ergänzte Prof. Philip Rosenstiel. Der Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie verwies darauf, dass in den wenigen Fällen die Infektionsketten durch die zuständigen Gesundheitsämter nachverfolgt wurden. „Schulen sind unter hygienischen Auflagen teilweise geöffnet und auch die Sozialkontakte der Kinder und Familien untereinander haben wieder deutlich zugenommen“, so Rosenstiel. Da dies bisher ohne größere Auswirkung auf das Infektionsgeschehen geblieben sei, und es auch keine belastbaren Studienergebnisse gebe, dass Kinder besonders stark das Virus verbreiteten, unterstütze er den Kurs der Landesregierung. „Der Weg zurück zu einer Normalität kann aber nur gelingen, wenn wir achtsam sind und den errungenen Erfolg nicht durch Wegschauen preisgeben.“ Das Infektionsgeschehen sei -anders als derzeit in Deutschland- weltweit aktiv auf dem Vormarsch. Daher dürfe nicht der Eindruck entstehen, das Coronavirus könne aus unserem Bewusstsein nach hinten rücken.

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