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Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Portraitfoto Karin Prien
Karin Prien

Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur

© Bildungsministerium SH

Erinnern und Lernen

Datum 08.05.2019

Mit finanzieller Unterstützung vom Land hat die Neulandhalle nun als Historischer Lernort ihre Tore geöffnet.

Am 8. Mai 1945 endete mit der Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa – und mit ihm das Streben der Nationalsozialisten nach Lebensraum. Zum 74. Jahrestag der Befreiung von der NS-Diktatur hat der Kirchenkreis Dithmarschen als Träger die Neulandhalle im Beisein von Bildungsministerin Karin Prien als Historischen Lernort eröffnet. In und um das im Dritten Reich errichtete Gebäude herum informiert ab sofort eine Ausstellung über die Lebensraum-Ideologie der NSDAP und ihrer "Verführungskraft".

"Nur eine reflektierte Erinnerung, wie schmerzhaft sie auch ist, bewahrt uns davor, in der Gegenwart und in Zukunft Fehler zu wiederholen", sagte Prien. Dazu gehöre auch, aufzuzeigen und zu verstehen, wie die Verführung von Mitläufern den Weg in die Mittäterschaft ebnen konnte. "Darauf kann uns diese Kultstätte der Nationalsozialisten, der Täter, Antwort geben", betonte die Ministerin.

Was ist ein Koog?

info Koog ist die Bezeichnung für Marschland, das an der Nordseeküste durch Deichbau und Entwässerung gewonnen wurde. Es wird in der Regel durch den Bau neuer Deiche vor dem Meer geschützt – diesen Vorgang nennt man "Eindeichung".

Vorzeige-Projekt der Nationalsozialisten

Die Neulandhalle wurde 1935 von den Nationalsozialisten auf einer Warft im heutigen Dieksanderkoog errichtet. Sie war das soziale und ideologische Zentrum einer Bauerngemeinschaft, die sich auf dem kurz zuvor eingedeichten Marschland ansiedelte. Die Nationalsozialisten nutzten den Koog als Musterbeispiel einer "arischen Volksgemeinschaft". Sie stellten das Leben der Bauern idealisiert dar und organisierten Erntedankfeiern, Jugend- und Eheweihen sowie Wallfahrten. In der Neulandhalle fanden außerdem ideologische Schulungen statt.

Auf diese Weise versuchte das Regime die Unterstützung der Bevölkerung für die NS-Ideologie zu fördern. Gleichzeitig wollten die Nationalsozialisten den Anschein erwecken, ihrem Drang nach neuem "Lebensraum" friedlich beizukommen. Statt durch Krieg, so die beabsichtigte Botschaft, würde das Deutsche Reich neues Land für das Volk durch Eindeichungen an der Küste gewinnen.

Wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur

Dieser Hintergrund macht die Neulandhalle samt Koog für die Erinnerungskultur besonders bedeutsam. Denn als ehemaliges Vorzeige-Projekt der Nationalsozialisten hilft sie dabei, die Entstehung und breite Unterstützung ihrer menschenverachtenden Ideologie besser zu verstehen. Im Gegensatz zu ehemaligen Konzentrationslagern oder Ghettos, die an die Völkermorde der Nationalsozialisten erinnern, steht die Neulandhalle symbolisch für die vermeintlich positiven Angebote der Nazis.

Ein Mann und eine Frau sind in ein Gespräch vertieft im Hintergrund sitzt Publikum. Karin Prien spricht mit Prof. Dr. Uwe Danker von der Europa-Universität Flensburg, der die Idee der Neulandhalle als historischer Lernort entwickelt hat. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Karin Prien spricht mit Prof. Dr. Uwe Danker von der Europa-Universität Flensburg, der die Idee der Neulandhalle als historischer Lernort entwickelt hat. © Staatskanzlei

Aus diesem Grund hat die Landesregierung die Neulandhalle in ihr Gedenkstättenkonzept aufgenommen – und ihren Ausbau zu einem "Historischen Lernort" mit rund 400.000 Euro unterstützt. Dadurch konnte zum einen der Verfall des über 80 Jahre alten Gebäudes gestoppt und zum anderen eine frei zugängliche Ausstellung eingerichtet werden, die über die NS-Ideologie informiert.

Opfern gedenken, Wissen vermitteln

Das Gedenkstättenkonzept des Landes wurde 2015 verabschiedet. Für die Umsetzung sind bis 2019 rund 5,5 Millionen Euro an Fördermitteln vorgesehen. Das Konzept verfolgt mehrere Ziele: Erstens sollen sich Menschen heute und in Zukunft kritisch mit der NS-Diktatur und ihren Verbrechen auseinandersetzen können. Zweitens soll das Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft aufrecht erhalten werden. Drittens soll den Menschen das Bewusstsein für die Gefahren demokratiefeindlicher Entwicklungen geschärft werden.

Hierzu fördert das Land zum einen den Erhalt von historisch bedeutsamen Orten der NS-Herrschaft, beispielsweise des ehemaligen Konzentrationslagers Ladelund. Zum anderen unterstützt es die Bildungsarbeit in den Gedenkstätten und Lernorten selbst.

Video: Bildungsministerin Prien an der Neulandhalle