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Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Portraitfoto Karin Prien
Karin Prien

Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur

© M. Staudt/grafikfoto.de

Neue Lehrer braucht das Land

Datum 24.05.2018

Ministerin Karin Prien hat im Bildungsausschuss des Landtages die neue Strategie vorgestellt, mit der das Land Lehrkräfte gewinnen möchte.

Zahlreiche junge Menschen sitzen an verschiedenen Gruppentischen und gestalten gemeinsam Poster. Angehende Lehrer an der Europa-Universität Flensburg. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Das Land will in den kommenden Jahren mehr Lehrkräfte gewinnen. © M. Staudt / grafikfoto.de

Lehrerinnen und Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei. Ein Traumberuf also – zumindest, wenn man an dieses Klischee glaubt. Tatsächlich wollen immer weniger junge Menschen diesem verantwortungsvollen Beruf nachgehen. Noch könne das Bildungsministerium die Lehrkräftestellen zwar ordentlich besetzen, sagte Ministerin Prien nun im Bildungsausschuss des Landtags, "wir haben aber zunehmende Bedarfe in einzelnen Regionen, in den MINT-Fächern, in Sport, Musik und Kunst und an Lehrkräften für Grundschulen und Förderzentren." Deshalb brauche das Land jetzt Lösungen, die dauerhaft wirken. Die Gewinnung neuer Lehrkräfte stehe ganz oben auf der Agenda. Gemeinsam mit den Universitäten und dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) habe das Ministerium fünf Kernpunkte entwickelt, mit denen das Land den Lehrerberuf attraktiver machen wolle.

Fünf strategische Kernpunkte

Die fünf Kernpunkte zur Lehrkräftegewinnung im Einzelnen:

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1. Stärkung der aktiven Lehrkräfte

"Lehrkräfte sind einfach unersetzlich"

  • Bessere Bezahlung von Grundschulleitungen ab August 2019 und von Grundschullehrkräften ab August 2020, Wiedereinführung der Jubiläumszulage
  • Unterstützung von Lehrkräften, die sich um Quer-, Seiten- und Direkteinsteiger kümmern; sie werden dafür um zwei Stunden Unterricht pro Woche entlastet
  • Zuschläge für Lehrkräfte, die den Eintritt in den Ruhestand hinausschieben
  • Erleichterung des Einsatzes von Seniorexperten durch Erhöhung der Zuverdienstmöglichkeiten im Ruhestand
  • Stärkung der Unterstützung bei Wiedereingliederung
  • Flexibilisierung von Einstellungsmöglichkeiten: Bewerber können sich auch jenseits der Haupteinstellungstermine 1. Februar und 1. August bewerben
  • Geplant sind zudem ein besseres Gesundheitsmanagement für Lehrkräfte und die Unterstützung von Schulen mit besonderen Herausforderungen nach bestimmten Kriterien (Bildungsbonus) mit mehr Stellen, Unterstützung der Kollegien durch Assistenzen, Moderation und/oder Weiterbildung

2. Stärkung der Ausbildung angehender Lehrkräfte

"Wir bilden gut aus"

  • Die Studienplätze für Sonderpädagogik wurden seit 2016/17 von 120 auf 160 an der Flensburger Universität erhöht
  • Erhöhung der Plätze im Vorbereitungsdienst 2018 und 2019 jeweils um 75 Plätze
  • In einem Projekt von IPN und Kieler Universität sollen Lehrpersonen mit Abschlüssen aus anderen Ländern weitergebildet werden
  • Die Einführung des „Satellitenmodells“ an der Europa-Universität Flensburg (EUF) wird erweitert: Absolventen der FH Kiel und Lübeck können damit aus technischen Studiengängen in den Lehramtsstudiengang der EUF wechseln
  • Projekt zur Verringerung der Abbruchquoten in den MINT-Fächern an der CAU
  • Geplant sind zudem ein Konzept zur Verbesserung von Studierfähigkeit und Studienerfolg, die Verzahnung von Master und Vorbereitungsdienst in technischen Fächern an der Flensburger Universität, Mathematik soll in Flensburg auf Sekundarstufe-I- und Sekundarstufe-II-Niveau studiert werden. Die Einrichtung einer weiteren Professur für Sonderpädagogik in Flensburg ist geplant

3. Stärkung des Quer-, Seiten- und Direkteinstiegs

"Wir erweitern Zugänge und schließen Lücken"

  • Der Quer- und Seiteneinstieg wird - nach den Berufsbildenden Schulen und für das Lehramt in Sonderpädagogik - auch für Grundschulen und die Sekundarstufe I bei entsprechender Bewerbungslage ermöglicht
  • Der Schulartwechsel im Vorbereitungsdienst wird - wenn nicht genug reguläre Bewerbungen vorliegen - ermöglicht
  • Der Einstieg für Lehrkräfte mit ausländischer Lehramtsqualifikation - in der Regel Ein-Fach-Ausbildungen - soll mit einer Zusatzqualifizierung ermöglicht werden
  • Systematisierter Wechsel in ein anderes Lehramt; nach fünf Jahren in der "studierten" Schulart ist der Wechsel in eine andere Schulart möglich
  • Der Aufbau von Weiterbildungsstudiengängen zur berufsbegleitenden Qualifizierung wird geprüft
  • Geplant sind zudem Verbesserungen des Direkteinstiegs an berufsbildenden Schulen für Fachhochschulabsolventen und die Prüfung des Direkteinstiegs auch für andere Schularten

4. Stärkung der Begegnungen mit dem Lehrerberuf

"Wir bieten neue Erfahrungen"

  • Das Freiwillige Soziale Jahr an Schulen (FSJ Schule) wird fortgeführt, um früh Freude am Lehrerberuf zu fördern
  • "Teach First" soll an berufsbildenden Schulen genutzt werden; herausragende Absolventen aller Studienrichtungen gehen als "Fellows" an Schulen mit besonderen Herausforderungen
  • Geplant sind zudem Aufbau und Einsatz von Post-Docs als "Teaching Assistants" in naturwissenschaftlichen Fächern; so können diese nach einer Promotion und mit dem Wunsch, in der Schule zu arbeiten, Lehrkräften assistieren
  • Aufbau eines Schulnetzwerks für Schülerinnen und Schüler an Oberstufen zur Unterrichts-Assistenz in MINT-Fächern an Grundschulen
  • Öffnung des Wirtschaftspraktikums in der Oberstufe für Bildungsverwaltung und Schulen
  • Schaffung von Hospitationsplätzen an berufsbildenden Schulen

5. Stärkung der Kommunikation

"Wir werben für den Lehrerberuf"

  • Ausbau der Präsenz auf Jobmessen und Informationsveranstaltungen
  • Aufbau eines kontinuierlichen Informations- und Beratungsangebotes vor allem an den Übergängen, zum Beispiel von der Schule in die Uni, von der Uni in den Vorbereitungsdienst und vom Vorbereitungsdienst in den Schuldienst
  • Weiterentwicklung und Verbreitung der Video-Clips "Lehrkräfte an Berufsbildenden Schulen"
  • Mehr Präsenz in der Nachwuchsinitiative des Landes
  • Mehr öffentliche Wertschätzung des Lehrerberufs; zum Beispiel öffentliche Verabschiedungen von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst mit Auszeichnungen für die Jahrgangsbesten
  • Geplant sind zudem die Erweiterung der Berufsorientierung an Oberstufen ("Traumberuf Lehrer"), die Entwicklung einer Werbestrategie "MINT extra stark" und die Verbesserung der für den Lehrerberuf werbenden Kommunikation während des Vorbereitungsdienstes.

Mehr Geld für Lehrkräfte

Die Bildungsministerin hob hervor, beim Thema Lehrkräftegewinnung gebe es nicht den einen entscheidenden Hebel. Man müsse an vielen Stellschrauben drehen und Hochschulen, kommunale Spitzenverbände, IQSH und andere einbinden. Als Beispiel nannte sie die Bezahlung von Lehrkräften: "Wir geben nicht nur mehr für Stellen aus, sondern wir geben auch für die Lehrkräfte selbst mehr Geld aus. Bis zum Jahr 2023 werden es insgesamt mehr als 67 Millionen Euro sein", sagte Prien. So würden etwa die Schulleitungen und die Grundschullehrer künftig mehr Geld erhalten – 57,4 Millionen Euro will das Land dafür mehr ausgeben, weitere 5,8 Millionen Euro gehen an Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst. 1,4 Millionen Euro stehen für die Wiedereinführung der Jubiläumszulage bereit, mit 2,5 Millionen Euro werden 75 zusätzliche Plätze im Vorbereitungsdienst finanziert.

"Wir machen engagiert weiter"

Vor dem Hintergrund steigender Schülerzahlen und gestiegener Anforderungen gehe sie davon aus, dass der Bedarf an Lehrkräften in Zukunft höher sein werde, als das Ministerium heute decken könne, sagte Prien. Mit diesen Kernpunkten seien alle Bereiche genannt, die man im Auge haben und weiterentwickeln müsse. "Mit diesem Bericht sind wir nicht am Ende - es ist ein Zwischenbericht. Wir machen an diesen Punkten engagiert weiter", betonte die Ministerin.

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