Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Portraitfoto Karin Prien
Karin Prien

Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur

© M. Staudt/grafikfoto.de

Landtag: Haus der Geschichte

19. September 2017, Schleswig-Holsteinischer Landtag, Kiel

Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Meine Damen und Herren!


Warum hat die Jamaika-Koalition in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, ein Konzept für ein Haus der Geschichte zu erstellen? Warum brauchen wir ein solches Haus der Geschichte?
Geschichte ist ein bedeutender Teil unserer Kultur und muss auch kommenden Generationen zugänglich gemacht werden. Vor allem junge Menschen suchen heute nach Identität, sie suchen nach Wurzeln. Auch die Integration von Zuwanderern braucht Orte, die zum Kennenlernen unserer Kultur und Geschichte einladen. Anders kann Integration nicht gelingen. Wir brauchen Sammel- und Treffpunkte der kulturellen Erfahrung. Gerade in einer Zeit von Geschichtsverdrehung und dem sogenannten Postfaktischen brauchen wir gut gemachte Angebote besonders für junge Menschen, auch um sie urteilsfähig zu machen und damit sie immun werden gegen radikale Verführer.

Kulturelles Erbe bewahren und vermitteln

Wer Zukunft gestalten will - das ist bereits gesagt worden -, muss Vergangenes kennen und reflektieren können. Aufarbeitung und eine zeitgemäße Darstellung der Landesgeschichte Schleswig-Holsteins sind dazu elementar. In einem Museum, in einem Haus, an einem oder an mehreren Orten - all das sind denkbare Varianten. Wir brauchen dafür ein Konzept, das in die Zukunft weist, denn es soll für Generationen tragen. Diese Landesregierung hat das auf ihrer Kulturagenda und dazu eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag getroffen - anders als die letzte Landesregierung, die die Idee leider nicht vorangebracht hat. Übrigens gehörte auch der SSW der alten Regierung an. Umso erfreulicher ist es, dass Sie Ihren Antrag hier heute eingebracht haben. Ich bin sicher, dass wir hier gemeinsam den Weg miteinander gehen können. Es bleibt wichtig: Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes haben einen hohen Stellenwert für diese Landesregierung und dieses Parlament. Dazu bekennen wir uns offensichtlich alle. Die Notwendigkeit der Befassung mit unseren historischen Wurzeln, der Bedeutung unserer geografischen Lage, aber auch das Gedenken und die Erinnerungsarbeit zu fördern, ist größer denn je.

Im Koalitionsvertrag heißt es dazu wörtlich: "Die Entwicklung weiterer Orte spezifisch schleswig-holsteinischer Landesgeschichte, wie zum Beispiel das Danewerk oder die Idstedt-Stiftung, wird im Rahmen eines Konzepts ‚Haus der schleswig-holsteinischen Landesgeschichte‘ in einem bestehenden Museum erarbeitet."
Erwähnt wurde: Dieses landesgeschichtliche Museum wird seit Langem in Schleswig-Holstein diskutiert, und die Kassenlage war immer so, dass es nicht realisiert werden konnte. Das Ziel war damals richtig, und es ist heute richtig, aber bedacht werden muss, dass sich in den vergangenen 15 Jahren Gesellschaft, Kommunikationswege, Rezeptionsgewohnheiten, Museumskonzeption und Museumsdidaktik wesentlich verändert und weiterentwickelt haben. Darauf muss ein solches Konzept zur Landesgeschichte reagieren. Wir haben also die Chance, in diesem Prozess neue Impulse aufzunehmen.
Es wäre natürlich supertoll gewesen, wenn man zum 75-jährigen Landesjubiläum ein solches Haus der Geschichte hätte eröffnen können. Man muss nur ganz realistisch sagen: Dann hätte man einfach früher damit anfangen müssen. Sie wissen, wie lange Planungsprozesse in unserem Land dauern. Das bedauern wir zwar sehr, aber auch wir können nicht zaubern. Deshalb lade ich Sie ganz herzlich dazu ein: Lassen Sie uns jetzt keine Schnellschüsse machen, sondern lassen Sie uns jetzt ein Konzept entwickeln, das trägt und das auch für die nächsten Generationen tragen kann.
Ich kann Ihnen versichern: Wir arbeiten seit Übernahme der Regierung genau an diesem Konzept. Wir führen seit Wochen Gespräche mit allen Institutionen des Landes, und wir haben Gott sei Dank einige, die dafür in Betracht kommen. Wir schauen: Was gibt es an Dokumenten? Was gibt es an Quellen? Was gibt es an Artefakten, die dafür in Betracht kommen können? Welche Institutionen, welche Häuser, welche Orte könnten hier überhaupt relevant werden?
Das ist kein trivialer Prozess, sondern ein anspruchsvoller. Wir müssen ihn auch wissenschaftlich begleiten. Wir müssen auch fragen: Was sind denn die für uns relevanten historischen Orte, wo wollen wir damit hin? Ich finde, dass wir es uns und vor allem den Menschen in unserem Land schulden, diesen Diskussionsprozess auf einem anspruchsvollen Niveau zu führen.

Zeitnah Konzept für Haus der Geschichte vorlegen

Dieser Prozess bietet ganz große Chancen. Lassen Sie uns über eine offene Museumsarchitektur nachdenken. Lassen Sie uns auf vorhandene, authentische Orte zurückgreifen, aber eben auch die Chancen nutzen, die Digitalisierung und Vernetzung heute bieten. Museum muss man heute anders denken als noch vor 15 Jahren. Das wollen wir tun. Mir geht es darum, durch die Verortung von lokalen, analogen Orten, aber auch den digitalen ein vernetztes Konzept zu erstellen. Wir verfolgen, wenn ich es richtig verstanden habe, ein gemeinsames Anliegen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir durch die Überweisung beider Anträge in den Ausschuss zu einem wirklich intensiven Dialog kommen. Ich verspreche Ihnen, dass wir zeitnah ein Konzept vorlegen werden. Ich finde, das ist etwas, das wir dann im Land breit diskutieren müssen. Und ja: Auch über Finanzierungswege muss man dann in diesem Zusammenhang nachdenken. Was wäre es für ein großartiges Ergebnis, wenn wir die Menschen in unserem Land dazu bringen würden, mit uns gemeinsam ein solches Haus der Geschichte für Schleswig-Holstein zu schaffen?
Ich freue mich darauf. Ich finde, es ist ein großartiges Projekt.

Vielen Dank!