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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Schienenanbindung zur Festen Fehmarnbeltquerung

Abschluss der Ausgrabungen

Im September 2008 vereinbarten das Königreich Dänemark und die Bundesrepublik Deutschland in einem Staatsvertrag den Bau einer festen Verbindung über den Fehmarnbelt. Die Bundesrepublik Deutschland ist dabei u. a. für den Ausbau der deutschen Bahnlinie zuständig. Im Zuge dieser Planungen wird das zwischen Lübeck und Puttgarden bestehende Gleis ausgebaut und zum Teil auch durch neue Streckenabschnitte ersetzt werden. Ziel des Bauvorhabens ist eine Optimierung des internationalen Bahnverkehrs, welcher zukünftigen Transferbedürfnissen gerecht werden soll.

Das ALSH ist im Rahmen des Denkmalschutzgesetzes SH als Träger öffentlicher Belange für den Erhalt und den Schutz des archäologischen Erbes verantwortlich. Dementsprechend war das ALSH von Beginn an mit den Planungen zum Streckenverlauf, später mit der Prüfung von im Trassenbereich befindlichen archäologischen Denkmalen (sog. archäologische Voruntersuchungen) und letztlich mit den flächigen Hauptuntersuchungen beschäftigt. Die archäologischen Tätigkeiten wurden in enger Kooperation mit der DB Netz AG ausgeführt, welche als Verursacher des geplanten Bauvorhabens die Kosten für die archäologischen Untersuchungen übernahm. Die DB Netz AG trägt hierzu die Kosten in Höhe von 4,4 Millionen Euro.

Peter Homfeldt, Projektleiter der DB Netz AG, Schienenanbindung Feste Fehmarnbeltquerung: „Der DB war und ist es im Zuge der Voruntersuchungen ein wichtiges Anliegen, archäologische Untersuchungen an der neuen Bahnstrecke durchführen zu lassen. Ich denke, die eindrucksvollen Ergebnisse stellen für die Geschichte der Region wichtige Erkenntnisse und Zeitzeugnisse dar. Wir vom Projektteam der Deutschen Bahn haben die zentralen Grabungsstätten wie zum Beispiel im Oldenburger Graben, bei Lütjenbrode und auch in Groß Schlamin besucht und uns vor Ort einen Eindruck von den Arbeiten, vor allem aber auch über die eindrucksvollen Funde, verschafft. Mein Dank gilt hier auch den Ausgrabungsteams, die immer wieder auch die Öffentlichkeit über die Zwischenergebnisse informiert haben. Das ist Geschichte zum Anfassen und ein wichtiger Beitrag, unsere regionale Geschichte erlebbar und damit verständlich zu machen.“

Die Tätigkeiten des ALSH … Von der Streckenfindung, der Prüfung von archäologischen Denkmalen im Gelände bis hin zu den Ausgrabungen

Zur Bestimmung einer Vorzugsvariante legte das ALSH als obere Denkmalschutzbehörde im Rahmen der gesetzlich geforderten Umweltverträglichkeitsstudie im Jahr 2012 einen Fachbeitrag vor, welcher die Auswirkungen des geplanten Bauvorhabens auf archäologische Kulturgüter erfasste und bewertete. Im Rahmen dieser Studie wurden die zur Disposition stehenden Streckenvarianten bezüglich ihrer Auswirkungen auf das archäologische Erbe erfasst, bewertet und miteinander verglichen. Im Ergebnis erfolgten wesentliche Empfehlungen des weiteren Vorgehens.

Zur Vorbereitung des Planfeststellungsverfahrens führte das ALSH zwischen Juli und Dezember 2016 archäologische Voruntersuchungen im Trassenbereich der von der DB Netz AG bestimmten Vorzugsvariante durch. Dabei wurden 110 Denkmalbereiche auf ihren Erhalt und die wissenschaftliche Wertigkeit geprüft, um gesicherte Bewertungskriterien für denkmalrechtliche Entscheidungen treffen zu können. Im Ergebnis legte das ALSH, jeweils getrennt nach den Planfeststellungsabschnitten 1–6, abschließende Ergebnisberichte vor und wies darin jene Denkmalflächen aus, welche vor Baubeginn archäologisch zu untersuchen wären.

Die archäologischen Hauptuntersuchungen wurden zwischen August 2017 und September 2019 unter der Leitung des ALSH durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 30 vom Bauvorhaben bedrohte archäologische Denkmale untersucht. Die Fundstätten datieren in den Zeitraum von etwa 3.800 v.Chr. (Jungsteinzeit) bis ins Mittelalter (1.200 n.Chr.). Freigelegt und dokumentiert wurden überwiegend Siedlungsspuren (z. B. Gebäude, Brunnen, Öfen) aus der Bronze- und Eisenzeit. Insgesamt sind 130.000 m² landwirtschaftlicher Nutzflächen von den ArchäologenInnen geöffnet und archäologisch untersucht worden. Die jeweiligen Ausgrabungen dauerten von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten an. Im September 2019 wurden die archäologischen Arbeiten im Gelände beendet. Derzeit sind die projektbezogen beschäftigten MitarbeiterInnen mit der Erstellung der Ausgrabungsberichte und der Fundinventarisation beschäftigt.

Ulf Ickerodt, Direktor des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein (obere Denkmalschutzbehörde) zu dem Projekt: „Die Ausgrabungsergebnisse liefern spannende und weite Zeiträume umfassende Einblicke in die Besiedlungsgeschichte Ostholsteins. Mit den neu geborgenen Funden und den aktuellen Grabungsdokumentationen eröffnen sich attraktive Perspektiven zur wissenschaftlichen Erschließung der dortigen Natur- und Kulturgeschichte. Diese Quellen stehen der zukünftigen Forschung und Planung zur Verfügung. Ebenso sind populäre Präsentationen und Publikationen der Arbeitsergebnisse geplant. Wir danken der DB Netz AG für die gute und reibungslose Zusammenarbeit in diesem Projekt.“

Weitere Informationen zu der Fehmarnbeltquerung und der Archäologie im Projekt finden sich unter:

Anbindung Fehmarnbeltquerung

Anbindung Fehmarnbeltquerung Fokus Archäologie