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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Wege über das Moor. Neuigkeiten aus der archäologischen Schatzkiste Oldenburger Graben.

Seit Anfang des Jahres 2016 finden auf der Trasse des Schienenanbaus zur Festen Fehmarnbelt-Querung archäologische Untersuchungen statt. Ein Abschnitt der Trasse führt durch das archäologisch reichhaltige Gebiet des Oldenburger Bruchs.

Die festgekeilten Hölzer. Möglicherweise Reste eines jungsteinzeitlichen Knüppeldammes.Die festgekeilten Hölzer. Möglicherweise Reste eines jungsteinzeitlichen Knüppeldammes. © ALSH

In einer Engstelle zwischen zwei Anhöhen wurden im Spätsommer 2017 archäologische Hauptuntersuchungen durchgeführt. Dabei wurden in knapp 1,30 m Tiefe die Reste mehrerer Holzkonstruktionen freigelegt: Waagerecht liegende Hölzer, die von senkrecht und schräg steckenden Hölzern festgekeilt wurden. Fast alle Hölzer wiesen Spuren einfacher Bearbeitung auf: Mit Beilschlägen waren die steckenden Hölzer angespitzt worden, die waagerechten Hölzer zeigten ebenfalls Bearbeitungsspuren. Vergleichbare Befunde sind aus Niedersachsen und Dänemark bekannt und lassen vermuten, dass es sich um die Reste eines einfachen Knüppeldammes handelt, der angelegt wurde, um die Moorenge zwischen den Inseln zu überbrücken.

Innerhalb dieses Befundes wurde außerdem eine Doppelreihe kräftiger Pfosten dokumentiert, die senkrecht in den Torf getrieben waren und deren unteres Ende offensichtlich mit langen Beilschlägen angespitzt worden war. Dazu kommen Konstruktionsreste, die als Fischfanganlagen gedeutet werden können. Erste C14-Schnell-Datierungen zweier Hölzer ergaben Datierungen in das ausgehende Neolithikum bzw. die Ältere Bronzezeit. Anhand der Befunde lässt sich somit eine mindestens zweiphasige Besiedlung des Areals annehmen; dazu passen auch die Beifunde, darunter auch ein sorgfältig gefertigtes Feuersteinbeil. Die geborgenen Tierknochen weisen die klassischen Spuren von Fleischgewinnung auf. Besonders hervorzuheben ist das Fragment einer menschlichen Schädelkalotte, das ebenfalls im Bereich des mutmaßlichen Knüppeldammes gefunden wurde und zahlreiche Fragen aufwirft.

Eine Datierung steht noch aus. Die jüngsten Untersuchungsergebnisse zeigen nicht nur einmal mehr das bedeutende archäologische Potential des Oldenburger Bruchs, sie werfen auch ein Schlaglicht auf eine in Schleswig-Holstein bislang v. a. durch Gräberfelder dokumentierte Epoche – der Älteren Bronzezeit. Die Zeitstellung, die sich aus der Untersuchung der Holzproben ergab, macht diese Anlage zu einem Forschungsobjekt von besonderer Relevanz. Bislang ist die Erforschung der älteren Bronzezeit in Schleswig-Holstein weitestgehend von der Auswertung tausender Grabanlagen geprägt. Jüngst rücken auch Siedlungsbefunde immer stärker in den Fokus der Wissenschaftler. Umso wichtiger ist die weitere Untersuchung dieses besonderen Fundplatzes. Die Fortführung der Untersuchungen ist für das kommende Jahr geplant. Dabei besteht auch die Hoffnung, die zugehörige Siedlung zu lokalisieren.

Mirjam Briel und Erich Halbwidl

Geradezu spektakulär war der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Oldenburg in Holstein. Sie rückte mit insgesamt 4 Einsatzfahrzeugen an und pumpte nach eigenen Angaben 36 000 m³ Wasser aus dem Grabungsschnitt.Geradezu spektakulär war der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Oldenburg in Holstein. Sie rückte mit insgesamt 4 Einsatzfahrzeugen an und pumpte nach eigenen Angaben 36 000 m³ Wasser aus dem Grabungsschnitt. © ALSH

Danksagung:
Die Grabungen wurden durch die anhaltenden starken Niederschläge zwischenzeitlich erheblich beeinträchtigt. Der besondere Dank des Grabungsteams und des ALSH geht an die Freiwillige Feuerwehr Oldenburg i. H., die selbst an einem Feiertag ausrückte, um den „ertrunkenen" Grabungsschnitt auszupumpen. Weiterer Dank geht an den örtlichen Wasser- und Bodenverband Ostholsteins, der rasche und unbürokratische Hilfe leistete.