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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Zertifizierungskurse am ALSH

! Aufgrund der aktuellen Entwicklungen und der damit eingeleiteten organisatorischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 sehen wir uns gezwungen, den für den Herbst 2020 vorgesehenen Zertifizierungskurs für Sondengänger zu verschieben. Wir gehen derzeit davon aus, dass der Kurs im Frühjahr 2021 stattfinden kann und werden Sie an dieser Stelle über den aktuellen Stand benachrichtigen.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

Ihr Team im ALSH Schleswig

! Vielen Dank für Ihr Interesse an dem Zertifizierungskurs für Detektorgänger. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir aufgrund der stark angestiegenen Nachfrage derzeit keine freien Plätze zur Teilnahme an einem Kurs anbieten oder Sie auf eine Warteliste aufnehmen können.

Wir arbeiten derzeit die vorhandenen Anmeldungen mit der Durchführung weiterer Kurse ab. Sobald wieder Plätze für Zertifizierungskurse zur Verfügung stehen, werden wir dies mit näheren Informationen an dieser Stelle veröffentlichen.

Hinweis: Der Zertifizierungskurs für Sondengänger stellt ein Serviceangebot (ohne Rechtsanspruch) des ALSH für die Erlangung der für eine Suchgenehmigung erforderlichen fachlichen Eignung dar.


Das Schleswiger Modell

Mit Blick auf die langjährigen guten Erfahrungen in den skandinavischen Ländern hat sich das ALSH bereits 2005 dazu entschlossen, mit Sondengängern zu kooperieren und diese insoweit fachlich zu schulen, wie es zum Schutz der Kulturdenkmale erforderlich ist. Gemeinsam mit kooperationsbereiten Sondengängern wurde seinerzeit ein Regelwerk aufgelegt, das abgesehen von einigen notwendig gewordenen Anpassungen bis heute gilt und das als „Schleswiger Modell“ bekannt geworden ist. Eine Kernkomponente stellen die Zertifizierungskurse dar.

Das Schleswiger Modell ist nicht nur als Schulung und Sensibilisierung aufzufassen, sondern vielmehr als ein ganzheitliches Konzept der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Sondengängern und staatlicher Denkmalpflege, das auf Verwaltungs- und Denkmalrecht basiert und mit dem fachliche, staatliche und bürgerliche Interessen in Einklang gebracht werden können. Mit der Vermittlung dieser hinter dem Modell stehenden Philosophie beginnt im Rahmen eines persönlichen Vorgespräches die Karriere eines jeden in Schleswig-Holstein zertifizierten Mitgliedes der Detektorgruppe Schleswig-Holstein.


Der Weg zum zertifizierten Sondengänger

Grundsätzlich kann jeder, der volljährig und geschäftsfähig ist (Voraussetzung für die Erteilung der denkmalrechtlichen Genehmigung nach Absolvierung des Kurses), sich für den Kurs anmelden. Die Kapazitäten des ALSH sowie der an der Ausbildung beteiligten weiteren Institutionen sind auf 50 bis 60 Teilnehmer pro Jahr beschränkt, so dass - auch in Anbetracht der durch Intensivierung in der Landwirtschaft immer stärker für den Praxisteil begrenzten Zeitfenster - derzeit jeweils ein Kurs im Frühjahr und im Herbst stattfindet.

Wir kommen unaufgefordert einige Monate vor Kursbeginn auf Sie zu, sobald die Termine mit den beteiligten Institutionen abgestimmt sind und damit der Kurszeitraum feststeht. Bitte halten Sie uns über Änderungen Ihrer Kontaktdaten auf dem Laufenden. Wir können Sie ansonsten bei der Kurszusammenstellung nicht weiter berücksichtigen. Gleiches gilt, wenn wir auf die Kurseinladung keine Rückmeldung erhalten. Achten Sie daher auch auf E-Mails in Ihrem Spamverdacht-Ordner.  

Der Zertifizierungskurs gliedert sich in vorgeschaltete Geländepraktika unter Anleitung gesondert ausgebildeter Sondengänger (Mentoren), einen zweitägigen Theorieteil im ALSH, eine Schulung durch den Kampfmittelräumdienst (KMRD SH) sowie eine Praxisübung im Gelände. Voraussetzung für die Teilnahme an dem Theorieteil ist die Absolvierung von mindestens 3 Geländepraxistagen.

Geländepraktika

Bereits bei Ihrer Anmeldung zu dem Kurs bitten wir Sie um das datenschutzrechtliche Einverständnis, Ihre Kontaktdaten an sogenannte Mentoren weitergeben zu dürfen. Dies ist die Voraussetzung, dass Sie von diesen zu den Geländepraktika eingeladen werden können. Gesondert ausgebildete Sondengänger (Mentoren) geben Ihnen im Gelände direkte Einblicke in den Alltag eines Sondengängers, der oft als starker Kontrast zu den üblichen Berichterstattungen in den Medien empfunden wird. Man wird nicht gleich Spektakuläres finden, ist wegen der Kulturfolge auf den Äckern zumeist in der nasskalten Jahreszeit unterwegs und das Graben und Heraussuchen des georteten Gegenstandes aus dem Aushub kann durchaus sehr anstrengend sein. Umso wichtiger ist es also, die richtigen Methoden und sein Gerät kennenzulernen. Darüber hinaus bereiten die Mentoren Sie auf den eigentlichen Zertifizierungskurs und das Regelwerk des Schleswiger Modells vor.

Ein Metalldetektor sollte bereits vorhanden sein.

Das Vorgespräch

Zwischen Geländepraktika und Theorieteil laden wir Sie zu einem sogenannten Vorgespräch in das ALSH nach Schleswig ein. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen erläutern wir Ihnen das Regelwerk des Schleswiger Modells und stehen Ihnen für alle Fragen zur Verfügung.

Theorieteil

Der Theorieteil findet im ALSH in Schleswig über zwei Tage, in der Regel mittwochs und donnerstags ganztägig statt. Er gliedert sich in verschiedene Blöcke:

  • Vorstellung des ALSH und des Aufgabenspektrums der archäologischen Denkmalpflege sowie der Zuständigkeiten in Schleswig-Holstein. Besonderes Augenmerk wird auf die archäologische Landesaufnahme sowie deren Bedeutung und auf das Spektrum archäologischer Denkmale in Schleswig-Holstein gelegt.
  • Grundlagen der archäologischen Methoden mit besonderem Fokus auf den geschlossenen sowie kontextualisierten Fund, Chronologie und Typologie.
  • Grundlagen der Detektorarchäologie (Dokumentation, Systematik, wie tief darf man graben etc.)
  • Überblick über die metallzeitlichen Epochen in Norddeutschland und Südskandinavien mit besonderem Fokus auf Schleswig-Holstein
  • rechtliche Grundlagen (Denkmalschutzgesetz, Bürgerliches Gesetzbuch etc.)
  • Erstversorgung von Funden (in Kooperation mit der Konservierungswerkstatt des Museums für Archäologie Schloss Gottorf)
  • Fundspektrum nicht metallischer Funde (Besuch einer Ausstellung)
  • Regelwerk des Schleswiger Modells (Flächengenehmigungen, Suchausweis, Fundmeldung, Internet-Forum, halbjährliche Vollversammlungen, Verhaltenskodex etc.)

Besuch beim Kampfmittelräumdienst

Im direkten Anschluss an den Theorieteil findet am Vormittag des darauffolgenden Freitags ein obligatorischer Fortbildungsbesuch beim Kampfmittelräumdienst statt, da Sondengänger aus leicht verständlichen Gründen in besonderem Maße der von Blindgängern und verklappter Munition beider Weltkriege ausgehenden Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind bzw. auch Unbeteiligte in Gefahr bringen können. Das richtige Verhalten beim Auffinden von Kampfmitteln dient ferner auch als vorbeugende Maßnahme gegen mögliche Verstöße gegen die Kampfmittelverordnung (KampfmV SH).

Praxisübung im Gelände

Am Ende des Zertifizierungskurses steht die eigenständige praktische Umsetzung und Überprüfung des Erlernten durch das ALSH. Die Kursteilnehmer untersuchen hierbei als Gruppe eine archäologische Fundstelle und wenden das erlernte Wissen an. In der Regel findet die Praxisübung am auf den Besuch beim Kampfmittelräumdienst folgenden Samstag ganztägig statt. Da die zu prospektierenden archäologischen Fundstellen überwiegend auf privaten, landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen, müssen auch wir bei den Eigentümern und Pächtern zunächst um entsprechende Erlaubnis bitten.

Nach der Zertifizierung

Nach erfolgreicher Teilnahme erhält der Absolvent eine denkmalrechtliche Genehmigung und einen Suchausweis mit einer Gültigkeit von zwei Jahren. Suchaktivitäten sind nur auf landwirtschaftlich genutzten und vom ALSH auf Vorbehalte geprüften und genehmigten Flächen möglich, die zuvor als sogenannte Prospektionsflächen beantragt werden. Dieses Prozedere ermöglicht neben der Prüfung auf Tabubereiche wie Wald, geschützte Denkmale und unter Wasser, dass sensible Bereiche wie obertägig für den Laien nicht erkennbare Gräberfelder nur fachlich begleitet oder mit entsprechender Erfahrung abgesucht werden. Abgesehen von möglichen Verstößen gegen das Landeswaldgesetz (LWaldG SH) setzt in bewaldeten Bereichen die Gefahr der Zerstörung intakter Befundzusammenhänge mit der in der Regel fehlenden Durchpflügung des Oberbodens bereits direkt unterhalb der Oberfläche ein.

Der Suchausweis und die amtliche Kartierung der genehmigten Flächen (beides ist nicht auf andere Personen übertragbar) sind bei der Suche mitzuführen, um gegenüber Ordnungsbehörden die denkmalrechtliche Unbedenklichkeit vorweisen zu können.

Im halbjährlichen Abstand finden Fortbildungs- und Austauschtreffen für Sondengänger als Pflichtveranstaltungen statt, bei denen nicht nur Flächenberichte und Fundmeldungen abgegeben, Funde vorgestellt und gemeinsam besprochen sowie u. a. das Erkennen von Steinartefakten geschult, sondern auch Fachvorträge gehalten werden. Über ein von der Detektorgruppe Schleswig-Holstein betriebenes Internetforum werden die Termine bekanntgegeben. In erster Linie dient das Forum der Kommunikation untereinander und insbesondere auch dem Wissensaustausch.

Abb.6 Nachuntersuchung der Fundstelle eines 2017 entdeckten wikingerzeitlichen Silberhortes auf der Insel Sylt durch Mitglieder der Detektorgruppe Schleswig-Holstein.  Detektorgruppe (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abb.6 Nachuntersuchung der Fundstelle eines 2017 entdeckten wikingerzeitlichen Silberhortes auf der Insel Sylt durch Mitglieder der Detektorgruppe Schleswig-Holstein. © ALSH

Mehrmals pro Jahr bieten sich den zertifizierten Sondengängern Möglichkeiten, ihr Fachwissen und ihre Fertigkeiten im Rahmen von archäologisch-historischen Forschungsprojekten oder gezielten denkmalpflegerischen Fragestellungen unter Beweis zu stellen und auf diese Weise ihre eigenen Beiträge zur Forschung nicht nur zwischen Nord- und Ostsee zu leisten (Abb.6).

Die Erfolge der Detektorgruppe Schleswig-Holstein zeigen mit aller Deutlichkeit die Sinnhaftigkeit der Kooperation von geschichtsinteressierten Laien und der Denkmalschutzbehörde. Viele große Entdeckungen seit der Etablierung dieses Modells „gehen auf das Konto“ von zertifizierten Sondengängern. Bedeutsame Funde konnten nach ihrer Entdeckung fachgerecht geborgen, nachhaltig versorgt und so der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden (Abb.7).

Abb.7 Exemplarisches Spektrum von Detektorfunden der Detektorgruppe Schleswig-Holstein aus den Jahren 2006 bis 2014. Fundspektrum (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abb.7 Exemplarisches Spektrum von Detektorfunden der Detektorgruppe Schleswig-Holstein aus den Jahren 2006 bis 2014. © ALSH

Ermöglicht wurde dies vor allem durch das Erkennen archäologischer Funde und ihrer Aussagekraft, im Besonderen aber auch durch die geschulte Beobachtungsgabe und der damit verbundenen rechtzeitigen Hinzuziehung entsprechend ausgestatteter Fachleute des Archäologischen Landesamtes und der Konservierungswerkstatt des Museums für Archäologie Schloss Gottorf. Genau dies beflügelt den besonderen Reiz des Suchens und Entdeckens und honoriert zugleich das Einhalten klarer Regeln.

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