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Landgericht Flensburg

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Die Gerichtshistorische Sammlung

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Der reiche historische Fundus des Landgerichts Flensburg war ein Anlass zum Aufbau einer umfangreichen gerichtshistorischen Ausstellung. Zudem gibt es Gerichtsmuseen, die sich mit dem Justizalltag, insbesondere dem Büroleben, beschäftigen, sonst nicht. Diese Lücke wird durch die Gerichtshistorische Sammlung jedenfalls zu einem großen Teil geschlossen, das einen Einblick in die jüngere Rechtsgeschichte des Landes bietet und sich um eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bemüht.

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Die Sammlung zeigt, welche Bestimmungen auf dem Gebiet des Privatrechts vor dem 1. Januar 1900 galten. Der Besucher hat Gelegenheit, sich das Tönninger oder Gardinger Stadtrecht anzusehen, einen Blick in das Jütische Low, das Lübeckische Stadtrecht zu werfen oder im Handbuch der vaterländischen Rechte von Schrader zu blättern. Die ausgestellte Karte aus Kählers Buch über Das schleswig-holsteinische Landesrecht zeigt die Vielfalt der Rechtsgebiete und macht deutlich, wie notwendig eine Rechtsvereinheitlichung damals war.

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Die Vorbereitungen des am 01.01.1900 in Kraft getretenen Bürgerlichen Gesetzbuches werden dokumentiert. Einzelne Ausgaben des vielfach geänderten Gesetzes von der Liliput-Ausgabe aus dem Jahre 1905 bis zum vielbändigen Kommentar in Halbleder, vom BGB in Versen und Reimen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Taschenbuch unserer Tage geben einen Überblick über die Fachbuchproduktion des letzten Jahrhunderts. Weiter wird der Bogen von der Entwicklung des einheitlichen BGB für das deutsche Reich bis zur heutigen Rechtsvereinheitlichung in Europa geschlagen.

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Es gibt eine Gerichtsschreiberei. In diesem nach dem Inhalt alter Bau- und Geschäftsprüfungsakten rekonstruierten Raum hatten ein Gerichtsschreiber und ein Bote, der zugleich als Aktenhefter tätig war, ihre Arbeitsplätze. Der Tisch des Gerichtsschreibers ist mit Utensilien aus der Zeit bis 1927 ausgestattet.

Eine schwere Eisentür führt nicht länger zum Swarten Lock des um 1900 aufgehobenen Amtsgerichts Nordstrand. Die Verließtür ist im Jahre 1990 in die Sammlung gelangt.

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Teil der Sammlung ist auch eine Zelle, die mit Originalgegenständen aus schleswig-holsteinischen Vollzugsanstalten ausgestattet ist. Ein Kübel, die frühere in der Zelle befindliche Toilette, fehlt ebenso wenig wie der Blechnapf oder die Bibel. Die Zelle mit ihrem vollständigen Inhalt gibt etwa den Zustand um 1930 wieder.

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Daneben befindet sich eine Schuhmacherei, die im früheren Landgerichtsgefängnis, der heutigen Justizvollzugsanstalt Flensburg, von 1882 bis 1960 in Betrieb war.

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Fotos und Exponate führen in den Alltag des Strafvollzugs vor mehr als 100 Jahren ein. Zahlreiche im Jahre 1960 bis 1970 beschlagnahmte selbstgebastelte Tauchsieder, die es den Gefangenen ermöglichten, auch nach dem Einschluss Kaffee zu kochen, werden genau so gezeigt wie Ausbruchswerkzeuge.

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In der Abteilung Vom Schreibpult zum Computer werden Büroeinrichtungen und vor allem Geräte ausgestellt, die früher vom Richter und jetzt vom Rechtspfleger bei der Bearbeitung von Grundbuchsachen benutzt wurden. Der Weg von der Eintragung mit der Hand bis nach dem Zweiten Weltkrieg über das Loseblatt-Grundbuch bis zum Computereinsatz wird aufgezeigt. Eine nach dem Zweiten Weltkrieg aus Amerika importierte Buchschreibmaschine und das sogenannte Müller-Gerät, ein nach einem Kieler Justizangestellten benannter Mikrofilmapparat, mit dem er von Gericht zu Gericht zog und Aufnahmen aus den Grundbüchern machte, sind in der Sammlung vertreten. Hinzu kommen Schreibmaschinen, Diktiergeräte, Rechenmaschinen und dergl. aus mehr als 100 Jahren.

Ein Raum setzt sich mit der Rolle der Justiz in der Unrechtszeit des Nationalsozialismus auseinander. U.a. wird die Diskriminierung von Jüdinnen durch richterliche Auslegungen des Ehegesetzes aufgezeigt. Soweit noch möglich, werden lokale Bezüge hergestellt. Führer- Rundbriefe für die Justiz und Literatur, die die Justizgeschichte des Nationalsozialismus aufarbeitet, geben Anregungen zu einer intensiveren Beschäftigung mit diesem düsteren Kapitel.

Mit einer Sammlung von gefälschten Malskat-Bildern wird beispielhaft als ein Strafverfahren der Lübecker Bild-Fälscher-Prozess von 1954/1955 dargestellt. Besonders eindrucksvoll ist das Bild Russische Braut nach Chagall. Sogar Chagall selbst anerkannte die Eigenhändigkeit der Fälschung in einem ebenfalls ausgestellten Brief.

Die Ausstellung kann nach Anmeldung bei Frau Thomsen (Tel.: 0461 89-210) von Gruppen besichtigt werden. Gerne nehmen wir Besichtigungsanfragen auch per E-Mail (sammlung@lg-flensburg.landsh.de) entgegeben.