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Ansteckende Blutarmut der Einhufer (Equine infektiöse Anämie – EIA) - FAQs

Staatskanzlei

Ansteckende Blutarmut der Einhufer (Equine infektiöse Anämie – EIA) - FAQs

1. Was ist die Ansteckende Blutarmut der Einhufer?

Die Ansteckende Blutarmut der Einhufer (syn. Equine Infektiöse Anämie - EIA, Infektiöse Anämie der Einhufer) ist eine durch ein Lentivirus aus der Familie der Retroviren ausgelöste Erkrankung, die Pferde, Ponys, Esel, Maultiere, Maulesel, Zebras (Equidae) betrifft.

Die Krankheit ist keine Zoonose, Menschen können sich mit EIA nicht infizieren.

Die Infektion erfolgt in erster Linie über den Austausch von Blut, vorrangig durch blutsaugende Insekten (Bremsen oder Stechfliegen). Die Krankheit kann akut, chronisch und ohne klinische Erscheinungen (inapparent) verlaufen. Infizierte Tiere bleiben lebenslang Virusträger.

Die Ansteckende Blutarmut der Einhufer kommt weltweit vor, tritt jedoch regional gehäuft in Nord- und Südamerika, Asien, Afrika, Australien sowie Süd- und Osteuropa auf. In Deutschland sind in den vergangenen Jahren vereinzelte Fälle nachgewiesen worden; häufig handelt es sich dabei um infizierte Tiere, die nach Deutschland importiert oder verbracht worden sind.

2. Welche Symptome hat die Ansteckende Blutarmut der Einhufer?

In der akuten Verlaufsform sind bei den infizierten Tieren unter anderem Fieber, Apathie, Bewegungsschwäche, Herzrasen und Punktblutungen vor allem auf der Zungenunterseite sowie auf Schleimhäuten und Lidbindehäuten zu beobachten.

In der chronischen Verlaufsform kommen wiederkehrende Fieberschübe und Abgeschlagenheit vor, an Unterbauch und Extremitäten können sich Ödeme bilden. Sowohl die akute als auch die chronische Form der Erkrankung kann in Einzelfällen tödlich verlaufen.

In 30 bis 90 Prozent der Fälle treten keine Krankheitssymptome auf. Die Tiere bleiben jedoch lebenslang Virusträger und stellen eine ständige potentielle Infektionsquelle dar.

3. Wie wird die Ansteckende Blutarmut der Einhufer übertragen?

Die Infektion erfolgt vor allem über den Austausch von Blut. Die Übertragung erfolgt meist durch große blutsaugende Insekten wie Pferdebremsen und Stechfliegen, die das Virus von erkrankten Tieren oder gesund erscheinenden Virusträgern weiterverbreiten können. Das Risiko einer Infektion durch Insekten ist im Sommer und Herbst am höchsten. Das Virus bleibt in den Mundwerkzeugen der Insekten ca. 30 Minuten infektiös. In der Regel ist ein mehrfaches Stechen erforderlich, um einen Equiden zu infizieren. Eine Übertragung durch Insektenvektoren über Distanzen von mehr als 100 bis 200 Metern kommt nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) nicht vor.

Der Erreger wird mit Blut, Speichel, Harn, Kot, Sperma und Milch infizierter Tiere ausgeschieden. Eine Übertragung von Tier zu Tier ist möglich, erfordert aber einen engen direkten Kontakt. Die Übertragung des Virus kann in der Gebärmutter auf den Fötus sowie über den Deckakt erfolgen. Außerdem sind Infektionen über die Muttermilch beschrieben. Ebenso kann eine Infektion durch eine Behandlung mit Blut oder Blutprodukten oder über kontaminierte (tierärztliche) Instrumente eintreten.

4. Ist die Ansteckende Blutarmut der Einhufer auf Menschen übertragbar?

Auf den Menschen ist das Virus nicht übertragbar.

5. Was tun bei Ansteckender Blutarmut der Einhufer?

Die Infektiöse Blutarmut der Einhufer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Tiere mit unklarer Symptomatik sollten sofort dem Tierarzt vorgestellt werden. Bei Seuchenverdacht ist unverzüglich das zuständige Veterinäramt zu unterrichten. Das Veterinäramt veranlasst nach der Verordnung zum Schutz gegen die Ansteckende Blutarmut der Einhufer erforderliche Maßnahmen wie Probennahmen und die Sperre von Betrieben mit verdächtigen Tieren.

Eine Therapie oder einen wirksamen Impfstoff gibt es nicht. Impfungen und Heilversuche seuchenkranker oder -verdächtiger Einhufer sind ohne Aussicht auf Erfolg und zudem gesetzlich verboten. Infizierte Tiere müssen, da sie lebenslang Virusträger sind, eingeschläfert werden.

6. Wie wird die Ansteckende Blutarmut der Einhufer diagnostiziert?

Der Nachweis der Infektion mit dem EIA-Virus erfolgt aus dem Blut infizierter Einhufer durch Nachweis spezifischer Antikörper. Diese Antikörper gegen das EIA-Virus sind im Zeitraum von zwei bis drei Wochen, in Ausnahmefällen erst bis zu 90 Tagen, nach der Infektion nachweisbar.

7. Was können Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer tun, um ihre Tiere vor der EIA zu schützen, wenn in örtlicher Nähe EIA nachgewiesen wird?

In Deutschland ist die Ansteckende Blutarmut der Einhufer bisher nur sporadisch aufgetreten. Sollte ein infiziertes Tier festgestellt werden, so sperrt die zuständige Behörde den betroffenen Betrieb und legt darum einen Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens 1 Kilometer.

In einem Sperrbezirk müssen alle Einhufer im Stall gehalten werden. Soweit im Einzelfall Ausnahmen genehmigt werden, sollte unterstützend zu den Anordnungen der Kreisveterinärbehörde insbesondere beachtet werden, dass:

  • Weiden und Paddocks trocken gehalten werden;
  • Weidegänge auf Zeiten mit geringerer Flugaktivität übertragender Insekten verlegt werden;
  • die Tiere vor Insekten geschützt werden durch Eindecken bzw. durch den Einsatz von Repellentien sowie Insektenfallen im Stall und auf der Weide.

Für den Fall, dass sich ein Bestand innerhalb oder in der Nähe eines Sperrbezirks befindet, können zudem folgende Maßnahmen ergriffen werden, um das Risiko einer Übertragung zu minimieren:

  • Ställe und alle dazugehörigen Räumlichkeiten sauber halten;
  • ein gemeinsamen Gebrauch von Equipment wie Sattelzeug, Trensen und Putzzeug vermeiden; im Falle einer gemeinsamen Nutzung sollte das Zubehör nach jedem Gebrauch gereinigt und desinfiziert werden;