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LNG – Häufig gestellte Fragen

Staatskanzlei

LNG – Häufig gestellte Fragen

Antworten zu häufig gestellten Fragen zum Thema LNG (Flüssigerdgas) und dem geplanten LNG-Terminal am Standort Brunsbüttel.

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Was versteht man unter LNG?

LNG ist "Liquefied Natural Gas", zu Deutsch "Verflüssigtes Erdgas". Es wird durch die Abkühlung auf -162 °C bei Umgebungsdruck verflüssigt. Durch die Verflüssigung reduziert sich das Volumen des Erdgases um einen Faktor von rund 600. Dadurch wird es transportfähig und kann mit speziellen LNG-Tankschiffen befördert werden. Erdgas wird überwiegend dann verflüssigt und als LNG verschifft, wenn der Transport über Pipelines aufgrund zu großer Entfernungen oder ungünstiger geografischer Bedingungen nicht möglich ist. Ebenso wie Erdgas kann Biomethan zu BioLNG verflüssigt werden; damit steht ein alternativer, erneuerbarer Energieträger zur Verfügung.

Was sind die Vorteile von LNG?

LNG besteht zu mehr als 90 Prozent aus Methan (CH4), und verbrennt aufgrund des geringen Kohlenstoffanteils und des hohen Wasserstoffgehalts emissionsfreier als alle anderen fossilen Energieträger. Im Vergleich zu Diesel entsteht bei der Verbrennung etwa 20 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2).  Seit einigen Jahren wird LNG zunehmend als Kraftstoff in der Schifffahrt und für Nutzfahrzeuge wie Lkw und Busse zur Substitution von Diesel eingesetzt. Es trägt auch dazu bei, Emissionen von Luftschadstoffen wie Stickoxid (NOx) und Feinstaub zu reduzieren. Die in der EURO-VI-Abgasnorm festgelegten Grenzwerte für Schadstoffe können durch die Nutzung von LNG als Kraftstoff deutlich unterschritten werden. Mit Gas und LNG angetriebene Otto-Motoren sind zudem leiser als Dieselmotoren. Auch beim Kraftwerkseinsatz in der Stromerzeugung weist LNG im Vergleich zu Kohle geringere THG-Emissionen auf.

Was sind die Nachteile von LNG?

LNG ist ein fossiler Energieträger. Bei Produktion, Transport, Lagerung und Verbrennung entstehen Treibhausgasemissionen LNG ist allerdings unter den fossilen Energieträgern der Energieträger bei dem bei der Verbrennung die geringsten Treibhausgasemissionen entstehen. Auch bei den Emissionen die bei Produktion, Transport und Lagerung entstehen, schneidet LNG gut ab. Ein Risiko ist, dass Methan bei Produktion und Transport von LNG entweicht. Methan ist ein starkes Treibhausgas. Diese Emissionen sind allerdings gering (vgl. http://ngvemissionsstudy.eu).

Was ist ein LNG-Importterminal?

Ein LNG-Importterminal dient der Anlandung und Entladung, der Speicherung in Tanks und der anschließenden Regasifizierung (Wiederverdampfung) von LNG sowie der Abgabe von Gas in das Transportnetz. Zusätzlich haben LNG-Terminals Anlagen zur Beladung von Schiffen mit LNG, zur Umladung auf kleinere Schiffe, wie zum Beispiel Bunkerschiffe, zur Beladung von LNG-Eisenbahnkesselwagen oder von LNG-Tanklastwagen. Diese  liefern unter anderem das Gas an LNG-Tankstellen und dienen zum Bebunkern von Schiffen bzw. zum Transport in Zwischen- oder Verbrauchslager.

Grundsätzlich kann zwischen Terminals auf See (Offshore) und landseitigen Terminals (Onshore) unterschieden werden, wobei beide über seeseitige als auch landseitige Anlagen verfügen. Bei einem Onshore-Terminal zählt die Landungsbrücke ("jetty") mit ihren Entladearmen ("unloading arms") zu den seeseitigen Anlagen. Landseitig finden sich folgende Komponenten: isolierte LNG-Speichertanks, Tieftemperaturleitungen, Niedrig- und Hochdruckpumpen, Abdampfkompressoren, Rekondensierer und die Regasifizierungseinrichtungen (Verdampfer).

Weltweit gibt es rund 132 LNG-Importterminals (Stand Februar 2020). In Europa sind 28 Terminals in Betrieb, davon die meisten in Spanien. In relativer Nähe zu Deutschland gibt es Importterminals in Frankreich (Dünkirchen), den Niederlanden (Rotterdam), Belgien (Zeebrügge) und Polen (Swinemünde).

Welche Auswirkungen hat LNG auf das Klima?

Wie alle fossilen Energien hinterlässt LNG einen Kohlendioxid-(CO2) Fußabdruck. Entlang des Wertschöpfungsprozesses entstehen durch Produktion, Transport, Verteilung und Verbrennung Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen). Die THG-Emissionen im gesamten Wertschöpfungsprozess können in Well-to-Tank und Tank-to-Wheel Emissionen untergliedert werden. Die Well-to-Tank (zu Deutsch: von der Quelle bis zum Tank) THG-Emissionen entstehen bei

  • der Gasproduktion,
  • der Gasaufbereitungs- und Gasverflüssigung,
  • dem Seetransport und der Weiterleitung von LNG

Die Tank-to-Wheel (zu Deutsch: vom Tank bis zum Antrieb) Emissionen sind die, die bei der Verbrennung von Methan z.B. im Motor des LKW oder in der Gasturbine im Kraftwerk entstehen.

THG-Emissionen entstehen einerseits bei der Verbrennung von LNG bzw. Erdgas als CO2 und andererseits durch das ungewollte, technisch bedingte Entweichen von unverbranntem Methan bei der Förderung, dem Transport und der Nutzung ("Methan-Schlupf"). Methanemissionen sind gering und haben trotz der hohen Klimawirkung einen eher geringen Anteil an den gesamten THG-Emissionen.

Entscheidend ist es, den Einsatz von Erdgas so effizient und klimafreundlich wie möglich zu gestalten. Ein Vergleich mit Alternativbrennstoffen über die gesamte Wertschöpfungskette (Well-to-Wheel) zeigt bei der Stromerzeugung rund 53 Prozent niedrigere Emissionen durch die Verstromung von Erdgas gegenüber Kohle. Wird Erdgas anstatt Diesel als Kraftstoff bei schweren Lkw verwendet, lassen sich Untersuchungen zufolge die Emissionen um 20 Prozent reduzieren. In der Schifffahrt sinken die Emissionen im Vergleich zu Schiffsdiesel und Schweröl um bis zu 23 Prozent.

Sollte das Land vor dem Hintergrund des Klimawandels nicht besser auf LNG verzichten?

Im Hinblick auf Energiewende und Klimaschutz ist in allen Sektoren bis spätestens 2050 eine nahezu vollständige Abkehr von allen fossilen Energieträgern erforderlich und laut Zielen des Bundes (Klimaschutzplan 2050) sowie des Landes (Energiewende- und Klimaschutzgesetz) auch vorgesehen. Für diesen Zeitraum dient fossiles Erdgas und fossiles LNG als Brückentechnologie.

Mittel- bis langfristig kann LNG aus fossilem Erdgas zunehmend durch synthetisches Methan oder aber durch Biomethan ersetzt werden. Erneuerbares LNG ist weitgehend CO2-neutral, da bei der Produktion genau die Menge CO2 hinzugefügt wird, die bei der Verbrennung des Kraftstoffs wieder abgegeben wird.

Mittel- bis langfristig kann LNG aus fossilem Erdgas zunehmend durch synthetisches Methan oder aber durch Biomethan ersetzt werden. Erneuerbares LNG ist weitgehend CO2-neutral, da bei der Produktion genau die Menge CO2 hinzugefügt wird, die bei der Verbrennung des Kraftstoffs wieder abgegeben wird.

Synthetisches LNG besteht dabei aus synthetischem Methan, das über Power-to-Gas Verfahren aus erneuerbaren Energien, Wasser und CO2 hergestellt wird. Eine weitere Option ist die Herstellung von Bio-LNG, welches aus Umwandlung von biologischen und industriellen Reststoffen in Biomethan und dessen anschließender Verflüssigung entsteht. Damit steht ein alternativer erneuerbarer Kraftstoff zur Verfügung, der mittelfristig fossile Kraftstoffe im Schwerlastverkehr und in der Schifffahrt ersetzen kann. Der Einsatz von erneuerbarem LNG, beispielsweise als Kraftstoff für Lkw, führt zu 35 Prozent niedrigeren Emissionen für ein Gemisch aus 20 Prozent erneuerbarem LNG und 80 Prozent fossilem LNG gegenüber dem Einsatz von Diesel. Das THG-Reduktionspotential bei der Nutzung von reinem erneuerbarem LNG geht in Richtung 100 Prozent.

Studien kommen zu dem Schluss, dass Gas im zukünftigen Energiemix unverzichtbar ist, wenn Deutschland seine Klimaziele aus volkswirtschaftlicher Sicht optimiert erreichen will. Gasförmige Energieträger werden mittelfristig als Ersatzlösung und Sicherheit notwendig sein, wenn zu wenig Wind oder Sonne zur Stromerzeugung vorhanden ist. Auch ist es derzeit nicht möglich, schwere Nutzfahrzeuge oder Schiffe mit Elektroantrieb auszustatten. Hier ist LNG – zunächst fossil, später dann erneuerbar – eine technisch verfügbare und schnell umsetzbare Alternative zu Diesel und Schweröl.

Wie sicher ist LNG?

LNG ist als chemischer Stoff weder gesundheits- noch umweltgefährdend. Es ist nicht giftig, ätzend oder krebserregend. Da es bei Freisetzung verdampft und in die Atmosphäre entweicht, ist es auch nicht wassergefährdend. Im flüssigen Zustand ist LNG nicht entzündlich. Erst durch Wärmezufuhr und Verdampfung (Regasifizierung) wird LNG zu einem entzündbaren Gas, nämlich zu Erdgas und kann in einem engen Konzentrationsbereich von 5 - 15 Prozent in der Luft zünden. Bei der Handhabung und Nutzung von Erdgas kann auf jahrzehntelange Erfahrung in Deutschland zurückgegriffen werden.

Einen Vorfall mit Gefährdungspotenzial für angrenzende Betriebe, Personen oder mit Umweltauswirkungen an einem LNG-Importterminal gab es in den vergangenen Jahren nicht. Die LNG-Prozesskette ist streng reglementiert, etwa durch umfangreiche Industriestandards und die Verpflichtung der LNG-Akteure zu stringentem Risikomanagement. Entlang der gesamten Prozesskette in einem LNG-Terminal wird die Wahrscheinlichkeit eines Austritts von LNG durch die Anwendung mehrerer Stufen von Schutzvorkehrungen so gut wie ausgeschlossen. Von außen sind LNG-Tanks von Importterminals durch eine massive Stahlbetonhülle geschützt. Im Tank sind neben der Isolierung zwei Schutzschichten vorhanden. Im Fall von Brüchen in der ersten Schicht hält die zweite Schicht das LNG isoliert im Tank. Für zusätzliche Sicherheit sorgen spezielle Ventile, mit denen Gas abgelassen werden kann, wenn der Druck im Tank zu hoch wird.

Welche Auswirkungen hätte ein deutsches LNG-Terminal?

Vor dem Hintergrund der sinkenden Erdgasförderung in Nord- und Westeuropa kann ein LNG-Terminal dazu beitragen, die Liefersicherheit in ganz Deutschland zu erhöhen und es unabhängiger von einzelnen Gaslieferanten zu machen.

Das geplante Terminal in Brunsbüttel würde zur Wertschöpfung in der Region beitragen und kann so den Wirtschaftsstandort Brunsbüttel stärken.

Für den Betrieb des Terminals wird mit etwa 70 zusätzlichen Arbeitsplätzen gerechnet, hinzu kommen rund 1.000 weitere Arbeitsplätze in der Bauphase. Weitaus bedeutender sind jedoch die langfristigen Effekte für den Wirtschaftsraum Brunsbüttel:

  • Stärkung des Hafenstandortes
  • Stärkung des Industriestandortes
  • Synergie-Effekte des LNG-Terminals mit Unternehmen am Standort
  • Standort für Gas-Lieferungen in den nordwesteuropäischen Raum
  • Knotenpunkt für die Bereitstellung von LNG als Kraftstoff für Schiffe und schwere Nutzfahrzeuge

Durch den LNG-Terminal wird die Auslastung am Hafenstandort Brunsbüttel verbessert. Geplant ist die regelmäßige Lieferung von LNG, sodass regelmäßig LNG-Tanker Brunsbüttel anlaufen.

Der ChemCoast Park Brunsbüttel ist Standort von rund 15 Betrieben der energieintensiven Industrie (Chemie- und Energieunternehmen) und der Logistik. Unternehmen der Grundstoffproduktion und der Erdölverarbeitung sind auf die verlässliche und preisgünstige Energieversorgung angewiesen. Die Anbindung an den LNG-Terminal verbessert die Versorgungssicherheit des Industriestandorts Brunsbüttel.

Wird durch LNG-Nutzung Fracking unterstützt?

In Deutschland gelten hinsichtlich des Fracking seit 2017 strenge gesetzliche Regelungen. Die Regelungen sehen weitreichende Verbote und Einschränkungen für die Anwendung der Fracking-Technik vor.

Unkonventionelle Fracking-Vorhaben aus kommerziellem Interesse sind in Deutschland bis auf weiteres nicht zulässig. Konventionelle Fracking-Vorhaben, die es in Deutschland seit den 1960er Jahren gibt, wurden ebenfalls neu geregelt, eine Erlaubnis wird nur unter bestimmten Bedingungen erteilt.

Wichtige LNG-Lieferländer für den atlantischen Raum und für Europa (in absteigender Reihenfolge nach Handelsvolumen 2018) sind Katar, Nigeria, Algerien, Trinidad & Tobago, USA, Russland und Norwegen. Abgesehen von den USA wird das Gas dort überwiegend konventionell produziert. Gas, das in den USA produziert und dann verflüssigt wird, wird zum großen Teil mit Hilfe von Fracking gewonnen. Heute macht das importierte LNG-Volumen aus den USA rund 7 Prozent des gesamten importierten LNG-Volumens für den atlantischen Raum und Europa aus. Der Umschlag von LNG aus Frackinggas kann nicht ausgeschlossen werden, da der Import von LNG letztendlich auf einzelwirtschaftlichen Entscheidungen der LNG-Käufer und -Verkäufer basiert.