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Fragen und Antworten zum Bergungskonzept Vattenfalls

Staatskanzlei

Fragen und Antworten zum Bergungskonzept Vattenfalls

1. Worauf bezieht sich Vattenfalls Bergungskonzept?

Das Bergungskonzept bezieht sich auf 630 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, die in sechs unterirdischen Kavernen im Kernkraftwerk Brunsbüttel gelagert werden. Nachdem Anfang 2012 erstmals an einem Fass erhebliche Korrosion festgestellt worden war, wurden die übrigen Fässer mit Kameras inspiziert. Daraufhin wurde eine Vielzahl weiterer z.T. stark korrodierter Fässer festgestellt. Aufgrund der Kamerainspektionen war es möglich, die Fässer nach Beschädigungsausmaß in Kategorien einzuteilen:

  • Kategorie 1: Fässer ohne äußerlich erkennbare Auffälligkeiten
  • Kategorie 2: Fässer mit geringfügigen äußerlich erkennbaren Auffälligkeiten
  • Kategorie 3: Fässer mit mittelschweren äußerlich erkennbaren Auffälligkeiten (z. B. mittelstarke Ablagerungen, mittelstarke Korrosion)
  • Kategorie 4: Fässer mit erkennbar starken Schädigungen (z. B. großflächige Korrosion, starke Spaltkorrosion, Mediumsaustritt, Ablagerungen am Übergang zweier Fässer und Fehlstellen)
  • Kategorie 5: Fässer mit besonderen Auffälligkeiten (z. B. Stauchungen, Deckelauffälligkeiten, Spannringauffälligkeiten).

2. Was steht noch in dem Bergungskonzept?

Das Konzept enthält

  • Angaben zu den radiologischen Anforderungen z.B. zur Dosisminimierung des Personals
  • Angaben zur lüftungstechnischen Einhausung über den Kavernen
  • Angaben zu den Greif- und Handhabungstechniken
  • Angaben zur Handhabung der Filterkonzentrat (FKZ)- und Verdampferkonzentrat (VKZ)-Fässer
  • Angaben zu den logistischen Rahmenbedingungen (z.B. Herstellung endlagerfähiger Gebinde, Pufferlagerung.

3. Was ist mit "Einhausung der Kavernen" gemeint?

Eine lüftungstechnische Einhausung der Kavernen (LEK) dient – ab Schadenskategorie 3 - dem Strahlenschutz des bei der Bergung eingesetzten Betreiberpersonals. Dazu wird mit Hilfe eines Modulgerüstes oder Rohrverbindungen mit Folienauskleidung/Aluminiumplatten ein lüftungstechnisch abschließbarer Handhabungsbereich geschaffen, der jeweils zwei offene und zur Hälfte zwei geschlossene Kavernen abdeckt. Der Einschluss radioaktiver Stoffe erfolgt durch eine allseitige Umschließung und Unterdruckhaltung des Arbeitsbereiches. Durch eine gerichtete Strömung mit einer gefilterten Abluft lassen sich die Folgen einer eventuellen Freisetzung in das Feststofflager des KKB sicher begrenzen.

Die Einhausung ist mit einer 2-Kammer-Personen- sowie mit einer 2-Kammer-Materialschleuse ausgerüstet: ein Portalkran mit Einschienenlaufkatze und Aufbau für einen Teleskopmanipulator, Beleuchtung und Kameratechnik und Umsetzstation mit Trichter und Abschirmungen für Personal, welches in der LEK tätig wird. Ein Schienensystem ermöglicht die Dachöffnung.

4. Worin besteht die besondere Schwierigkeit bei der Bergung?

Bei der Bergung können nicht nur vorhandene, sondern es müssen auch neu gefertigte Hebezeuge einschließlich der eigentlichen Fassgreifer verwendet werden.

Zu den eingesetzten Hebezeugen gehören:

  • Portalkran innerhalb der lüftungstechnischen Einhausung (LEK) mit einer Vorrichtung für den Aufbau eines Teleskopmanipulators sowie einer Zusatzlaufkatze für die Kameraüberwachung. Mit dem Portalkran sollen die erforderlichen Transportarbeiten, d. h. das Herausheben des Fasses mit dem jeweiligen Greifer sowie dessen weitere Handhabung im Bereich der Umsetzstation der LEK durchgeführt werden.
  • Unterschwenkgreifer (Sondergreiftechnik) für den Transport auffälliger Fässer mit Zentrierhilfen und keilförmig ausgeführten Untergreifklauen (Bodenklauen), um den Fassboden bei Handhabungsvorgängen abzustützen.
  • Umfanggreifer mit Umfangsrahmen und Greifer zur Handhabung von Fässern mit flachem Deckel.
  • Fassliner mit Greifvorrichtung: Der Fassliner ist ein dünnwandiger, zylindrischer und nach oben offener Behälter, der als Transportsicherung beim Transport eines Fasses aus der LEK bis in die Konditionierungsanlage dienen soll. Für den Transport des Fassliners mit Fass ist bei den gegebenen geringen Platzverhältnissen eine Greifvorrichtung vorgesehen, die am Fassliner angreift.
  • Teleskopmanipulator: Für die Handhabung stark beschädigter Fässer sowie für weitere Sonderhandhabungen ist der Einsatz eines Teleskopmanipulators vorgesehen (vertikal ausfahrbarer Mast mit Greifeinheit am unteren Ende, Tragfähigkeit von 2000 kg am Kranhaken, je nach Auslegerlänge Tragfähigkeit von bis zu 500 kg an der Greifhand).
  • weitere Handhabungseinrichtungen, wie z. B. der Transportwagen, eine Fasswendevorrichtung, die Umsetzstation in der LEK sowie den Übersack (Protektor) als optionale Transportsicherung.

5. Wie ist der zeitliche Ablauf?

Für die Bergungsarbeiten hatte der Betreiber Vattenfall etwa drei Jahre eingeplant. Hier eine Übersicht über die von Vattenfall geplanten Schritte:

Übersicht über die von Vattenfall geplanten Schritte Übersicht über die von Vattenfall geplanten Schritte (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © Vattenfall

6. Bezieht sich das Konzept auf sämtliche Fässer?

Nein, aber auf den größten Teil. Für die in Kaverne V noch vorhandenen Fässer mit Kerneinbauten, für den ebenfalls dort lagernden schweren Abschirmbehälter und die Zwangsumwälz-Pumpenläufer muss Vattenfall das Entsorgungskonzept noch ergänzen. Für die Leerung der Kaverne VI war aufgrund der dort schwer zugänglichen Fässer in Mulden ein gesondertes Bergungskonzept erforderlich, das der Betreiber zwischenzeitlich eingereicht hat. Zurzeit wird das Bergungskonzept Kaverne VI noch von der Behörde und den von ihr zugezogenen Sachverständigen geprüft und bewertet.

7. War die Atomaufsichtsbehörde mit Vattenfalls Konzept vollkommen einverstanden?

Nein. Der behördliche Zustimmungsbescheid enthält Auflagen und Hinweise. Diese betreffen z.B. vorzulegende Unterlagen sowie die Auswahl und Anwendung der Hebezeuge und Greiftechniken. Außerdem verlangt die Atomaufsichtsbehörde, dass bei jedem Fass mit Verdampferkonzentraten im Anschluss an die Trocknung der Inhalte eine Messung durchgeführt wird, aus der sich eine im Hinblick auf die weitere Zwischenlagerung und spätere Endlagerung unbedenkliche Restfeuchte ergibt.

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