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Landesdüngeverordnung 2020

Staatskanzlei

Landesdüngeverordnung 2020

Mit der Neufassung der Landesdüngeverordnung, die am 24. Dezember 2020 in Kraft getreten ist, werden die Vorgaben der bundesweit geltenden, zuletzt zum 1. Mai 2020 novellierten Düngeverordnung umgesetzt und der Schutz des Grundwassers sowie der Seen und Fließgewässer verbessert.

In der Düngeverordnung wird in § 13a vorgegeben, dass die Landesregierungen zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat belastete und eutrophierte Gebiete auszuweisen und für diese Gebiete zusätzliche Anforderungen in einer Landesdüngeverordnung festzulegen haben.  

Nitratbelastete Gebiete

In den mit Nitrat belasteten Gebieten sind sieben zusätzliche Anforderungen der Düngeverordnung und mindestens zwei zusätzliche Anforderungen der Länder einzuhalten. Als landesweit zusätzliche Maßnahmen werden drei Regelungen eingeführt, die zusätzlich zu den bundesweit in der Nitratkulisse geltenden sieben Regelungen der Düngeverordnung greifen. Im Einzelnen sind dies:

  • Untersuchung der Nährstoffinhalte, insbesondere von Stickstoff in Wirtschaftsdüngern sowie Gärrückständen aus Biogasanlagen
  • Unverzügliche Einbringung in den Boden beziehungsweise Einarbeitung des ausgebrachten flüssigen Wirtschaftsdüngers auf unbestelltem Acker innerhalb von einer Stunde, um die gasförmigen Verluste in Form von Ammoniak bei der Ausbringung von flüssigen organischen Wirtschaftsdüngern zu verringern.
  • Einführung einer Beratungspflicht für Inhaberinnen und Inhaber von Betrieben, deren Flächen ganz oder teilweise in der N-Kulisse liegen. Sie haben alle drei Jahre, erstmalig bis spätestens 31. Dezember 2021, an einer Düngeberatung mit dem Ziel der Erhöhung der Nährstoffeffizienz teilzunehmen.

Die Gebiete wurde nach den bundesweit verbindlichen Vorgaben der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten (AVV GeA) ermittelt. Die Verwaltungsvorschrift ist im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Eine detaillierte Darstellung der mit Nitrat belasteten Gebiete auf Ebene der Feldblöcke ist im Feldblockfinder Schleswig-Holstein einsehbar.

Eutrophierte Gebiete

Auf die Ausweisung sogenannter eutrophierter Gebiete, das sind mit Phosphor hoch bis sehr hoch versorgte Gebiete, wird in Schleswig-Holstein gemäß §13 Absatz 5 DüV verzichtet. In der Folge sind bei der Düngung die Gewässerabstände – je nach Hangneigung – nach den bundesrechtlichen Vorgaben der DüV landesweit zu erhöhen.

Bei der Landbewirtschaftung müssen die für die jeweilige Bewirtschaftungseinheit (zum Beispiel Schlag) einzuhaltenden Abstände und Auflagen bei der Düngung beachtet werden. Die aus den digital vorliegenden Daten errechneten Hangneigungen sind in dieser Karte dargestellt.

Häufige Fragen und Antworten zur Landesdüngeverordnung

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Wozu dient die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebiete?

Mit der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten (AVV GeA) kommt die Bundesregierung den Vorgaben des § 13a Absatz 1 Satz 2 der Düngeverordnung und den Forderungen der EU-Kommission nach, die Vorgehensweise bei der Ausweisung der Gebiete zu vereinheitlichen. Es werden bundeseinheitliche Vorgaben aufgestellt, die eine rechtssichere, differenzierte und verursachergerechte Ausweisung von mit Nitrat belasteten und durch Phosphor eutrophierten Gebieten in allen Ländern ermöglichen sollen.

Was ist ein mit Nitrat belastetes Gebiet?

Ein mit Nitrat belastetes Gebiet umfasst Flächen, die wegen der Überschreitung der Nitratwerte im Grundwasser nach dem Ausweisungsverfahren der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift ermittelt und ausgewiesen werden. In dem mit Nitrat belasteten Gebiet gelten strengere Anforderungen an die Düngung gemäß der Bundesdüngeverordnung (§13a Absatz 2 DüV) sowie der Landesdüngeverordnung (§ 4 LDüV).

Wie werden die mit Nitrat belasteten Gebiete in Schleswig-Holstein ermittelt?

Die Gebietsausweisung erfolgt nach den Vorgaben der DüV und der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift für die Gebietsausweisung (AVV GeA). Im Gegensatz zu der bisherigen Düngeverordnung von 2017 sieht die novellierte Düngeverordnung von 2020 eine verpflichtende, sogenannte Binnendifferenzierung vor. Dies bedeutet, dass die Nitrat-Kulisse nicht mehr aus den gesamten WRRL-Grundwasserkörpern in schlechtem Zustand besteht, sondern dass die nitratbelasteten Gebiete auf die Bereiche zu begrenzen sind, in denen der Nitratgehalt im Grundwasser mehr als 50 Milligramm je Liter beträgt oder mehr als 37,5 Milligramm je Liter und einen steigenden Trend aufweist. Die Methode, wie diese Bereiche abzugrenzen sind, ist in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift für die Gebietsausweisung (AVV GeA) festgelegt.

Die Abgrenzung erfolgt in drei Schritten, ausgehend von den "Grundwasser­körpern in schlechtem chemischen Zustand wegen Nitrat", den "Grundwasserkörpern mit steigendem Trend" und den "Grundwasserkörpern in gutem chemischen Zustand, die Messstellen mit mehr als 50 Milligramm pro Liter beziehungsweise 37,5 Milligramm pro Liter und steigenden Trend aufweisen":

  • Immissionsbasierte Abgrenzung anhand der Messstellen des sogenannten Ausweisungsmessnetzes. Grundlage sind die gemessenen Nitratkonzentrationen im Grundwasser. Drei verschiedene Methoden, die einzeln oder kumulativ angewendet werden können, stehen gemäß der AVV für die immissionsbasierte Abgrenzung zur Verfügung. Im Ergebnis werden belastete Gebiete mit Messstellen über 50 Milligramm pro Liter beziehungsweise 37,5 Milligramm pro Liter und steigendem Trend von unbelasteten Gebieten abgegrenzt. Die belasteten Gebiete werden anhand der beiden folgenden Schritte weiter differenziert.
  • Flächenscharfe standörtliche Modellierung zur Ermittlung der Nitrataustragsgefährdung unter Berücksichtigung der hydrologischen, geologischen und boden­kundlichen Begebenheiten zur Ermittlung der maximal tolerierbaren Stickstoffüberschüsse. In diese Modellierung gehen Prozesse ein, die zu einem andauernden Nitratabbau führen. Im Ergebnis liefert die Modellierung den maximal tolerierbaren Stickstoffüberschuss, damit im Sickerwasser unterhalb der durchwurzelbaren Bodenschicht ein Wert von 50 Milligramm pro Liter nicht überschritten wird.
  • Emissionsbasierte Abgrenzung durch Ermittlung der Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft. Durch die Berücksichtigung der tatsächlichen Stickstoffüberschüsse bei der Gebietsabgrenzung schafft die AVV die Voraussetzungen für mehr Verursachergerechtigkeit. Bei der erstmaligen Gebietsausweisung erfolgt die Berechnung aufgrund der Datengrundlage der Stickstoffüberschüsse auf Gemeindeebene, mit Einführung des elektronischen Nährstoffdokumentationssystems für Schleswig-Holstein (ENDO SH) ab 2021 wird die Voraussetzung für die Berücksichtigung einzelbetrieblicher Daten für die Gebietsausweisung geschaffen.

Überschreitet der tatsächliche Stickstoffüberschuss den maximal tolerierbaren Überschuss, dann wird das Gebiet als Nitrat belastetes Gebiet auf Feldblockebene ausgewiesen.

Was ist unter dem Ausweisungsmessnetz zu verstehen?

Das Ausweisungsmessnetz umfasst die Messstellen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL-Messnetz), die Messstellen der Berichterstattung an die Europäische Umweltagentur (EUA-Messnetz) und die Messstellen der Nitratrichtlinie (EU-Nitratmessnetz). Darüber hinaus können weitere Messstellen in das Ausweisungsmessnetz übernommen werden. Alle Messstellen müssen im Hauptgrundwasserleiter, also dem oberflächennächsten wasserwirtschaftlich bedeutsamen Grundwasserleiter liegen und den in der AVV GeA vorgegebenen Mindestanforderungen entsprechen. In Schleswig-Holstein besteht das Ausweisungsmessnetz in den zu betrachtenden Grundwasserkörpern aus insgesamt 225 Messstellen, davon sind 28 zusätzliche Messstellen, die im Wesentlichen der mengenmäßigen Zustandsbeobachtung nach der WRRL dienen. Nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift muss das Messnetz eine Dichte von mindestens einer Messstelle je 50 Quadratkilometer aufweisen. In den zu betrachtenden Grundwasserkörpern in Schleswig-Holstein liegt die Messstellendichte im Mittel bei einer Messstelle je 35 Quadratkilometer.

Welche Möglichkeiten sieht die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten für die immissionsbasierte Abgrenzung vor?

Nach der AVV GeA sind drei Methoden für die immissionsbasierte Abgrenzung genannt:

  1. Regionalisierungsverfahren (Verfahren zur räumlichen Interpolation)
  2. Abgrenzung anhand hydrogeologischer und/oder hydraulischer Kriterien
  3. gesonderte Betrachtung für Einzugsgebiete von Trinkwasser- oder Heilquellenentnahmestellen

Während die ersten beiden Methoden für eine Abgrenzung innerhalb des gesamten betrachteten Grundwasserkörpers anzuwenden sind, beschränkt sich die dritte Methode auf eine Abgrenzung innerhalb bestehender Wasserschutzgebiete unter bestimmten Voraussetzungen.

Wenn die erforderliche Messstellendichte für Regionalisierungsverfahren von mindestens einer Messstelle pro 50 Quadratkilometern beziehungsweise bei stark variierenden hydrogeologischen Verhältnissen von einer Messstelle pro 20 Quadratkilometer nicht erreicht wird und auch eine Abgrenzung nach 2. und 3. nicht möglich ist, ist eine Übergangsregelung vorgesehen. Danach kann für die erstmalige Ausweisung auf die immissionsbasierte Abgrenzung verzichtet werden und der ganze Grundwasserkörper für die weiteren Schritte der Modellierung und emissionsbasierten Abgrenzung zugrunde gelegt werden.

Wie wird die Immissionsbasierte Abgrenzung in Schleswig-Holstein vorgenommen?

Die immissionsbasierte Abgrenzung erfolgt in Schleswig-Holstein anhand der 225 Messstellen des sogenannten Ausweisungsmessnetzes. Grundlage sind die gemessenen Nitratkonzentrationen im Grundwasser. Gemäß AVV GeA ist für die immissionsbasierte Abgrenzung der Mittelwert der Nitratkonzentrationen der vergangenen vier Jahre zu verwenden. Liegen mehrere Messungen pro Jahr vor, so ist der maximale Wert in die Mittelwertbildung einzubeziehen. Die AVV GeA sieht vor, dass Messungen bis zum 31.12.2019 zu verwenden sind, für die erstmalige Ausweisung können sowohl jüngere Messwerte nach dem 31.12.2019 als auch ältere Messwerte verwendet werden. In Schleswig-Holstein wurden an 92 Messstellen Messwerte bis 2019 verwendet, an 131 Messstellen wurden Messwerte bis 2020 herangezogen. An zwei Messstellen wurden Messwerte, die älter als vier Jahre sind, verwendet. Die zugrunde gelegten Messwerte sind in dieser Tabelle (PDF 919KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm) aufgelistet.

In Schleswig-Holstein erfolgt die immissionsbasierte Abgrenzung anhand hydrogeologischer und hydraulischer Kriterien. Hierfür werden beispielsweise die Mächtigkeit schützender Deckschichten sowie hydraulische Grenzen herangezogen, um Gebiete mit vergleichbarer Untergrundbeschaffenheit zu bestimmen. Auf diese Weise werden Gebiete mit belasteten und unbelasteten Messstellen voneinander abgegrenzt.

Eine detailliertere Darstellung der immissionsbasierten Abgrenzung von belasteten und unbelasteten Gebieten in den Grundwasserkörpern Schleswig-Holsteins findet sich in nachfolgendem Bericht:

Abgrenzung der Nitrat-Gebietskulisse in Schleswig-Holstein nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten (AVV GeA) - LLUR (2020) (PDF 4MB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)

Wie wird die standörtliche Modellierung zur Ermittlung der Nitrataustragsgefährdung durchgeführt?

In der AVV GeA ist vorgegeben, dass die Modellierung der Nitrataustragsgefährdung auf der Grundlage des Modellansatzes AGRUM DE zu erfolgen hat. AGRUM DE ist ein bundesweit einheitliches Nährstoffmodell, das auf der Basis von hydrologischen, geologischen und boden­kundlichen Daten das Verhalten von Nitrat im durchwurzelbaren Boden ermittelt. Das Modell ermöglicht eine Analyse insbesondere von Nährstoffeinträgen der Landwirtschaft in Grund- und Oberflächengewässer und deren räumliche Verbreitung. Die Anforderungen an die Modellierung und die zugrunde zu legenden Daten sind in einem Anhang der AVV GeA aufgeführt.

Mit dem Modell wird auf einem Modellraster von 100 Metern mal 100 Metern berechnet, wie hoch der Stickstoffbilanzüberschuss auf einer einzelnen Rasterfläche sein darf, damit nach der Bodenpassage höchstens 50 Milligramm pro Liter Nitrat im Sickerwasser verbleiben. Dieser sogenannte maximale tolerierbare Stickstoffüberschuss variiert entsprechend der vorhandenen standörtlichen Begebenheiten.

Weiterhin ist in § 3 geregelt, dass zur Nutzung der besten verfügbaren Daten Verfahren mit gleichem Systemverständnis ergänzend hinzugezogen werden können. Von dieser Möglichkeit hat Schleswig-Holstein Gebrauch gemacht und das System AGRUM mit aktuelleren Daten fortgeschrieben. Details zu den Anpassungen finden sich in den beiden nachfolgenden Berichten:

Endbericht zum Forschungsprojekt Räumlich differenzierte Quantifizierung der Nährstoffeinträge ins Grundwasser und in die Oberflächengewässer Schleswig-Holsteins unter Anwendung der Modellkombination RAUMIS-GROWA-WEKU-MEPhos (PDF 47 MB, Datei ist nicht barrierefrei)

Aktualisierung des Schleswig-Holstein Modells von 2017 zur Anpassung der Ergebnisse aus AGRUM-DE an die schleswig-holsteinischen Gegebenheiten (PDF 4MB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)

Wie wird die Ermittlung der potentiellen Nitratausträge vorgenommen?

Nach der AVV GeA ist eine emissionsbasierte Ermittlung der Stickstoffsalden unter Berücksichtigung von Stickstoffzufuhr und Stickstoffabfuhr vorzunehmen. Dafür sollen Daten der landwirtschaftlichen Betriebe verwendet werden, aus denen sich die Mengen der auf die Nutzflächen verbrachten Nährstoffe ergeben. Hierzu gehören unter anderem Stickstoffzufuhr aus der Tierhaltung, aus Gärrückständen, Klärschlämmen und Bioabfallkomposten, aus Wirtschaftsdüngerimporten, Mineraldüngereinsatz sowie durch Saat- und Pflanzgut. In die Ermittlung der Stickstoffabfuhr fließen Informationen zum Ernteertrag und zum Stickstoffgehalt der Ernteprodukte ein.

Für die erstmalige Ausweisung erfolgt die Berechnung auf regionaler Ebene; in der Regel der Gemeindeebene. Diese Ermittlung wird vom Thünen-Institut vorgenommen.

Als Datengrundlagen werden Datenbestände herangezogen, die der Ermittlung der potentiellen Nitratausträge dienen, wie sie in Anlage 4 Tabelle 1 AVV GeA aufgeführt sind. Dabei handelt es sich zurzeit vor allem um Daten der Agrarstatistik (unter anderem Ernteerträge, Viehbestände, Agrarstruktur, Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung) sowie um Daten aus InVeKoS und Testbetriebsnetzen sowie sektorbezogene düngerechtliche Erhebungen, unter anderem Düngestatistiken, Meldedaten für Wirtschaftsdüngerverbringung). Es können auch Daten aus Nährstoffberichten (unter anderem Nährstoffberichte der Universität Kiel) oder andere detaillierte Daten der Länder im Rahmen eigener Nährstoffbilanzierungsmodelle herangezogen werden, wovon Schleswig-Holstein im Rahmen der aktuellen Gebietsausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete keinen Gebrauch gemacht hat. Liegen für landwirtschaftliche Betriebe plausibilisierte einzelbetriebliche Daten vor, werden zukünftig auch diese Daten zur Abbildung der Betriebsebene berücksichtigt, sofern die Voraussetzungen für ihre elektronische Erfassung und modellgestützte Plausibilisierung sowie die elektronische Einspeisung und modelltechnische Verarbeitung dieser Daten zur Ermittlung der potentiellen Nitratausträge nach § 8 vorliegen. Hierzu plant Schleswig-Holstein die Einführung einer Meldepflicht für alle landwirtschaftlichen Betriebe (ENDO-SH). In einer Datenbank sollen alle Daten, die nach der DüV ohnehin erhoben werden, unter anderem Düngebedarfsermittlung, Dokumentation der tatsächlichen Düngung und ihre jeweiligen betriebsbezogenen Zusammenfassungen, dokumentiert werden. Diese einzelbetrieblichen Daten werden dann in die Modellierung einbezogen, so dass damit eine genauere flächen- und betriebsbezogene Auswertung ermöglicht wird, die dann die Betriebsverhältnisse in Schleswig-Holstein deutlich besser abbildet.

Werden die Ergebnisse der modellierten maximalen tolerierbaren Stickstoffüberschüsse und die ermittelten Stickstoffsalden aus der Landwirtschaft miteinander verrechnet, ergibt sich ein flächenbezogener Minderungsbedarf: Flächen, auf denen der ermittelte Stickstoffüberschuss aus der Landwirtschaft größer ist als der maximal tolerierbare Stickstoffüberschuss, weisen einen Minderungsbedarf aus. Liegen diese Flächen in den zuvor anhand der immissionsbasierten Abgrenzung ausgewiesenen belasteten Gebieten, so wird diese Fläche als "mit Nitrat belastetes Gebiet" ("Rotes Gebiet") ausgewiesen.

 

 

Was gilt, wenn eine Nitratmessung und das Modellergebnis nicht zueinander passen?

Entsprechend den Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie ist zur Ermittlung des mit Nitrat belasteten Gebiets derjenige Messwert im Grundwasserkörper Ausgangspunkt des Verfahrens, der eine Belastung anzeigt. Durch die Betrachtung der Standortfaktoren und der von der Landwirtschaft ausgehenden überschüssigen Zufuhr von Nitrat wird dann im nächsten Schritt geprüft, ob das Sickerwasser der Fläche zur Verunreinigung beiträgt. Im Einzelfall kann es dazu kommen, dass eine Messstelle eine Belastung aufweist, ohne dass die darüber liegende Fläche als mit Nitrat belastetes Gebiet ausgewiesen wird. In diesem Fall soll durch eine erneute Überprüfung sichergestellt werden, dass keine Messfehler oder falschen Bewertungen zu dem Ergebnis geführt haben, dass die Fläche nicht ausgewiesen wird.

Wie wirken sich die Vorgaben der neuen Düngeverordnung und der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift auf die Ausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete aus?

Anders als die Düngeverordnung von 2017 sieht die novellierte Düngeverordnung 2020 erstmals eine verpflichtende Binnendifferenzierung vor. Das bedeutet, dass ausgehend von den belasteten Grundwasserkörpern nur diejenigen Teilgebiete als Nitrat belastete Gebiete auszuweisen sind, die eine Nitratkonzentration mehr als 50 Milligramm pro Liter oder mehr als 37,5 Milligramm pro Liter mit steigendem Trend aufweisen. Die allgemeine Verwaltungsvorschrift definiert eine bundesweit einheitliche und fachlich sehr detaillierte Vorgehensweise, wie diese Teilgebiete abzugrenzen sind. Die Methodik setzt hierbei auch auf mehr Verursachergerechtigkeit, da, anders als bisher, die Nährstoffüberschüsse bei der Gebietsausweisung zu berücksichtigen sind.

Da in Schleswig-Holstein bislang keine Binnendifferenzierung durchgeführt wurde, sind die neuen Nitrat belasteten Gebiete deutlich kleiner geworden. Die neuen sogenannten "Roten Gebiete" weisen rund 10 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der bisherigen "Roten Gebiete" auf, die den Grundwasserkörpern in schlechtem chemischen Zustand entsprachen. Die Verkleinerung der mit Nitrat belasteten Gebiete liegt aber nicht nur an der nun vorgenommenen Binnendifferenzierung, sondern ergibt sich auch aus dem Umstand, dass durch die Methode der Verwaltungsvorschrift jene Bereiche nicht berücksichtigt werden, in denen nachweislich erhöhte Nitrateinträge ins Grundwasser stattfinden, die jedoch einem mikrobiellen Nitratabbau im Grundwasser unterliegen. In diesen Bereichen ist Nitrat, wenn überhaupt, nur noch in sehr niedrigen Konzentrationen nachweisbar. Unter Grundwasserschutzgesichtspunkten ist dieser Aspekt von Bedeutung, da der mikrobielle Abbau von Nitrat infolge Denitrifikation ein endlicher Prozess ist und die dafür neben dem Nitrat notwendigen Stoffe aufgebraucht werden.

Im Ergebnis ergeben sich durch diese Einschränkung insbesondere in Bereichen der Geest deutlich kleinere "Rote Gebiete" als dies bislang der Fall war.

Bis wann muss die Ausweisung nach den Vorgaben der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift umgesetzt sein?

13a Absatz 1 Satz 3 der Düngeverordnung gibt vor, dass die Landesregierungen die Ausweisung der mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebiete nach Inkrafttreten der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift überprüfen und erforderliche Änderungen bis zum Ablauf des 31. Dezember 2020 vornehmen.

Wie oft müssen die Bundesländer die Gebietsausweisungen überprüfen?

Entsprechend der Vorgabe der Düngeverordnung müssen die Bundesländer die Landesdüngeverordnungen spätestens vier Jahre nach ihrem erstmaligen Erlass und danach in Abständen von höchstens vier Jahren überprüfen.

Wer ist für die Grundwasser-Messstellen und deren Überprüfung zuständig?

Die Verantwortung für das Mess- und Beobachtungswesen der Gewässerqualität liegt bei den einzelnen Bundesländern. In Schleswig-Holstein ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zuständig für die Grundwasserüberwachung, die sich aus verschiedenen gesetzlichen Verpflichtungen (unter anderem Nitrat-Richtlinie und Wasserrahmenrichtlinie) ergibt. In Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Küstenschutz und Nationalpark erfolgt die Einrichtung, Pflege und Überprüfung der dafür nötigen Messnetze.

Weitere Informationen zu den Grundwasser-Messstellen

Werden die Messstellen in den Grundwasserkörpern regelmäßig kontrolliert?

Die Grundwassermessstellen werden regelmäßig auf ihre technische Funktionsfähigkeit überprüft. Im Zusammenhang mit der Entnahme von Wasserproben erlauben die so gewonnenen Erkenntnisse eine schnelle Erkennung von technischen Defekten. Je nach Schadensbild erfolgt der Rückbau, der Ersatz und Neubau von Messstellen.

Neben der technischen Funktionsüberprüfung erfolgt auch in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung der Repräsentativität der Messstellen. Durch Landnutzungsänderungen im Umfeld von Messstellen und/oder neuen Erkenntnissen zur geologisch-hydrogeologischen Situation kann eine Neubewertung der Messstellenstandorte hinsichtlich der Flächenrepräsentativität nötig werden. Mit der zunehmenden Bedeutung des Messnetzes wird regelmäßig überprüft, ob – neben dem oben genannten routinemäßigen Ersatz oder Neubau von Messstellen - durch die Hinzunahme weiterer Messstellen die Flächenrepräsentativität noch verbessert und gegebenenfalls auch die Messstellendichte erhöht werden kann.

Worauf wird bei der Aufstellung der Grundwasser-Messstellen geachtet?

Maßgeblich für die Standortauswahl sind die hydrogeologischen Verhältnisse vor Ort. Deshalb ist nicht entscheidend, ob sich direkt über der Messstelle ein Acker oder eine Siedlung befindet. Es kommt vielmehr darauf an, woher das Grundwasser kommt, wohin das Grundwasser fließt und das Nitrat abtransportiert, und damit, ob die jeweilige Messstelle im Zu- oder Abstrom der Grundwasserfließrichtung steht.

Welche Auswirkungen haben Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete auf die Ausweisung von mit Nitrat belasteten Gebieten?

Die Grenzen der Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete haben keinen Einfluss auf die Grenzen der mit Nitrat belasteten Gebiete. Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift dient der Umsetzung der Düngeverordnung und damit einem anderen Regelungsbereich. Die Messwerte von Messstellen in Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebieten können bei der Abgrenzung der belasteten Gebiete aber berücksichtigt werden, sofern die Messstellen den Anforderungen der AVV GeA entsprechen.

Welche zusätzlichen Maßnahmen ergreift das Land in der Nitratkulisse?

Auf Basis der bundesweit geltenden Düngeverordnung sind mindestens zwei zusätzliche Anforderungen landesseitig einzuführen. Diese gelten nicht landesweit, sondern nur in der Nitratkulisse. Schleswig-Holstein führt mit Inkrafttreten der neuen Landesdüngeverordnung am 24. Dezember 2020 drei zusätzliche Anforderungen ein, die dann zusätzlich zu den bundesweit für die Nitratkulisse geltenden sieben Regelungen der Düngeverordnung greifen. Im Einzelnen sind dies:

  • Untersuchung der Nährstoffinhalte, insbesondere von Stickstoff in Wirtschaftsdüngern sowie in Gärrückständen aus Biogasanlagen;
  • Unverzügliche Einbringung in den Boden beziehungsweise Einarbeitung des ausgebrachten flüssigen Wirtschaftsdüngers auf unbestelltem Acker innerhalb von einer Stunde, um die gasförmigen Verluste in Form von Ammoniak bei der Ausbringung von flüssigen organischen Wirtschaftsdüngern zu verringern.
  • Einführung einer Beratungspflicht für Inhaberinnen und Inhaber von Betrieben, deren Flächen ganz oder teilweise in der N-Kulisse liegen. Sie haben alle drei Jahre, erstmalig bis spätestens 31.12.2021, an einer Düngeberatung mit dem Ziel der Erhöhung der Nährstoffeffizienz

Was ist ein eutrophiertes Gebiet?

Als eutrophierte Gebiete gelten Einzugsgebiete von Fließgewässern und Seen, die drei Kriterien erfüllen.

  1. Der Anteil landwirtschaftlich bedingter Phosphoreinträge in einem Einzugsgebiet ist größer als 20 Prozent, wobei sich die Größe von 20 Prozent aus der EU-Rechtsprechung herleitet.
  2. Die Orientierungswerte für die ortho-Phosphat-Konzentration in Fließgewässern und die Gesamt-Phosphor-Konzentration der Oberflächengewässerverordnung werden nicht eingehalten. Diese Orientierungswerte wurden für jeden Gewässertyp aufgestellt und sind im norddeutschen Tiefland höher als im Mittelgebirge oder den Alpen, diese Werte berücksichtigen damit die naturräumlich bedingten Verhältnisse. Die Einhaltung beziehungsweise Nichteinhaltung der Orientierungswerte bestimmt sich aus regelmäßigen Messungen in den Oberflächengewässern.
  3. Der Zustand der Gewässerflora ist nicht gut; hier wird auf die Ergebnisse der Wasserrahmenrichtlinie Bewertung zurückgegriffen.

Nur wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, kann ein Einzugsgebiet in eine Kulisse der eutrophierten Gebiete aufgenommen werden. Um hier Härten zu vermeiden, muss zudem der flächenspezifische Phosphoreintrag aus der Landwirtschaft einen Schwellenwert überschreiten, da Phosphoreinträge aus landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht vollständig vermeidbar sind. Diese Schwellenwerten sind im norddeutschen Tiefland niedriger, weil hier der Haupteintrag über das leichter bioverfügbare Dränagewasser erfolgt und im Mittelgebirge und der Alpenregion höher, weil hier der Haupteintrag über Erosion erfolgt und diese Einträge nicht unmittelbar bioverfügbar sind.

Warum werden in SH keine eutrophierten Gebiete ausgewiesen?

Auf die Ausweisung eutrophierter Gebiete, das sind mit Phosphor überversorgte Einzugsgebiete von Fließgewässern und Seen nach § 13 a Absatz 1 Nr. 4 DüV, wird bis auf weiteres verzichtet. In der Folge sind bei der Düngung die Gewässerabstände - je nach Hangneigung – nach den bundesrechtlichen Vorgaben der DüV (§ 13a Absatz 3 Satz 3 Nr. 4) landesweit zu erhöhen. Daraus ergibt sich eine Betroffenheit von an Gewässer grenzenden landwirtschaftlichen Flächen an 3,5 Prozent der Uferlänge der Gewässer Schleswig-Holsteins, das heißt an bis zu 1.500 Kilometern Uferlänge, vorwiegend im Östlichen Hügelland. Landesweit ist an allen Gewässern ein Abstand von fünf Metern bei der Düngung einzuhalten, wenn keine Exakttechnik eingesetzt wird.

Dieser Weg wird gewählt, weil die Binnengewässer landesweit eutrophiert sind und vor allem Abstandserhöhungen bei der Düngung als kurzfristig wirksam eingeschätzt werden. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gehen bei den Fließgewässern gleichermaßen vor. Der Phosphor-Austrag von landwirtschaftlichen Flächen soll durch eine stärkere Durchsetzung der bestehenden Regelungen insbesondere an hängigen Flächen sowie einen Ausbau der Düngeberatung gemindert werden.

Welche oberirdischen Gewässer sind von den Auflagen betroffen?

Alle oberirdischen Gewässer sind grundsätzlich von verschiedenen gesetzlichen Regelungen betroffen. Ein oberirdisches Gewässer wird gemäß § 3 WHG definiert als "ständig oder zeitweilig in Betten fließendes oder stehendes oder aus Quellen wild abfließendes Wasser". Die Regelungen gelten nicht für Gräben und kleine Wasseransammlungen, die nicht der Vorflut dienen oder aber der Vorflut der Grundstücke nur eines Eigentümers. Damit gelten die Vorgaben nicht für Grüppen und kleine, künstlich angelegte Parzellengräben. Landesweit gelten vor allem für an Gewässer grenzende Flächen höhere Auflagen an die Düngung. Die betroffenen Gewässerabschnitte mit ihren Hangneigungen sind im Digitalen Atlas Nord hinterlegt.

Die Auflagen gelten jeweils gemessen ab der Böschungsoberkante (BOK). Diese ist gemäß § 38 WHG der Gewässerrand. Für Wasserläufe ohne Böschungsoberkante bemisst sich der Gewässerrand landseits ab der Linie des Mittelwasserstandes.