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Typisch Schleswig-Holstein -
Biikebrennen

Staatskanzlei

Typisch Schleswig-Holstein -
Biikebrennen

Jedes Jahr am 21. Februar brennen an der nordfriesischen Küste, auf den Inseln und Halligen die Biike-Feuer. Die traditionellen Feuerfeste locken jedes Jahr viele Urlauber an die Westküste Schleswig-Holsteins.

Heutzutage ist das Biikebrennen bei Einheimischen und Touristen ein gleichermaßen beliebtes Erlebnis. Die Ursprünge des Biikebrennens sind jedoch Jahrhunderte alt und es ranken sich viele Legenden darum. Eine Legende zur Entstehung besagt, dass die Biike-Feuer seit dem 17. Jahrhundert nach einem langen Winter den auslaufenden nordfriesischen Walfängern als Abschiedsgruß dienten. Daraus entwickelte sich eine weitere Legende: Die Festland Dänen warteten immer sehnsüchtig auf die Sylter Biiken. Das Erlöschen der Feuer sei für sie das Zeichen gewesen, dass die jungen Sylter Männer die Insel verlassen hätten. Darauf sollen sie losgezogen sein, um auf der Insel die Sylterinnen zu umwerben. Der Leiter des Nordfriisk Instituut in Bredstedt, Thomas Steensen, verweist beide Geschichten jedoch ins Reich der Mythen.

Quellengestützte Wahrheit ist viel mehr: Die Biike geht bis in heidnische Zeiten zurück und diente als Frühlingsfeuer gegen böse Geister und zum Schutz der Saat. Solche Feuer sind auch in vielen anderen Regionen üblich. Auch die Wortherkunft ist bekannt. Das Wort "Biike" ist Sylter Friesisch und bedeutet Zeichen, Seezeichen (wie die deutsche "Bake") oder Feuermal.

Zu dieser Zeit brannten die Feuer noch an langen, bakenähnlichen Stangen, Bäume waren an der Westküste eine Seltenheit und zu kostbar zum Verbrennen. Die heute üblichen Großfeuer sind vermutlich erst nach 1850 entstanden. Sie setzten sich auch durch, weil der Weihnachtsbaum gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den nordfriesischen Stuben Einzug hielt. Die ausgedienten Christbäume bilden bis heute einen wesentlichen Anteil des Biikematerials.

Identitätsstiftend für die Friesen

Dem Biikebrennen wurden aber auch immer wieder andere Bedeutungen zugewiesen. Insbesondere im 19. Jahrhundert diente es im Zuge der schleswig-holsteinischen Nationalbewegung dazu, die eigene Identität hervorzuheben. Heute ist der nordfriesische Brauch, an der Küste und auf den Inseln, auch ein touristischer Anziehungspunkt und die erste große touristische Veranstaltung des Jahres. Für die Menschen in Nordfriesland bedeutet er vor allem ein Stück Heimat.

Der Petritag

Für die friesische Bevölkerung sind das Biikebrennen und der darauf folgende Petritag am 22. Februar wichtige Feiertage. Der Petritag hat seine ursprüngliche Funktion jedoch komplett eingebüßt: Er ist zum Tag der Kinder geworden. Die Schulen bleiben an diesem Tag zum Teil geschlossen. Anstatt die Schulbank zu drücken, vergnügen sich die Sprösslinge auf den zahlreichen Petritänzen.

Immaterielles Weltkulturerbe

Nach dem Beschluss der Kulturministerkonferenz (KMK) vom 12. Dezember 2014 wurde das Biikebrennen in das nationale Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe aufgenommen (wie übrigens auch der Kölner Karneval). In Deutschland gibt es jetzt erstmalig ein nationales Verzeichnis Immateriellen Kulturerbes. Es soll in den kommenden Jahren weiter wachsen und ein Spiegelbild der regional verankerten lebendigen Kulturtraditionen sein.

Deutschland nimmt zunächst 27 Traditionen in sein bundesweites Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes auf und erfüllt damit erstmals das entsprechende UNESCO-Übereinkommen. Zu den lebendigen Traditionen, die die Kriterien erfüllen, zählen zum Beispiel auch das Chorsingen, die Morsetelegrafie, die Flößerei und die Orgelbautradition.

Weitere Informationen

Typisch Schleswig-Holstein: Traditionelle Küche, Traditionen und Brauchtum

Minderheiten in Schleswig-Holstein: Friesen