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Pflanzenschutzmittel im Grundwasser

Staatskanzlei

Pflanzenschutzmittel im Grundwasser

Pflanzenschutzmittel (PSM) sind Stoffe, die ausschließlich durch den Menschen in die Natur gelangen.
Sie haben vielfältige Einsatzgebiete und sind dazu bestimmt:

  • Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse vor dem Einwirken von Schadorganismen zu schützen,
  • Lebensvorgänge von Pflanzen, wie deren Wachstum, zu beeinflussen und das Keimen von unerwünschten Pflanzen zu hemmen sowie
  • Pflanzen abzutöten oder Flächen von Pflanzenbewuchs zu befreien und freizuhalten.

Diesen Anwendungszielen entsprechend wirken Pflanzenschutzmittel auf viele Pflanzen und Tiere giftig. Im Grundwasser sind sie in der Regel nicht abbaubar und können es über lange Zeiträume belasten (Länderarbeitsgemeinschaft Wasser: Bericht zur Grundwasserbeschaffenheit - Pflanzenschutzmittel, 2011).
Da Pflanzenschutzmittel erhebliche Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt haben können, müssen alle in Deutschland verwendeten Mittel vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zugelassen werden.

Seit den achtziger Jahren sind Pflanzenschutzmittel aufgrund von Nachweisen im Grundwasser verstärkt in die Diskussion gerückt. Die seit 1989 geltenden strengen Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser führten bereits mehrfach zur Stilllegung von Förderbrunnen und Versorgungsanlagen. Seit 1995 werden vom Land Schleswig-Holstein regelmäßig Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel im Grundwasser durchgeführt.

Die Liste der vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) untersuchten Parameter umfasst immer etwa 20 – 30 Stoffe. Der Parameterumfang wird regelmäßig überprüft und an aktuelle Erkenntnisse auch der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser, des Pflanzenschutzdienstes und der Trinkwasserüberwachung angepasst. Dadurch wird sichergestellt, dass Daten für alle maßgeblichen Stoffe erhoben werden. Auch Stoffe, die nicht mehr eingesetzt werden, aber von großer Bedeutung waren, werden weiterhin untersucht. Wie am andauernden Auftreten des Herbizids Atrazin und dessen Metaboliten im Grundwasser deutlich wird, können PSM und deren Metabolite auch noch Jahre nach der Aufhebung der Zulassung im Grundwasser nachweisbar sein.

Jeder Nachweis von Pflanzenschutzmitteln oder deren Metaboliten zeigt bereits eine Belastung des Grundwassers. Konzentrationen von mehr als 0,1 µg/l je Wirkstoff bzw. von mehr als 0,5 µg/l für die Summe der Wirkstoffe in einer Probe stellen eine Überschreitung des zulässigen Schwellenwertes nach der Grundwasserverordnung dar.

Es finden sich regelmäßig aber nicht nur die Wirkstoffe, sondern insbesondere auch deren Abbauprodukte, die so genannten Metabolite im Grundwasser. Metabolite werden entsprechend ihrer Giftigkeit für den Menschen in die Gruppe der relevanten und der nicht relevanten Metabolite unterteilt. Relevante Metabolite haben eine vergleichbare Toxizität wie der Ausgangsstoff, weswegen auch für diese Stoffe der Schwellenwert von 0,1 µg/l gilt.
Nicht relevante Metabolite weisen deutlich weniger als 50% der biologischen Aktivität der entsprechenden Wirkstoffe auf. Sie sind weder erbgutverändernd (mutagen) noch krebserregend (karzinogen) oder Fehlbildungen-erzeugend (reproduktionstoxisch) und nicht "giftig" oder "sehr giftig". Da diese Stoffe im Grundwasser ebenfalls nicht erwünscht sind, gilt für sie ein sog. gesundheitlicher Orientierungswert von 1 bzw. 3 µg/l.

Die Ergebnisse von Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel im Grundwasser werden für Schleswig-Holstein vom LLUR jährlich zusammengestellt und an das Umweltbundesamt geliefert, damit die Ergebnisse bei Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) berücksichtigt werden können.

Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel

Im LLUR werden seit 1996 jährlich alle vorliegenden Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel gemäß einer Vorgabe der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) ausgewertet. Einen Auszug mit allen gefundenen Stoffen und deren Konzentration aus dem Jahre 2014 sind in nachfolgender Tabelle aufgelistet:

PSM-Befunde 2014 (PDF 143KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Um einen Überblick über die Verteilung der PSM-Befunde in Schleswig-Holstein zu erhalten, wurden Mitte 2015 die aktuellen Daten der regelmäßigen Untersuchungen in den Landesmessstellen gesondert ausgewertet.
Grundlage für diese Auswertung sind die Analysenergebnisse aus den Jahren 2010 bis 2014.
In diesem Zeitraum wurden insgesamt 387 Grundwassermessstellen einmalig oder auch wiederkehrend auf Pflanzenschutzmittel, relevante Metaboliten oder nicht relevante Metaboliten untersucht. Die Messstellen erschließen in der Regel den obersten Hauptgrundwasserleiter in Tiefen zwischen 2,5 m und 71 m, wobei 2/3 im Bereich von 2,5 m und 20 m liegen und somit die Belastung der Grundwasserneubildung zeigen. Die von den Wasserwerken genutzten Grundwasserleiter liegen dagegen häufig tiefer. Die regelmäßigen Trinkwasseruntersuchungen der Wasserwerke stellen sicher, dass im abgegebenen Trinkwasser die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung sicher eingehalten werden.

Die Untersuchung fasst alle Funde der letzten fünf Jahre in den Landesmessstellen zusammen. Sofern in einem dieser Jahre ein Befund vorlag, wird die Messstelle gezählt. Als Messwert wird die höchste in diesem Zeitraum (2010-2014) gefundene Konzentration dargestellt.
Danach wurden in 140 dieser Messstellen (36 %) zumindest ein Wirkstoff, ein relevanter Metabolit oder nicht relevanter Metabolit nachgewiesen.
Wirkstoffe und relevante Metabolite werden in 61 der untersuchten Messstellen (16%) gefunden. Oberhalb des Grenzwertes der Grundwasserverordnung von 0,1 µg/l liegen davon 12 Messwerte (3%).
Nicht relevante Metabolite werden in 109 Messstellen (35%) gefunden, 9 Messwerte überschreiten den gesundheitlichen Orientierungswert von 1 bzw. 3 µg/l (3%).

Die Befunde zeigen, dass Pflanzenschutzmittel auch in das Grundwasser vordringen können. Zumindest im obersten Hauptgrundwasserleiter können PSM in nahezu allen Regionen des Landes festgestellt werden. Sofern Stoffe eine Grenzwertüberschreitung aufweisen, ist diesen eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen und eine Ursachenanalyse vorzunehmen.
Zu bedenken ist dabei, dass die Befunde aufgrund der sehr langsam verlaufenden Tiefenverlagerung der Stoffe einen Eintrag aus früheren Jahren bis Jahrzehnten darstellen. Einige der gefundenen Stoffe besitzen bereits seit mehreren Jahren keine Zulassung mehr, und es ist davon auszugehen, dass diese Stoffe auch nicht mehr eingesetzt werden. Dennoch treten Sie regelmäßig, wenn auch mit deutlich abnehmenden Fundhäufigkeiten im Grundwasser auf.
Sofern ein noch zugelassener Wirkstoff in hohen Konzentrationen auftritt, kommt als Ursache möglicherweise in Betracht, dass dieser eine schlechte Abbaubarkeit im Boden und damit eine starke Verlagerungstendenz ins Grundwasser aufweist. Bei mehrfachen Funden gleicher Art sind dann nach einer Prüfung durch das BVL als Zulassungsstelle Anwendungsbeschränkungen oder sogar Anwendungsverbote möglich. Dies ist z.B. für den Wirkstoff Chloridazon erfolgt, dessen Metabolit (Desphenyl-Chloridazon) gehäuft im Grundwasser angetroffen wird. Dieser Wirkstoff darf aktuell nicht mehr auf sandigen Böden eingesetzt werden.

Die Liste der Messstellen mit Grenz- bzw. Schwellenwertüberschreitung finden Sie hier:

Befunde von PSM / rM / nrM oberhalb der Grenzwerte (PDF 61KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Kartendarstellungen mit den ermittelten Befunden finden Sie hier:

Befunde an Pflanzenschutzmittelrückständen und nicht relevanten Metaboliten an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 Befunde an Pflanzenschutzmittelrückständen und nicht relevanten Metaboliten an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Befunde an Pflanzenschutzmittelrückständen und nicht relevanten Metaboliten an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 © LLUR

Pflanzenschutzmittelbefunde an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 Pflanzenschutzmittelbefunde an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Pflanzenschutzmittelbefunde an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 © LLUR

Befunde an nicht relevanten Metaboliten an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 Befunde an nicht relevanten Metaboliten an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Befunde an nicht relevanten Metaboliten an Messstellen des Landes in den Jahren 2010 bis 2014 © LLUR