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Traumaambulanz „Flucht und Migration“

Staatskanzlei

Traumaambulanz „Flucht und Migration“

Das Zentrum für Integrative Psychiatrie bietet Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge und Fortbildung für Helfer an.

November 2016 – Die Erfahrungen von Menschen, die Krieg, Folter und Vertreibung erlebt haben, sind oft dramatisch: Sie wurden entwurzelt, oft von ihren Familien getrennt, lebten in einer anhaltenden Belastungs- und Bedrohungssituation, geprägt von Hilflosigkeit, Abhängigkeit und Ohnmacht.

Manche von ihnen können die damit verbundenen Erfahrungen verarbeiten. Andere brauchen Hilfe bei der Stabilisierung und Verarbeitung, auch um die Herausforderung, sich in einer fremden Kultur zurecht zu finden und zu integrieren, bewältigen zu können.

Das ist die Aufgabe der Traumaambulanz "Flucht und Migration" im Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) in Kiel und Lübeck. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der psychiatrisch/ psychotherapeutischen Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung. Es werden jedoch auch alle anderen psychiatrischen Erkrankungen behandelt. Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge aus ganz Schleswig-Holstein werden von einem in interkultureller Arbeit geschulten multiprofessionellen Team, bestehend aus Ärzten, Therapeuten, Sozialpädagoginnen und Ergotherapeuten, behandelt und betreut. In Kiel bietet die kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz auch Hilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche, speziell die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden. Die dafür qualifizierten Dolmetscher stehen in engem Kontakt zum Team der Traumaambulanz und erhalten Schulungsangebote und Supervision, um der oft belastenden Aufgabe gerecht werden zu können.

Fortbildungsreihe für Helferinnen und Helfer

Die Traumaambulanz bietet auch Fortbildung zum Thema "Flüchtlingshilfe – Hintergründe und Hilfreiches zur Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen" an. Zielgruppe sind professionelle und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsversorgung. In einem Einführungsvortrag und fünf Workshops erfahren die Teilnehmer Wissenswertes über Traumafolgestörungen und den Umgang mit traumatisierten Menschen. Sie bekommen auch Unterstützung bei der nötigen Selbstfürsorge und können ihre Erfahrungen, Bedenken und Unsicherheiten untereinander austauschen. Themen der Fortbildungsreihe sind Traumafolgestörungen, transkulturelle Psychiatrie, Flashbacks und Dissoziationen, Selbstfürsorge, Ressourcenaktivierung und Kinder- und jugendpsychiatrische Aspekte in der Flüchtlingsarbeit.

Entstehung der Traumaambulanz

Die ZIP gGmbH am Campus Kiel (ZIP) behandelt seit den 1990er Jahren Flüchtlinge. Nachdem 2014 ein Projekt des Europäischen Flüchtlingsfonds nach zwölfjähriger Laufzeit nicht fortgesetzt werden konnte, wurden Flüchtlinge zunächst im Rahmen der Regelversorgung behandelt.

Ziel war es, Geflüchteten die gleiche Behandlung zukommen zu lassen, wie sie jeder andere Erkrankte auch erfährt. Auch wenn das ZIP weiterhin am Grundsatz der Gleichbehandlung festhielt, zeigte sich in der Praxis doch, dass eine adäquate therapeutische Versorgung von Flüchtlingen den Rahmen der Regelbehandlung deutlich überschritt. Spezifisches interkulturelles Fachwissen, speziell geschulte Traumatherapeuten, die Koordination der verschiedenen Hilfesysteme und die Schulung für die Sensibilität und auch die Organisation für das Setting ("Therapie zu dritt" durch Beteiligung von Dolmetschern) waren unumgänglich. Es wurde den Beteiligten rasch klar, dass die Organisation dieses speziellen Behandlungsauftrages nicht in allen Kliniken Schleswig-Holsteins auf gleich hohem Niveau umsetzbar ist. So entstand die Idee, auf dem Boden der bereits vorhandenen langjährigen Erfahrung eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit dem benannten Schwerpunkt zu gründen. Mit den Projektmitteln des Landes Schleswig-Holstein wurde an den Standorten Kiel und Lübeck jeweils eine solche Arbeitsgruppe aufgebaut und ein entsprechendes Konzept entwickelt. Anfang Januar 2016 hat die "Trauma-Ambulanz Flucht und Migration" in Kiel und in Lübeck ihre Arbeit aufgenommen, zunächst in den Räumen des jeweiligen Ambulanzzentrums, mittlerweile in eigens dafür hergerichteten Räumen an beiden Standorten.

Förderung durch das Land

Ziel der Projektförderung durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein ist die nachhaltige Sicherstellung der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung in Schleswig-Holstein lebender und psychisch schwer erkrankter Flüchtlinge.

Interview

Dr. Sibylle Wilms leitet das ZIP – Ambulanzzentrum Kiel. Sie ist Psychologin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und arbeitet seit 16 Jahren beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Zum Interview

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