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Selbsthilfe

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Selbsthilfe

Ein Moment kann das ganze Leben verändern. Der Tod eines Familienangehörigen. Das Wort "inoperabel". Der Moment, in dem er zum ersten Mal zuschlägt oder der Moment, in dem die Angst die Kontrolle über das Leben übernimmt, bis am Ende nichts mehr davon übrig ist.

„Mit anderen Betroffenen über eine Krankheit, einen Schicksalsschlag oder einfach über Ängste zu sprechen, ist ein guter Weg, sich diesen Herausforderungen zu stellen und Emotionen, Traumata und Überforderung entgegenzuwirken“, erklärt Freya Körner, Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im Lübecker Gesundheitsamt (KISS).

„Geteiltes Leid ist halbes Leid – dies ist zwar eine oft benutzte Floskel, aber sie entspricht der Wahrheit“, weiß die Expertin. Versuchen Betroffene ihre Probleme ausschließlich alleine mit sich auszumachen, drohen viele in einen Strudel abwärts zu geraten, aus dem sie sich selber nicht mehr befreien könnten. „Das gemeinschaftliche und offene Gespräch verhilft zu neuen Perspektiven, gibt Orientierung und knüpft soziale Kontakte zu Menschen in der gleichen Lebenssituation“, schildert Körner.

Themenvielfalt und viel Bedarf

Laut NAKOS, der nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, hat sich die Zahl der Selbsthilfegruppen in Deutschland in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Heute gibt es etwa 70.000 bis 100.000 Gruppen, die sich mit insgesamt rund 1.000 unterschiedlichen Themen beschäftigen. Alleine die Broschüre „Hilf Dir selbst - Selbsthilfegruppen in Lübeck“ der KISS listet für die Hansestadt 225 Selbsthilfegruppen in 33 Themenbereichen von ADHS über Gewalt bis Wochenbettdepression auf.

Bundesweit beschäftigen sich durchschnittlich zwei Drittel bis drei Viertel der Selbsthilfegruppen mit Themenschwerpunkten in den Bereichen Erkrankung und Behinderung. Der andere Teil der Selbsthilfegruppen betätigt sich in der sozialen Selbsthilfe, dazu zählen Themen wie Arbeitslosigkeit, Leben im Alter oder auch Gewalt und Mobbing. Egal um welchen Bereich und um welches Thema sich die Gespräche in einer Gruppe drehen, die Motivation der Teilnehmer ist die Gleiche: Das eigene Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen und selbst tätig zu werden. Hinzu kommt der Gemeinschaftsgedanke von Selbsthilfe. „Oft übernehmen heute Selbsthilfegruppen die Funktion, die früher eine Großfamilie abdeckte“, erklärt KISS-Expertin Körner. „Früher wohnten drei Generationen unter einem Dach und konnten sich gegenseitig unterstützen. Solche Lebensmodelle sind heute eher die Ausnahme.“ So wäre sogar ein Tauschring eine Art von Selbsthilfe. Bei Tauschringen bringt man seine Talente in die Gemeinschaft ein und erhält später eine Leistung im Tausch dafür zurück. „Neben der geleisteten Hilfe untereinander an sich, haben solche Gruppen auch immer eine soziale Funktion.“

Vier Personen die Nordic Walking machen.Der Lauftreff - auch eine Form der Selbsthilfe. Sport bringt soziale Kontakte. © Alexander Rochau / Fotolia.com

Netzwerken in der Gruppe

Selbsthilfegruppen werden nicht von professionellen Therapeuten geleitet, sondern in der Regel von Ehrenamtlichen, die meistens selbst betroffen sind. Dabei helfen die Gruppen dem Einzelnen aus der Isolation. In den Gesprächen können Erfahrungen und Wissen geteilt werden, was die Bereitschaft Hilfe anzunehmen fördern kann. Die Arbeit in der Gruppe dient auch der Vorbereitung auf kommende Herausforderungen zum Beispiel eine Chemotherapie. Gruppenteilnehmer können sich so ein Netzwerk schaffen, von dessen Erfahrungen sie profitieren oder in dem sie sich gegenseitig unterstützen.

Hilfe auch für Angehörige

Selbsthilfeangebote im Gesundheitsbereich gibt es nicht nur für von einer Krankheit direkt Betroffene, sondern auch für deren Angehörige. Auch „für Angehörige verändert sich das Leben dramatisch, nicht nur für den, der eine schlechte Diagnose erhält. Auch die Familie muss mit dieser Lebensveränderung zurechtkommen und sich vorbereiten oder Erlebnisse verarbeiten“, so Freya Körner von KISS. Die Angehörigen können sich durch Selbsthilfegruppen ebenso ein Netzwerk schaffen, das sie unterstützt.

Freya Körner, Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im Gesundheitsamt (KISS) in Lübeck.
© Privat

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