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Institut für Rettungs- und Notfallmedizin: Gute Vorbereitung für beherztes Eingreifen

Staatskanzlei

Institut für Rettungs- und Notfallmedizin: Gute Vorbereitung für beherztes Eingreifen

Täglich geraten in Deutschland bis zu 250 Menschen in Lebensgefahr, weil plötzlich ihr Herz versagt und der Blutkreislauf zum Erliegen kommt. Schnelle Hilfe kann ihr Leben retten. Dies gilt sowohl im Krankenhaus als auch an jedem anderen Ort. Das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein bereitet jedes Jahr Tausende von Mitarbeitern des UKSH auf solche Situationen vor.

Eine Gruppe junger Menschen übt die Wiederbelebung an einer Übungspuppe. © UKSH

Was tun, wenn außerhalb der Klinik ein Mensch ohne Vorwarnung zusammenbricht? Auch Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die von Berufs wegen in der Lage sein sollten, in Notfallsituationen einzugreifen, sind meist überfordert, wenn sie außerhalb der gewohnten Umgebung arbeiten. Und wie trifft man dann als Arzt oder Ärztin, Krankenschwester oder Pfleger im stressigen Moment die richtigen Entscheidungen zur Ersten Hilfe? Diese Fragen beschäftigten Professor Jan-Thorsten Gräsner schon sehr lange, er ist „Ärztlicher Leiter Notfall Medizin“ am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel. Im Oktober 2015 wurde am UKSH auf  Initiative des Vorstandes hin das „Institut für Rettungs- und Notfallmedizin“ (IRuN) gegründet, um notfallmedizinische Kompetenz an einer Stelle zu bündeln.

„Unsere Idee war, das Personal des UKSH sowohl für innerklinische und damit auch für häusliche Notfallsituationen gleichzeitig zu schulen. Die bereits gute Notfallversorgung sollte campusübergreifend einheitlich gestaltet werden, um sie somit zu einer sehr guten Versorgung zu machen“, sagt Gräsner, der heute auch Direktor des Instituts ist. Wichtigste Aufgabe des Instituts ist die notfallmedizinische Aus-, Fort- und Weiterbildung des gesamten UKSH-Personals an den beiden Standorten Kiel und Lübeck. Dabei geht es zum einen um die praktischen Übungen zur Reanimation, aber auch um eine gute psychologische Vorbereitung der Mitarbeiter, die unter Zeitdruck richtig reagieren müssen. „Wer gut vorbereitet ist, traut sich auch zu, beherzt einzugreifen, wenn es notwendig ist“, sagt Gräsner.

Basis-Notfalltraining für medizinisches Pflegepersonal

Für das pflegerische und ärztliche Personal des UKSH wurde das interne Schulungskonzept „Basisnotfallversorgung“ entwickelt. Es ist praktisch, pädagogisch durchdacht und basiert auf den „internationalen Empfehlungen zur Reanimation und innerklinischen Notfallversorgung“, denen sich die meisten deutschen Kliniken anschließen. Die Kursteilnehmer lernen auch, drohenden Herz-Kreislauf-Stillstand frühzeitig zu erkennen und dann entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Sie stabilisieren „den kritisch kranken Patienten“ in den wichtigen ersten Minuten und beginnen, wenn nötig, mit der Herz-Lungen-Reanimation oder setzen zum Beispiel auch den Defibrillator ein.

Jede Woche finden an allen Standorten mindestens vier Kurse statt. Mehr als 6.500 Mitarbeiter des UKSH haben allein 2017 am Basis-Notfalltraining teilgenommen, berichtet Gräsner zufrieden. Rund zwei Stunden dauert solch ein Kurs, mehr als die Hälfte der Zeit konzentriert sich die Schulung auf die praktische Umsetzung der Notfallmaßnahmen, „das Personal des UKSH verfügt ja bereits über die medizinischen Grundlagen“, erklärt Gräsner. Alle zwei Jahre werden die Kenntnisse der Mitarbeiter aufgefrischt und auf den neuesten Stand der Notfallmedizin gebracht.

Nach fast drei Jahren Bestehen des IRuN kann Gräsner eine positive Bilanz ziehen. Die Umsetzung der Notfallmaßnahmen im Klinikalltag hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. „Notfälle passieren zwar immer wieder auf Station, das liegt leider an der Natur der Sache“, sagt der Rettungsmediziner. „Doch die Mitarbeiter, die die Schulung durchlaufen haben, fühlen sich jetzt sehr viel sicherer.“ Die Handlungskompetenz, sofort richtig einzugreifen, wenn ein Notfall eintritt, sei heute immens hoch, sagt Gräsner. Das zeigt auch das Qualitätsmanagement, ein wichtiger Teil des IRuN-Konzeptes: Jeder Teameinsatz im Klinikalltag wird protokolliert, die Daten werden ausgewertet und in das Deutsche Reanimationsregister eingegeben.

Jeder kann Leben retten

Nicht nur die Mitarbeiter des UKSH profitieren von den Kursen des IRuN, das professionelle Schulungsteam kommt auch zu den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort. In enger Zusammenarbeit mit den Kieler Nachrichten (KN) läuft seit November 2016 die Aktion „Leben retten“, bei der kostenlose Notfallschulungen für alle angeboten werden. Die KN sorgt für die Organisation der Rettungskurse mit und berichtet regelmäßig darüber, um noch mehr Bürger darauf aufmerksam zu machen. Die Teams besuchen Bürgerzentren, Vereinsheime, Schulen und Firmen in ganz Schleswig-Holstein, klären auf und geben Kurse.

Profilbild eines Mannes
© Privat

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In Deutschland liegt die Quote von Reanimationen durch Ersthelfer bei nur knapp 40 Prozent, in nördlichen Ländern wie Dänemark, Schweden oder Finnland ist sie doppelt so hoch. „Ich bin zufrieden, wenn wir irgendwann eine ähnlich hohe Laienreanimationsquote erreichen wie in Skandinavien“, sagt Gräsner. Denn noch gucken hierzulande viele Menschen im Notfall weg. Die meisten trauen sich nicht zu, entsprechende Rettungsmaßnahmen zu ergreifen, dabei zählt in vielen Fällen jede Minute.

Auf seine neueste Initiative ist Professor Gräsner besonders stolz: „Das UKSH hat 250 Basis-Rettungsrucksäcke gekauft und in den Gebäuden auf dem Klinikgelände verteilt. Alle sind gleich ausgestattet, jeder Mitarbeiter weiß sofort, welche Rettungsmittel sich wo befinden.“ Auch das spart wertvolle Zeit am Notfallort.

Jan-Thorsten Gräsner ist der Direktor des campusübergreifenden IRuN und Ärztlicher Leiter Notfall Medizin Universitätsklinikum Schleswig Holstein am Campus Kiel.

Zur Webseite des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin

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