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„Spektakuläre Durchbrüche für die Patienten“

Staatskanzlei

„Spektakuläre Durchbrüche für die Patienten“

Professor Dr. Axel Hauschild ist der Leiter des Schwerpunktbereichs Dermato-Onkologie und Operative Onkologie an der Hautklinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Erforschung von Hauttumoren wurde er bereits mit dem Deutschen Hautkrebspreis sowie dem Deutschen Krebspreis ausgezeichnet.

Professor Hauschild, Sie haben sich nach Ihrem Studium der Humanmedizin für das Themengebiet der Hauterkrankungen entschieden. Was war und ist Ihre Motivation?

Eigentlich war es zunächst Zufall, dass ich mich für die Dermatologie entschieden habe. In meinem Medizinstudium arbeitete ich als Krankenpflegehelfer in der Ambulanz der Hautklinik in Kiel und es brachte mir viel Spaß. Die Dermatologie ist ein sehr vielseitiges und darum sehr interessantes Fach. Konservative und operative Versorgung wechselt sich mit innovativen Behandlungsmethoden ab, was zu einer interdisziplinären Arbeitsweise im Fachgebiet führt. Das gilt auch für die Behandlung von Hautkrebs – zu diesem Thema habe ich übrigens dann auch meine Doktorarbeit verfasst.

Warum haben Sie sich auf das Thema Hautkrebs spezialisiert?

Ich wollte mich mit Erkrankungen beschäftigen, die relevant und bedeutend sind. Das ist beim Hautkrebs der Fall, denn es ist die einzige wirklich lebensbedrohliche Hauterkrankung. Ärzte und Pfleger müssen interdisziplinär zusammenarbeiten, um die besten Entscheidungen für die Patienten zu treffen. In diesem Bereich sehe ich den größten Nutzen, denn die Heilungsaussichten von Hautkrebs sind sehr gut.

Schleswig-Holstein war Modellregion für die Reihenuntersuchung auf Hautkrebs, das Hautkrebsscreening. Dieses Screening ist nun Regelleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung. In welcher Form waren Sie daran beteiligt?

Ich war zu dem Zeitpunkt, 2003/2004, als Ausbilder bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein tätig. Außerdem war ich von 2002 bis 2010 Erster Vorsitzender der Deutschen Hautkrebsgesellschaft und habe in dieser Funktion die Reihenuntersuchung von Schleswig-Holstein aus als Ko-Antragsteller mit auf den Weg in ganz Deutschland gebracht.

Welche Ergebnisse konnten mit der Untersuchung in Schleswig-Holstein erzielt werden?

In der Zeit von 2003 bis 2004 wurden ca. 370.000 Schleswig-Holsteiner auf Hautkrebs untersucht. Wir konnten dabei 560 Melanome und rund 2.000 andere Arten von Hautkrebs frühzeitig entdecken. Die Relevanz der Untersuchungen war der Aufhänger dafür, dass das Hautkrebsscreening zur Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung geworden ist. Das Untersuchungskonzept mit dem Ursprung in Schleswig-Holstein kann weltweit erfolgreich werden. Kürzlich war ich auf Konferenzen in den USA und in Frankreich – auch dort wurde Schleswig-Holstein als Ausgangspunkt erwähnt. Außerdem untersuchen Kollegen gerade, ob das Screening die Mortalität senken kann. Das wäre ein großartiges Ergebnis, das weltweit weitere Kreise ziehen würde. Darum bezeichne ich die Reihenuntersuchungen in Schleswig-Holstein gern auch als ein weltweites Leuchtturmprojekt.

Wie läuft eine solche Untersuchung ab?

Der Hautarzt oder Hausarzt führt eine Ganzkörperuntersuchung durch. Dabei wird der Patient ohne Unterwäsche angeschaut, damit der Arzt auch Stellen am Körper begutachten kann, die sonst nicht sichtbar sind. Hautkrebs kann natürlich auch an Stellen entstehen, die nicht der Sonne ausgesetzt werden.

Wie wurde die Untersuchung als Regelleistung der Kassen bisher von den Patienten in Deutschland angenommen?

Es wurde sehr gut angenommen. Bisher wurden bereits etwa 13 Millionen gesetzlich Krankenversicherte gescreent. Die Altersgrenze wurde mittlerweile bei fast allen Krankenkassen von 35 auf 20 Jahre herabgesetzt, sodass auch die nicht selten in diesem Alter betroffenen Frauen mit in die Untersuchung eingeschlossen werden und nun alle zwei Jahre einen Anspruch darauf haben.

Sie haben den Deutschen Krebspreis für herausragende Leistungen im Bereich der Erforschung von Hauttumoren erhalten. Welche wichtigen Erkenntnisse haben Sie dabei gewonnen und wie können Sie diese in der Praxis nutzen?

In erster Linie wurde ich für den Erfolg unserer klinischen Studien und die internationale Vernetzung der deutschen Kliniken ausgezeichnet. Mitgeholfen haben wir bei der Entwicklung von neuen Therapeutika mit der Pharmaindustrie. Das erfolgreiche Resultat dieser Studien sind – nach 25 Jahren voll Frustrationen – zwei neue Präparate, die metastasierende Melanome bekämpfen und in Zukunft auch in früheren Tumorstadien verwendet werden sollen. Das sind spektakuläre Durchbrüche, von denen viele Patienten direkt profitieren.

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