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Themenfelder

Staatskanzlei

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Gender Mainstreaming ist die Grundlage dafür, dass im Bildungswesen, bei der Berufswahl und bei der Qualifizierung in allen Lebensphasen der Menschen alle Aspekte berücksichtigt werden, die mit dem Geschlecht verknüpft sind.

Bildung, Berufswahl, Existenzgründung

Zu den wichtigsten staatlichen Aufgaben gehört es, gleiche Bildungschancen zu schaffen - unter anderem unabhängig vom Geschlecht. Die folgenden drei Beispiele illustrieren den Nutzen von Gender Mainstreaming in diesen Themenfeldern.

Grundlagen schaffen: Kindertageseinrichtungen als Lernorte

Für Kinder ist es im Hinblick auf die Entwicklung ihrer Identität und das Erlernen sozialer Kompetenzen von entscheidender Bedeutung, dass sie das menschliche Verhaltensrepertoire kennen lernen und im Kontakt mit anderen erproben können. Sie brauchen während ihrer gesamten Entwicklung insbesondere auch Raum, um ein individuelles Geschlechterbewusstsein zu entwickeln, sowie soziale Beziehungen zu Frauen und Männern zu erleben und aufzubauen. Dies gilt in besonderem Maße, wenn Geschlechterrollen an Eindeutigkeit und damit sozialer Verbindlichkeit eingebüßt haben, sich andererseits nach wie vor aber deutlich unterscheiden und mit Wertungen verknüpft sind, die dem Ziel tatsächlich gelebter Chancengleichheit entgegenstehen. Von dieser Bedeutung der Gender-Dimension beim Aufwachsen von Kindern muss - im Rahmen eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses - insbesondere das Handeln pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen geleitet sein, weil hier die Grundlagen für alle nachfolgenden Lernprozesse gelegt werden. Die von der Landesregierung herausgegebenen "Leitlinien zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen" definieren darum Genderbewusstsein als eine Querschnittsdimension von Bildung in Kindertageseinrichtungen. Sie zeigen auf, dass sich die Pädagoginnen und Pädagogen von der Vorstellung vorgegebener (und damit zu erlernender) Rollenmuster lösen müssen. Stattdessen wird das einzelne Kind mit seinen Entwicklungsmöglichkeiten zum Bezugspunkt für das pädagogische Handeln. Vielfalt wird als Ausdruck dieser individuellen Ressourcen wahrgenommen, deren Entwicklung es zu unterstützen gilt.

Entscheidungshilfen geben: Am Übergang von der Schule in den Beruf

Auch in Schulen ist Sensibilität für geschlechterspezifische Unterschiede wichtig, um Kinder und Jugendliche optimal zu fördern. Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe an Haupt- und Förderschulen in Schleswig-Holstein sind Zielgruppe einer Potenzialanalyse. Dieses Verfahren ("Herforder Modell") soll schrittweise in Schleswig-Holstein eingeführt werden. Als Teil des Berufswahlpasses unterstützt es den Berufswahlprozess. Mit der Potenzialanalyse wird das Ziel verfolgt, Stärken der jeweiligen Schülerin und des jeweiligen Schülers im Bereich der Methoden-, der Sozial- und Kommunikations- sowie der Selbstkompetenz möglichst genau zu erfassen. Hierzu werden die Jugendlichen im Rahmen eines dreitägigen Seminars in unterschiedlichen Situationen von geschulten (externen) Fachkräften beobachtet. Die beobachteten Stärken werden in einem Assessmentbericht zusammengestellt. Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen ist es wichtig, geschlechtsspezifische Unterschiede wahrzunehmen und sie bei der Darstellung der Stärken einfließen zu lassen. Um dies durchgängig zu gewährleisten, hat das Bildungsministerium entschieden, in die Vorbereitung der Beobachterinnen und Beobachter auf ihre Tätigkeit auch einen Baustein zur Bedeutung von Gender zu integrieren. Diese Bedeutung wird im Zusammenhang mit den Beobachtungskriterien zunächst theoretisch vermittelt. Anschließend wird sie im Rahmen einer praktischen Übung als Beobachtungssituation veranschaulicht, indem auch auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Kommunikation von Mädchen und Jungen eingegangen wird.

Ressourcen aktivieren: Existenzgründungen und Gender Mainstreaming

Für eine steigende Anzahl von Menschen stellt eine Existenzgründung eine realistische Alternative zur klassischen Berufstätigkeit dar. Bei Existenzgründungen aus den Hochschulen heraus sind Wissenschaftlerinnen jedoch kaum vertreten. Von 5.300 Studierenden (davon 45 Prozent Studentinnen) an zehn Hochschulen in Schleswig-Holstein haben sich insgesamt nur neun Prozent der Befragten für eine Existenzgründung oder Ausgründung interessiert. Davon waren 75 Prozent Männer. Die Universität zu Lübeck hat deshalb mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Mai 2003 ein Servicezentrum für Existenzgründerinnen aus Lübecker Hochschulen, kurz "deluex" genannt, eröffnet. Um mehr Frauen für eine Existenzgründung zu interessieren und die Zahl der Existenzgründungen insgesamt zu steigern bietet das deluex-Servicezentrum eine auf die Bedürfnisse von Frauen ausgerichtete Beratung und Qualifizierung rund um die Themen der beruflichen Selbstständigkeit. Die Kommunikation über das Thema und ein Erfahrungsaustausch sollen gefördert werden (mehr Informationen im Internet unter: www.deluex.uni-luebeck.de).
Bis zum Sommer 2005 haben insgesamt 140 Wissenschaftlerinnen die Seminare und Beratungen des Zentrums besucht. Davon sind insgesamt sieben Frauen in die Existenzgründung gegangen. Da zunehmend auch Wissenschaftler um Beratung und Teilnahme an den Qualifizierungsseminaren baten, hat sich das Servicezentrum im Sommer 2005 umbenannt in "Servicezentrum für Existenzgründungen aus Lübecker Hochschulen" und sein Tätigkeitsspektrum entsprechend erweitert. Es bietet nun Information und Unterstützung für Frauen und Männer, die eine Existenzgründung erwägen, berücksichtigt dabei geschlechterspezifische Fragestellungen und organisiert Seminarangebote, die den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung getragen, auch durch Veranstaltungen, die sich ausschließlich an Frauen wenden.

Themenfeld: Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Immer weniger Frauen und Männer zahlen Beiträge in unser Sozialversicherungssystem, während die Zahl älterer Leistungsempfängerinnen und -empfänger steigt. Dies ist eine zentrale sozialpolitische Herausforderung unserer Zeit. Hintergrund der Entwicklung ist der demografische Wandel: Seit Mitte der sechziger Jahre sinken die Geburtenzahlen in Deutschland. Deshalb ist es notwendig, Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass künftig wieder mehr Frauen und Männer eine Entscheidung für Kinder treffen und es für Frauen mit Kindern zugleich möglich ist, ihre Berufstätigkeit fortzuführen.
Zu den Faktoren, die eine Entscheidung für oder gegen Kinder beeinflussen, gehört die Frage wie Familie und Beruf miteinander vereinbart werden können. Eine genderdifferenzierte Analyse des Themas zeigt, dass zum Beispiel ein unzureichendes Betreuungsangebot für Kinder vor Ort dazu führt, dass sich Frauen häufig zugunsten einer beruflichen Karriere gegen Kinder entscheiden. Daneben wirken sich aber auch traditionelle Rollenzuschreibungen zu Lasten von Frauen und Männern unterschiedlich aus: Frauen werden eher aus dem Erwerbsleben gedrängt, verzichten auf berufliches Fortkommen und leisten Kinderbetreuung, während den Männern - entsprechend dem tradierten Modell des "Familienernährers" - die Berufstätigkeit überlassen und eine Beteiligung an der Erziehung der Kinder eher vernachlässigt wird.
Ziel der Landesregierung ist es, diesen Trend zu stoppen. Eine Entscheidung für Kinder soll erleichtert werden - durch eine Überwindung des "entweder" (Familie) - "oder" (Beruf). Die Landesregierung unterstützt daher Aktivitäten und Initiativen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um Frauen und Männern eine Berufstätigkeit auch nach der Familiengründung zu erleichtern. Ziel ist es, Erziehung und Betreuung von Kindern partnerschaftlich zu bewältigen, und so die Gleichstellung der Geschlechter zu stärken.

Themenfeld: Personalentwicklung

In Organisationen spiegeln sich Geschlechterverhältnisse wider. Der Einfluss von Gender findet sich in der Organisationsgeschichte, in der Organisationskultur, in offenen und versteckten Normen. Eine mit technischen Aufgaben befasste Organisation etwa ist vielfach von einer männlich orientierten Kultur geprägt, ihre Strukturen und Regeln spiegeln den dominierenden Einfluss von Männern wieder. In einer vorschulischen Kindertageseinrichtung dagegen nehmen meist von Frauen beeinflusste Rahmenbedingungen Gestalt an. Auch innerhalb von Organisationen spiegeln sich die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägte und erlernte Geschlechtsrollen. Sie prägen die Zusammenarbeit von Frauen und Männern und wirken sich auf Tätigkeitsbilder und Karrierechancen aus. Gender Mainstreaming legt diese Zusammenhänge in der jeweiligen Organisation offen und hinterfragt insbesondere die Personalentwicklung im Hinblick auf das Ziel der Gleichberechtigung der Geschlechter.
Aufgrund der unbefriedigenden Anzahl von Bewerbungen auf Schulleitungsposten wurden die von den Schulämtern (jetzt vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen IQSH) angebotenen Trainingsgruppen zur Übernahme von Führungsaufgaben (TÜF) genauer analysiert. Unter anderem wurde überprüft, ob sie männliche und weibliche Lehrkräfte in gleicher Weise ansprechen. Die im Kreis Herzogtum Lauenburg exemplarisch angewendete Vier-Schritte-Methode zeigte, dass Frauen mit 71 Prozent dort den größten Anteil an den Lehrkräften an Schulen stellen, in Schulleitungspositionen aber mit 23 Prozent deutlich unterrepräsentiert waren. Die Untersuchung der Ursachen ergab, dass Frauen im Laufe ihrer beruflichen Entwicklung deutlich weniger zur Übernahme einer Führungsaufgabe ermutigt werden. Hinzu kommt, dass unter Führungskompetenzen vielfach Fähigkeiten definiert sind, die überwiegend Männern zugeschrieben werden. Nicht zuletzt erscheint vielen Frauen die Übernahme von Führungsaufgaben mit einer Teilzeitbeschäftigung nicht vereinbar. Im Ergebnis wurde das TÜF-Verfahren weiterentwickelt, unter anderem durch eine gemeinsame Leitung der Trainingsgruppen durch eine Frau und einen Mann, sowie durch Integration von Bausteinen in die einzelnen Module, die Frauen besonders ansprechen (zum Beispiel zur Reflexion männlich oder weiblich konnotierten Verhaltens). Die Anwendung von Gender Mainstreaming hat konzeptionelle Defizite deutlich gemacht und gewährleistet, dass künftig Frauen verstärkt zur Übernahme von Führungspositionen gewonnen werden können. Für die Schulen ergibt sich neben einer Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern durch die Anwendung von Gender Mainstreaming auch eine größere Zahl qualifizierter Bewerbungen für Leitungsposten. Inzwischen sind die TÜF-Kurse Teil der Angebote zur Führungskräftequalifizierung des IQSH und damit des Gender Mainstreaming-Prozesses im Bereich Personalentwicklung.
Qualifizierte Referentinnen und Referenten sind ein Schlüsselfaktor für nachhaltigen Erfolg bei der Realisierung von Gender Mainstreaming. Voraussetzung ist, dass sie sowohl auf dem Gebiet des Gender Mainstreaming als auch im jeweiligen Fachgebiet kompetent sind und zugleich Verwaltungskenntnisse haben. Die Dozentinnen und Dozenten an der FHVD bilden daher den Kern einer Gruppe kompetenter Fachleute, die für Schulungsmaßnahmen und Prozessbegleitung in der Landesverwaltung zur Verfügung stehen. Zu diesem "Kompetenzpool" gehören auch die für die Modellprojekte in einzelnen Ressorts Verantwortlichen sowie die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und die Expertinnen und Experten des Ministeriums für Bildung und Frauen.

Themenfeld: Kultur, Medien, Gender

Auch Kultur spiegelt das gesellschaftliche Verständnis von Weiblichkeit und Männlichkeit wider. Alle Bereiche der Kunst und Kultur (bildende Künste, darstellende Künste, Musik, Literatur, Gestaltung, Kunstprojekte und wissenschaftliche Arbeiten aller Disziplinen) setzen sich aktiv mit Geschlechterfragen auseinander und reflektieren den gesellschaftlichen Diskurs zu diesem Thema. Angebote der Kunst und Kultur werden von Frauen und Männern unterschiedlich ihren Bedürfnissen entsprechend in Anspruch genommen. Gender Mainstreaming wird daher entsprechend dem Rahmenkonzept der Landesregierung als Querschnittsaspekt bei der Planung, Umsetzung und Bewertung kulturpolitischer Maßnahmen berücksichtigt.
So ist bei einer Weiterentwicklung leistungsbezogener Komponenten zu berücksichtigen, welche unterschiedlichen Bedarfe von Frauen und Männern gegeben sind, zum Beispiel bei ihrer Freizeitgestaltung. Sie im Blick zu haben und bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen zu beachten (Erreichbarkeit von Angeboten, Zielgruppenorientierung, Präsenz des Themas Geschlechterverhältnis im kulturellen Gesamtangebot), gewährleistet kulturelle Teilhabe für Frauen und für Männer. Geschlechterspezifische Bedarfe müssen mit den Angebotsstrukturen auf kommunaler und auf Landesebene und mit der Verteilung von Fördermitteln in Einklang gebracht werden. Bei der Mittelverteilung muss beachtet werden, inwieweit Künstlerinnen und Künstler, differenziert nach Kunstsparten, von ihnen profitieren.
Ein für Genderfragen sensibler Blick ist gerade im Kulturmanagement erforderlich, zum Beispiel bei Entscheidungen über die Verwendung von Fördermitteln, bei der Vergabe von Preisen oder der Ausrichtung des Programms. Er reicht von der möglichst geschlechterparitätischen Zusammensetzung von Jurys und Gremien bis zur Beachtung der Interessen von Frauen und Männern bei der Gestaltung von Angeboten. Zielvereinbarungen und eine Evaluierung von Projekten können als ein Qualitätskriterium beinhalten, ob ein Vorhaben oder künstlerisches Programm einen aktiven Beitrag zur gesellschaftliche Diskussion um ein zeitgemäßes Verständnis von Geschlechterrollen leistet. Eine solche Berücksichtigung von Gender Mainstreaming ist Ausdruck professionellen Managements.

Zum Thema

Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung