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Schiffsbrandbekämpfung

Staatskanzlei

Schiffsbrandbekämpfung

Bei der Havarie der »Pallas« im Oktober 1998 waren Abstimmungs- und Koordinationsmängel offen zu Tage getreten. Durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) wurde am 10. Februar 1999 eine unabhängige Expertenkommission unter der Leitung des Bremer Senators a. D. Claus Grobecker eingesetzt. Sie erhielt den Auftrag, unter Auswertung der Havarie der "Pallas" eine umfassende Bewertung des bisherigen Notfallkonzepts vorzunehmen und zu dessen Weiterentwicklung Vorschläge zu unterbreiten. Eine Empfehlung war die Errichtung eines Havariekommandos (HK). Träger dieser Einrichtung sind der Bund und die Küstenländer (Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein).

Zum Aufbau und zur Durchführung des gemeinsamen Unfallmanagements auf Nord- und Ostsee nahm das HK mit Sitz in Cuxhaven seinen Betrieb am 1. Januar 2003 auf.

Das HK bündelt die Verantwortung für die Planung, die Vorbereitung, die Übung und die Durchführung von Maßnahmen zur Menschenrettung, zur Schadstoffunfallbekämpfung, zur Brandbekämpfung, zur Hilfeleistung sowie zur gefahrenabwehrbezogenen Bergung und einer zentralen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei komplexen Schadenlagen auf See.

Eine komplexe Schadenlage auf See liegt vor, wenn eine Vielzahl von Menschenleben, die Umwelt, Sachgüter von bedeutendem Wert oder die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs gefährdet sind und zur Beseitigung dieser Gefahrenlage die Mittel und Kräfte des täglichen Dienstes nicht ausreichen oder eine einheitliche Führung mehrerer Aufgabenträger erforderlich ist.

Das Havariekommando gliedert sich in 4 Fachbereiche

Der Fachbereich 1 ist das ständig besetzte Maritime Lagezentrum (MLZ)  Hier wird ständig ein aktuelles, maritimes Lagebild vom deutschen Hoheitsgebiet in Nord- und Ostsee erstellt, wobei auch Mitteilungen der Nord- und Ostseeanrainerstaaten einfließen. Dabei werden alle Informationen über Umstände, die für die Bekämpfung einer komplexen Schadenlage erheblich sein können, gesammelt, bewertet und gesteuert sowie erforderlichenfalls Alarmierungen ausgelöst und Sofortmaßnahmen eingeleitet.

Der Fachbereich 2 - Schiffs- und Schadstoffunfallbekämpfung See - ist zur Schadstoffunfallbekämpfung, für die Luftraumüberwachung, nautische Angelegenheiten und Bergungs- und Notschlepplagen im Rahmen der seeseitigen Bekämpfung von Meeresverschmutzungen zuständig.

Der Fachbereiches 3 - Schadstoffunfallbekämpfung Küste - ist zuständig für die Abwehr von Schadstoffunfällen an Ufern und Stränden, Häfen und Flüssen, für die Umwelt allgemein sowie für die Einsatzbereitschaft der Schiffe und Geräte.                           

Die Konzepte und Aufgaben des Fachbereiches 4 - Brandbekämpfung /  Verletztenversorgung - werden für die Brandbekämpfung in diesem Beitrag noch genauer erläutert. Die Aufgabe Verletztenversorgung für Schleswig-Holstein ist im Sozialministerium angesiedelt.

Beteiligte Organisationen in der Schiffsbrandbekämpfung

Karte der Brandbekämpfungseinheiten See Brandbekämpfungseinheiten See (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

Da weder der Bund noch die Küstenländer zur Aufgabenwahrnehmung  der Brandbekämpfung in komplexen Schadenfällen auf See eigene Einsatzkräfte vorhalten, wurden vorrangig Berufsfeuerwehren an den Küsten gewählt, die landseitig sowohl Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung als auch den Rettungsdienst ausüben. Einige Freiwillige Feuerwehren mit hauptberuflichen Wachbereitschaften oder hauptamtlichen Kräften nehmen diese Aufgabe ebenfalls wahr.

In Schleswig-Holstein sind dies die Berufsfeuerwehren Kiel, Flensburg und Lübeck sowie die Freiwillige Feuerwehr Brunsbüttel.

Jede der oben angeführten Feuerwehren in Schleswig-Holstein stellt eine ständig einsatzbereite Gruppe von 10 Feuerwehrleuten (1/1/8/10),die sich aus einem Einsatzleiter, einem Gruppenführer und 8 Einsatzkräften zusammensetzt.

Ausbildung für die Schiffsbrandbekämpfungseinheiten

Sie erfolgt durch die Feuerwehren selbst und durch zentrale Lehrgänge. Für diese Lehrgänge bedient sich das HK der Ausbildungseinrichtungen der Marine in Neustadt / Holstein und in Nordholz.

Hier erfolgt die zusätzliche Ausbildung für die Brandbekämpfung auf See. Die erworbenen Kenntnisse sollen vor allem helfen, die besonderen Gefahren bei einem Einsatz auf einem Schiff richtig einzuschätzen. Sie gliedert sich in eine Ausbildung für Einsatzkräfte und Einsatzleiter. Die Ausbildungsinhalte sind in Curricula festgelegt, die einvernehmlich mit den beteiligten Feuerwehren, den Küstenländern und dem Bund unter der Federführung des HK erstellt wurden.

Übung: Unterwasserausstieg aus einem notgewasserten und durchgekenterten Hubschrauber Übung Wasser (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Übung: Unterwasserausstieg aus einem notgewasserten und durchgekenterten Hubschrauber

Das Curriculum für die Einsatzkräfte sieht im wesentlichen folgende Ausbildungsinhalte vor:

  • Grundkenntnisse der unterschiedlichen Schiffstypen;
  • Kenntnisse über die Besonderheiten der verschiedenen Ladungen;
  • Kenntnisse der seemännischen und schiffstechnischen Fachausdrücke;
  • Grundkenntnisse der Besatzungsstrukturen und der Betriebsabläufe an Bord;
  • Kenntnisse im Notfallmanagement an Bord;
  • Kenntnisse der vorhandenen Rettungsmittel, Feuerlöschanlagen etc. an Bord von Seeschiffen;
  • Grundkenntnisse der verschiedenen Gesetze, Vorschriften und Richtlinien an Bord;
  • praktische Schiffsbrandbekämpfung;
  • Seegewöhnungsübungen.
  • Überleben auf See

Abwinschen einer Person von Marinehubschrauber vom Typ Seaking zu einem Seenotkreuzer Abwinschen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Abwinschen einer Person

Überleben auf See

Die Ausbildung in Überleben auf See wird von allen Einsatzkräften, die für Einsätze auf See vorgesehen sind, durchlaufen. Zu der Ausbildung gehören:

Aufwinschen einer Person von einem Seenotkreuzer zu einem Marinehubschrauber vom Typ Seaking Aufwinschen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Aufwinschen einer Person

Theorie: Einweisung in Rettungsweste, Rettungsinseln, Winsch- und Bergeverfahren sowie Notsignalmittel;
Praxis: Wassergewöhnungsübungen, Sprung mit aktivierter Rettungsweste vom Turm, Streckenschwimmen mit aktivierter Rettungsweste, Winschen aus dem Wasser, Aufrichten einer auf dem Dach liegenden Rettungsinsel, Einsteigen in eine Rettungsinsel mit anschließendem Aufwinschen, Unterwasserausstieg aus einem notgewasserten und durchgekenterten Hubschrauber.

Dazu gehört auch ein Lehrgang für das Hubschraubertraining . In diesem Lehrgang liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz mit Hubschraubern als Transportmittel über See und dem sicheren Auf- und Abwinschen von Mannschaft und Gerät.

Übungen

Die Feuerwehren und das HK führen laufend Übungen durch. Das Ausbildungskonzept sieht vor, dass die Feuerwehren gemeinsame Übungen mit Schiffen und Hubschraubern durchführen, die für sie im Einsatzfall als Transportmittel infrage kommen.

Ausrüstung für Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung

Für die Aufgabenwahrnehmung sind spezielle Ausrüstungen beschafft worden. Hierbei haben sich die Feuerwehren auf eine möglichst einheitliche Ausstattung geeinigt. Notwendig ist dies durch die Zwänge, gegebenenfalls gemeinsam vorzugehen sowie einen Lufttransport durchführen zu müssen. Außerdem wird dadurch ein einheitlicher Standard bei der Bewältigung von Einsätzen gewährleistet. Im Einzelfall spricht das HK auch konkrete Empfehlungen für die Feuerwehren aus. Die Beschaffung der Ausrüstung der Feuerwehren erfolgt grundsätzlich durch die Länder mit den Feuerwehren. Die Ausrüstung für die Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung ist in einem Abrollbehälter verlastet. Der Abrollbehälter wird an Land mit einem Wechselladerfahrzeug transportiert. Im Abrollbehälter ist die Ausrüstung in Gitterboxen verlastet, welche einzeln aus dem Abrollbehälter entnommen werden können. Einige Gitterboxen sind zunächst leer und können im Einsatzfall entsprechend der Lage befüllt werden.

Verlastung der Brandbekämpfungsausrüstung auf See Container (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Verlastung der Brandbekämpfungsausrüstung auf See

Ist ein Lufttransport vorgesehen, so begrenzt die Tragfähigkeit des Hubschraubers die Ausrüstung, die mitgeführt werden kann. Für diesen Fall wurde eine gesonderte Kombination von Ausrüstungsgegenständen zusammengestellt, die einen Brandbekämpfungsersteinsatz durch fünf Einsatzkräfte ermöglicht.

Sie ist in einem Lastennetz verpackt. Eine Ausrüstung enthält im Wesentlichen:

  • Druckschläuche;
  • Strahlrohre;
  • Leinen;
  • Langzeitatemschutzgeräte;
  • Fluchthauben;
  • Handscheinwerfer;
  • BOS--Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben- und Seefunkgeräte;
  • Wärmebildkamera;
  • Explosionsgrenzen-Messgerät.
  • Alarmierung

Gewässerschutzschiff "Scharhörn" Scharhörn (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Gewässerschutzschiff 'Scharhörn'

Eine Alarmierung zu einem Einsatz in der Brandbekämpfung oder der Verletztenversorgung auf See enthält mindestens folgende Punkte:

  • Einheit;
  • Auftrag;
  • gegebenenfalls Mittel, wenn spezielle Ausrüstungsgegenstände gebraucht werden;
  • Ablandeort, an dem sich die Einsatzkräfte mit ihrem Transportmedium treffen;
  • Transportmedium (Wasserfahrzeug, Luftfahrzeug).
  • Wasserfahrzeuge

Feuerlöschboot Feuerlöschboot (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Feuerlöschboot

Bei den Wasserfahrzeugen, die für einen Transport von Einsatzkräften zum Havaristen zur Verfügung stehen, kommen insbesondere folgende Fahrzeuge in Frage:

  • Fahrzeuge der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (Schadstoffunfallbekämpfungsschiffe, Tonnenleger und andere);
  • Feuerlöschboote;
  • Fahrzeuge des Zolls;
  • Fahrzeuge der Bundespolizei;
  • Fahrzeuge des Fischereischutzes;
  • Fahrzeuge der Wasserschutzpolizeien der Länder;
  • Fahrzeuge der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger;
  • Schlepper;
  • sonstige Fahrzeuge (Zubringerfähren etc.--etcetera)

Einsatztaktik

Die Einsatztaktik ist grundsätzlich darauf ausgelegt, dass die Einsatzkräfte und Einheiten, die an Bord eines Havaristen gehen, dort autark arbeiten können müssen. Grundsätzlich sollte die an Bord des Havaristen befindliche Besatzung in alle einsatztaktischen Maßnahmen mit einbezogen werden. Im Vordergrund steht, dass eine Schadenbekämpfung umso erfolgreicher vorgenommen werden kann, je besser es gelingt, den Havaristen in einen sicheren Bereich, das heißt zu einem Notliegeplatz oder einen Hafen, zu verbringen. Grundsätzlich sollte zumindest ein Schiff in der Nähe des Havaristen als sichere Basis für die Einsatzkräfte dienen.

Einsatzleitung

An der Einsatzstelle übernimmt der OSC die Einsatzleitung. Er wird vom HK bestimmt. Je nach Lage empfiehlt es sich in der Regel, einen Inhaber eines nautischen Patents mit der Einsatzleitung vor Ort zu betrauen. Der Einsatzleiter muss entscheiden, welches Fahrzeug (Schiff) sich am besten für die Einrichtung seiner Einsatzleitung vor Ort eignet. Die Einsatzleitung sollte in der Nähe des Havaristen, jedoch in einem sicheren Bereich, eingerichtet werden, eine sichere Plattform darstellen und über notwendige Führungsmittel verfügen. In der Einsatzleitung sollten bei einem Brand bzw. bei Verletzten ein Einsatzleiter der Feuerwehr bzw. ein Leitender Notarzt vertreten sein. Der OSC kann Einsatzabschnitte bilden. Diese Einsatzabschnitte können nach fachlichen (zum Beispiel Einsatzabschnitt Brandbekämpfung, Einsatzabschnitt Verletztenversorgung, Einsatzabschnitt Technische Hilfeleistung) oder räumlichen Kriterien (zum Beispiel Einsatzabschnitt Steuerbordseite, Einsatzabschnitt Backbordseite) gebildet werden. Einsatzabschnitte auf dem Havaristen können von dem Gruppenführer der Brandbekämpfungsgruppe, einem Einsatzleiter der Feuerwehr oder einem Leitenden Notarzt geführt werden.

Grundlage für die Einsatzführung auf See ist die Führungsvorschrift "Führung und Leitung zur Gefahrenabwehr auf See" (DV100 See). Diese Führungsvorschrift wurde, basierend auf der Dienstvorschrift 100 der Polizei, der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes, erarbeitet und abgestimmt.

Fernmeldewesen

Grundsätzlich stehen auf See die verschiedensten Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Seefunk;
  • BOS im Zwei-Meter-Band;
  • BOS im Vier-Meter-Band;
  • Satellitentelefon;
  • öffentlicher Mobilfunk;
  • Telefax;
  • E-Mail.
  • Brandbekämpfung

Für die Einleitung von Brandbekämpfungsmaßnahmen sind sichere Rückzugsmöglichkeiten, Möglichkeiten für die Einrichtung von Einsatzabschnittsführungen und Nachschubstützpunkten erforderlich. Daher wird bei Brandbekämpfungseinsätzen grundsätzlich angestrebt, die Einsatzmaßnahmen von Bord eines Basisschiffs aus, das in der Nähe des Havaristen liegt, durchzuführen. Solche Schiffe verfügen meistens über eine Feuerlöscheinrichtung mit regelbarer Feuerlöschpumpe, Wasserwerfern, genormten Schlauchanschlüssen, ausreichend Ladefläche, Kran und über alle möglichen Fernmeldemittel. Die Tauglichkeit der infrage kommenden Schiffe wird vom HK ermittelt und in den Alarm- und Einsatzplänen festgehalten. Die jeweilige Verfügbarkeit und die Position der Schiffe wird ständig im Maritimen Lagezentrum aktualisiert und dargestellt.

Die Brandbekämpfung auf See unterscheidet sich in einigen Aspekten von der an Land. Zunächst muss das Vordringen der Angriffstrupps zum Brandherd in der Regel von oben nach unten in das Schiffsinnere erfolgen und somit entgegen der natürlichen Ausbreitungsrichtung von Wärme und Rauch, was den Angriff erheblich erschwert und verzögert. Belastend für den Löschangriff sind die engen Niedergänge, Stolperstellen, unübersichtliche Räumlichkeiten sowie Schiffsbewegungen durch Seegang. Des Weiteren ist aufgrund der Verwendung von Stahl als Baustoff, der gute Wärmeleiteigenschaften hat, mit einer beschleunigten Brandausbreitung und einem raschen Versagen tragender Teile zu rechnen.

Die Regel bei der Brandbekämpfung auf See ist überwiegend die Vornahme von Rohren im Innenangriff durch Angriffstrupps unter umluftunabhängigem Atemschutz. Sofern ein Innenangriff nicht mehr möglich ist, muss ein Außenangriff durchgeführt werden. Auch die Kühlung durch große Wassermengen oder ein Schaumeinsatz können sinnvolle Maßnahmen sein. Es ist zu berücksichtigen, dass größere Mengen Löschwasser die Stabilität und die Schwimmfähigkeit eines Havaristen beeinträchtigen können. Deshalb sind die Brandbekämpfungsmaßnahmen gegen andere Maßnahmen sorgfältig abzuwägen.