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Allgemeine Informationen zur Bewährungshilfe

Staatskanzlei

Allgemeine Informationen zur Bewährungshilfe

Was ist Bewährungshilfe?

Bewährungshilfe ist eine Form der ambulanten Straffälligenhilfe, in der der Staat die Mitverantwortung für die Wiedereingliederung straffällig gewordener Personen übernimmt. Sie wird überwiegend von hauptamtlichen Fachkräften, den Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfern ausgeübt. In Ausnahmefällen kann sie auch ehrenamtlich erfolgen.

Welche Aufgaben hat die Bewährungshilfe?

Zu den Aufgaben gehört die Betreuung der Straffälligen. Unter Betreuung sind in diesem Zusammenhang Hilfe und Kontrolle zu verstehen. Hierzu gehört Beratung bei allen die Resozialisierung betreffenden Fragen und Problemen, andererseits aber auch die Überwachung und Kontrolle insbesondere der gerichtlich erteilten Auflagen und Weisungen. Das Gericht wird über den Bewährungsverlauf unterrichtet.

Ein Mann sitzt auf einer Bank vor dem Schild "Bewährungshilfe" Bewährungshelfer unterstützen ihre Klienten bei der Wiedereingliederung. © R.Seeberg / grafikfoto.de

Hilfs- und Betreuungsangebote

Hilfs- und Betreuungsangebote orientieren sich an dem jeweiligen Bedarf der zu betreuenden Person und an dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Angeboten werden zum Beispiel:

  • Motivation zur aktiven Mitarbeit;
  • Informationen und Beratung bezüglich des Bewährungsverfahrens (zum Beispiel Anträge auf gerichtliche Maßnahmen wie: Verkürzung der Bewährungs- oder Unterstellungszeit, Änderung von Auflagen und Weisungen, Wechsel von Bewährungshelferin oder Bewährungshelfer, richterliche Anhörung);
  • Beratung, Unterstützung und praktische Hilfen bei persönlichen, finanziellen und anderen Problemen; Beratung, Unterstützung und praktische Hilfen im Umgang mit Behörden (zum Beispiel Arbeitsagentur, Wohnungsamt, Sozialamt);
  • Informationen über und Vermittlung an Beratungsstellen (zum Beispiel Suchtberatung, Schuldnerberatung, Ehe- und Erziehungsberatung);
  • Informationen über therapeutische Einrichtungen.

Die Bewährungshilfe bietet keine unmittelbare finanzielle Hilfe. Bei Arbeitsplatz- und Wohnraumbeschaffung unterstützt sie die Straffälligen durch Beratung und Vermittlung.

Kontroll- und Überwachungsfunktionen

Die Kontroll- und Überwachungsfunktionen gehören zum gesetzlichen Auftrag der Bewährungshilfe und beinhalten:

  • Überwachen der Einhaltung von Auflagen und Weisungen, die im Bewährungsbeschluss aufgeführt sind;
  • Erstellen von Berichten an das Aufsicht führende Gericht über den Bewährungsverlauf und die Lebensführung (zum Beispiel Wohnsituation, Arbeit/Ausbildung);
  • Mitteilung an das Gericht über bekannt gewordene neue Straftaten;
  • Dokumentation des Bewährungsverlaufs in einer Akte. Es werden die Durchschriften der Berichte an das Gericht sowie sonstiger Schriftwechsel in der Bewährungszeit und Vermerke über Zusammentreffen festgehalten.

Das zuständige Gericht kann jederzeit Informationen über den Bewährungsverlauf einholen.

Wie arbeitet die Bewährungshilfe?

Ziel der Bewährungshilfe ist die Verhinderung neuer Straftaten durch gezielte fachliche Unterstützung. Eigenverantwortliches Handeln und gesellschaftliche Integration werden gefördert. Die Betreuungsarbeit erfolgt nach anerkannten Methoden der Sozialarbeit. Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer sind um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Probandinnen und Probanden bemüht. Dennoch sind sie zur Neutralität verpflichtet und fungieren keinesfalls als Anwalt der Klientel.

Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer unterliegen der Schweigepflicht. Informationen aus dem persönlichen Lebensbereich der zu Betreuenden dürfen an Außenstehende nicht ohne Zustimmung der Probandin oder des Probanden weitergegeben werden. Zuwiderhandlungen werden nach § 203 Absatz 1 Strafgesetzbuch (StGB) bestraft.
Aber: Ein Zeugnisverweigerungsrecht besteht nicht. Wenn aufgrund einer neuen Straftat ein Gerichtsverfahren stattfindet und das Gericht die Bewährungshelferin
oder den Bewährungshelfer als Zeugin oder Zeugen vorlädt, kann die Aussage nicht verweigert werden.
Grundsätzlich werden Berichtsinhalte und Dokumentationen mit den Betroffenen besprochen.
Ein Wechsel der Bewährungshelferin oder des Bewährungshelfers ist unter Umständen möglich. Hierüber entscheidet das zuständige Gericht auf Antrag. Die dienstrechtliche Zuständigkeit liegt bei den Landgerichten.

Was wird erwartet?

Es wird von den Probandinnen und Probanden die Bereitschaft zur Mitarbeit erwartet. Dazu gehören unter anderem:

  • Mitteilung über alle Veränderungen, die für die Bewährung relevant sind (zum Beispiel Adressenänderung, Wechsel der Arbeitsstelle);
  • Einhaltung von getroffenen Terminen und Absprachen;
  • Einhaltung der im Bewährungsbeschluss genannten Punkte (z.B. Schadenswiedergutmachung, Arbeitsauflage, Therapieweisung, straffreies Leben). 

Wann endet die Zusammenarbeit?

Die Zusammenarbeit ist zeitlich begrenzt und richtet sich nach der Unterstellungszeit, die im Bewährungsbeschluss festgelegt ist und häufig der Bewährungszeit entspricht. Die Unterstellungszeit kann verkürzt oder bis (längstens) zum Ablauf der Bewährungszeit verlängert werden. Auch die Bewährungszeit kann verkürzt oder verlängert werden.

Die Bewährung endet durch Straferlass, wenn

  • keine neuen Straftaten in der Bewährungszeit begangen worden sind (kein neues Ermittlungsverfahren, keine neue Anklage oder Verurteilung);
  • Auflagen und Weisungen aus dem Bewährungsbeschluss erfüllt sind.

Die Bewährung kann durch Widerruf enden, wenn

  • neue Straftaten verübt worden sind oder
  • gegen Auflagen oder Weisungen verstoßen worden ist.

Von einem Widerruf kann abgesehen werden, wenn es ausreicht, zusätzliche Auflagen oder Weisungen zu erteilen und/oder die Bewährungszeit zu verlängern. Anträge auf gerichtliche Maßnahmen wie Verkürzung der Bewährungszeit, Änderung der Auflagen oder Weisungen können jederzeit bei dem zuständigen Gericht gestellt werden.

Sinnvoll ist es, dass entsprechende Anträge vorher zwischen der Probandin bzw. dem Probanden mit der Bewährungshelferin oder dem Bewährungshelfer besprochen werden.

Bewährungshilfe ist eine Form der ambulanten Straffälligenhilfe, in der der Staat die Mitverantwortung für die Wiedereingliederung straffällig gewordener Bürgerinnen und Bürger übernimmt. Sie wird überwiegend von hauptamtlichen Fachkräften, den Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfern ausgeübt. In Ausnahmefällen kann sie auch ehrenamtlich erfolgen.

Wer sind die Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer?

Hauptamtliche Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Justiz. Organisatorisch sind sie in Schleswig-Holstein den Landgerichten zugeordnet.

Die Dienstaufsicht obliegt der jeweiligen Landgerichtspräsidentin beziehungsweise dem jeweiligen Landgerichtspräsidenten. Die Fachkräfte der Bewährungshilfe haben in der Regel ein Studium der Fachrichtung Sozialarbeit/Sozialpädagogik an einer Fachhochschule absolviert und die staatliche Anerkennung erlangt.

In Schleswig-Holstein gibt es derzeit 75 Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer, denen circa 4.500 Probandinnen und Probanden unterstellt sind.

Das jeweils zuständige Gericht trifft die Entscheidung, ob eine Bewährungshelferin oder ein Bewährungshelfer beigeordnet wird. Bei Jugendlichen erfolgt zwangsläufig eine Beiordnung. Die Bewährungsaufsicht führt die zuständige Richterin oder der zuständige Richter.

Die Aufgaben der Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer sind im Strafgesetzbuch und im Jugendgerichtsgesetz geregelt. Sie richten sich nach dem gesetzlichen Auftrag und nach dem Betreuungs- und Beratungsbedarf der Probandinnen und Probanden.

Berufsbild: Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer

Die hauptamtlichen Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer sind den vier Landgerichten Flensburg, Itzehoe, Kiel und Lübeck zugeordnet. Die Dienstaufsicht obliegt der jeweiligen Landgerichtspräsidentin beziehungsweise dem jeweiligen Landgerichtspräsidenten.

Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer stehen den zu einer Freiheitsstrafe Verurteilten (Probanden) während der Bewährungszeit helfend und betreuend zur Seite. Sie haben die Erfüllung der gerichtlichen Auflagen und Weisungen zu überwachen und dem Gericht hierüber sowie über die Lebensführung und Entwicklung der Verurteilten zu berichten. Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer geben den Probanden Hilfestellung im täglichen Leben (Wohnung- und Arbeitssuche, Regelung der finanziellen Probleme und vieles mehr) und sollen diese vor neuen Straftaten bewahren. Zur Erreichung dieses Zieles arbeiten sie mit anderen Einrichtungen und Stellen zusammen, die an der Eingliederung von Straftätern in die Gesellschaft mitwirken. Die Betreuung und Beaufsichtigung von Probanden unter Führungsaufsicht erfordert besondere berufliche Erfahrungen in der Bewährungshilfe. 

Zum Herunterladen:

Anordnung über die Organisation der Bewährungs- und Gerichtshilfe (OrgBG)
Bewährungs- und Gerichtshilfegesetz
Gesamtverzeichnis der Bewährungs- und Gerichtshelfer