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Herdenschutz

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Warum reißen Wölfe Nutztiere

Die Überlebensstrategie eines Wildtieres ist die, mit möglichst wenig Energieaufwand viel Beute zu machen. Wölfe jagen meist so, dass ein potenzielles Beutetier wie bspw. ein Reh oder Rothirsch, von seiner Gruppe getrennt, gehetzt und dann erlegt wird. Auf einer Weide mit Schafen stellt sich für den Wolf jedoch eine andere, unnatürliche Situation dar. Die Tiere sind auf einer begrenzten Fläche, welche meist ein weglaufen verhindert. Wenn ein Tier gerissen wird, ist der Rest der Herde panisch und läuft weiter auf der Fläche hin und her. Dies löst bei dem Wolf immer wieder den Jagdinstinkt aus, so dass es während eines einzelnen Angriffs zu mehreren verletzten und toten Tieren kommen kann.

Schafe, Ziegen oder Gehegewild können, sind ihre Weideflächen nicht ausreichend geschützt, zu einer leichten Beute des Wolfes werden. Es ist also wichtig, dass die Zäunungen von Weideflächen wolfssicher sind.

Ein Wolf sucht seine Beute meist, indem er mit der Nase am Boden Witterung aufnimmt und dieser folgt. Trifft er dabei auf einen Zaun, der ihn von seiner möglichen Beute trennt, wird er ihn untersuchen, um einen Weg zu finden, diesen zu überwinden. Steht der Zaun unter ausreichend Strom, bekommt das Tier einen schmerzhaften Schlag. Im besten Fall meidet es künftig Zäune und Schafe. Hält der Zaun jedoch weder Strom noch einen geeigneten Untergrabeschutz vor, kann er leicht vom Wolf überwunden oder untergraben werden. Da Wölfe sehr lernfähige Tiere sind, besteht nach einem Erfolgserlebnis die Gefahr, dass erneute Übergriffe auf Nutztiere stattfinden und es im schlimmsten Fall zu einer Spezialisierung auf Nutztiere kommt.

Welche Schutzmaßnahmen gibt es

Um Nutztierschäden durch Wölfe weitestgehend zu vermeiden, werden Nutztierhalter in Schleswig-Holstein gebeten, sich auf die mögliche Anwesenheit von Wölfen einzustellen und ihre Tiere durch entsprechende Präventionsmaßnahmen zu schützen. Dies gilt insbesondere für die Tierhalter, die ihre Betriebe innerhalb des ausgewiesenen Wolfsgebietes haben.

Standardschutz Elektronetze

In Schleswig-Holstein sollten Elektronetze eine ausreichende Stromversorgung von mindestens 3000, besser 5000 Volt, sowie einer Mindesthöhe von 106 cm ausgestattet sein. Ein Wolf wird meistens versuchen, sich unter ein Hindernis durchzugraben. Sind die Netze mit ausreichend Strom versorgt, stellen sie eine verhältnismäßig wolfssichere Zaunvariante dar. Die Netze dürfen natürlich nicht beschädigt und müssen sicher aufgestellt sein. Bodenunebenheiten sind entsprechend auszugleichen.

Zusatzschutz Elektronetze mit Breitbandlitze

Breitbandlitze über Flexinetz Breitbandlitze über Flexinetz (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Breitbandlitze über Flexinetz © A. Klingenberger

Nach einem Riss oder bei einem Rissvorkommen in unmittelbarer Nähe, kann eine zusätzliche Breitbandlitze gezogen werden, um den Schutz der Herde kurzfristig zu erhöhen. Die Litze wird 20 cm über dem Elektronetz gespannt (Aufstellen durch Kunststoffpfähle mit 140 cm Höhe) und dient als zusätzliche, optische Barriere (Höhe, Bewegung im Wind).

Standardschutz Litzenzäune

Als wolfssicher geltende Litzenzäune sollten eine Mindesthöhe von 100 cm, besser 120 cm aufweisen und über mindestens 4, besser 5 Litzen verfügen. Die Litzen sollten einen Abstand von 20-30 cm zueinander betragen. Der Abstand der untersten Litze zum Boden und der ersten zur zweiten Litze, sollte dabei nicht mehr als 20 cm betragen.

Litzenzaun Litzenzaun (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Litzenzaun © Y. Krummheuer

Zusatzschutz Litzenzäune

Nach einem Riss oder bei Rissvorkommen in unmittelbarer Nähe, können Baubandstreifen in etwa 3 m Entfernung zueinander, entlang der obersten Litze angebracht werden. Durch die flatternde Bewegung im Wind kann diese Maßnahme als eine kurzfristige Sicherung der Weideflächen dienen (Vorsicht Gewöhnungsgefahr).

Standardschutz Festzäune

Festzaun mit stromführender Litze Festzaun mit stromführender Litze (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Festzaun mit stromführender Litze © A. Klingenberger

Sind Nutztiere durch einen Festzaun gesichert, beispielsweise durch einen Wild- oder Knotengeflechtzaun, ist es wichtig, dass der Zaun eine Mindesthöhe von 120 cm vorhält, einen guten Bodenschluss hat und intakt ist.

Festzäune

Festzäune zur Gewährleistung der Hütesicherheit bestehen in der Regel aus Knoten- oder Ursusgeflecht mit einer Höhe von 90 bis 100 cm.

Festzäune können durch folgende Maßnahmen wolfsabweisend ertüchtigt werden:

Durch drei stromführende Drahtlitzen, von denen die erste in 20 cm Abstand zum Boden (Untergrabschutz) angebracht wird, die zweite in halber Höhe und die dritte am oberen Rand des Zaunes mit Ringisolatoren (Stiellänge 10 cm) an der Außenseite angebracht. Alle drei stromführenden Litzen müssen zu jeder Zeit eine Spannung von mindestens 3.500 Volt aufweisen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass höhere Stromspannungen – um die 5.000 Volt – einen noch umfassenderen Schutz der jeweiligen Nutztiere gewährleisten können.
Alternativ kann ein Knotengeflecht als Untergrabschutz mit Bindedraht am vorhandenen Zaun befestigt und in 80 – 100 cm Breite nach außen flach am Boden ausgelegt und mit Erdankern befestigt werden.
Bei Neuzäunungen kann der Untergrabeschutz auch dadurch gewährleistet werden, dass das Knotengeflecht 40 – 50 cm tief in den Boden gesetzt wird.

Kurzfristiger Schutz Lappzäune

Mit den sogenannten Lappzäunen hat man früher Wölfe gefangen, da sich die Tiere nicht durch die flatternden Bänder wagen. Bunte Lappen (bspw. Bauband) können in ca. 1 m Abstand zueinander an einer Schnur befestigt und um die Zäunung gespannt werden. Lappzäune werden bspw. nach einem Riss eingesetzt, wenn keine andere Schutzvariante zeitnah durchgeführt werden kann. Diese Methode bietet nur einen kurzfristigen Schutz, da sich Wölfe mit großer Wahrscheinlichkeit nach einiger Zeit an diese Zaunvariante gewöhnen und dann überwinden.

Für die Weidetierhaltung in Wolfsgebieten gilt generell

! Gräben sollten immer mitgekoppelt werden, denn für Wölfe stellen offene Gräben kein Hindernis dar.

! Ein guter Bodenschluss sollte bei allen Zaunvarianten gegeben sein.

! Die tägliche Prüfung des Weidezauns auf seine Funktionstüchtigkeit ist empfehlenswert und gehört zur guten fachlichen Praxis.

! Zur Vermeidung von Stromverlust, sollte entlang der Zäunung regelmäßig gemäht werden.

! Während der Ablammungs- oder kalbunszeit ist ein besonderer Schutz der Tiere empfehlenswert, bspw. durch Einstallung, gut gesicherte Weiden oder Nachtpferche.

! Außerhalb der Weidesaison sollten Weidezäune nicht ohne Stromversorgung stehen bleiben, um zu verhindern dass Wölfe das überwinden der Zäune erlernen.