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Biologie und Ökologie des Wolfes (Canis lupus)

Staatskanzlei

Biologie und Ökologie des Wolfes (Canis lupus)

Wölfe sind sehr anpassungsfähige Säugetiere und kommen in unterschiedlichsten Regionen der Erde vor. Zoologisch gehören Wölfe zu den Fleischfressern (Carnivora) und zur Familie der Hunde (Canidae), genauso wie beispielsweise der Fuchs oder der Haushund.

Ursprünglich waren Wölfe auf der gesamten nördlichen Halbkugel verbreitet. Sie haben sich den unterschiedlichsten Lebensräumen angepasst und kommen sowohl in der Arktis als auch in gemäßigten Mischwäldern oder Steppen und subtropischen Wäldern Asiens vor. Die Palette ihrer Beutetiere ist daher ebenfalls breit gefächert und richtet sich nach der Verfügbarkeit ihres jeweiligen Lebensraumes.

Aktuelle Wolfsverbreitung in Europa“ und dem Textzusatz/der Legende: Dunkelgraue Felder = permanentes Vorkommen, hellgraue Felder = sporadisches Vorkommen, Blaue Schrift = Angabe der jeweiligen Teilpopulation Verbreitung Wolf Europa (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Aktuelle Wolfsverbreitung in Europa“ und dem Textzusatz/der Legende: Dunkelgraue Felder = permanentes Vorkommen, hellgraue Felder = sporadisches Vorkommen, Blaue Schrift = Angabe der jeweiligen Teilpopulation © Large Carnivore Initiative for Europe, aus KACZENSKY ET AL., 2013

Die Vielfalt der für die Wölfe nutzbaren Lebensräume führt dazu, dass Wölfe auch in verschiedenen Größen und Farbvarianten vorkommen. So gibt es beispielsweise die weißen Polarwölfe oder die hellbraun bis beigefarbenen Tiere, die in Steppenregionen vorkommen. In Europa weisen Wölfe im Rückenbereich eine dunkle Färbung auf. Im Bauchbereich sind sie meist hell bis ockerfarben, die Seiten erscheinen grau und ihr Fang ist durch eine helle Färbung gekennzeichnet. Die Fellbeschaffenheit wechselt im Laufe der Jahreszeiten (Sommer- und Winterfell) und kann daher in Färbung und Volumen variieren. Der Verlauf des Rückens ist gerade und der Gang des Wolfes sieht leicht federnd aus.

Verwechslung mit Hunden

Hunderassen wie der Tschechoslowakische Wolfshund oder der Saarloos Wolfshund sind leicht mit Wölfen zu verwechseln. Trifft man diese Hunde auf einige Entfernung an, sind diese selbst von Fachleuten nicht sicher von einem Wolf zu unterscheiden.

Das Wolfsrudel

Das Bild eines Wolfsrudels als harter und strikt hierarchisch gegliederter Verband entstand aufgrund von Beobachtungen die an Wölfen in Tier- und Wildparks beobachtet wurden. In Gefangenschaft werden Wölfe oftmals mit unterschiedlicher Herkunft auf engem Raum zusammengesperrt, so dass ein Abwandern und eine eigene Revierbildung nicht möglich sind. Unter diesen Bedingungen bilden die Tiere eine Rangordnung und es entstanden die Bezeichnungen "Alpha- oder Betawolf", welche heute keine Verwendung mehr finden.

Unter natürlichen Bedingungen ist ein Wolfsrudel ein Familienverband. Ein Wolfspaar etabliert ein eigenes Territorium und zieht dort seine Welpen groß. Ein Wolfspaar bleibt in der Regel ein Leben lang zusammen. Neben den adulten Wölfen und den Welpen des aktuellen Jahres, gibt es in den Rudeln noch die Jungtiere des Vorjahres. Die meisten Jungwölfe wandern im Alter von ein bis zwei Jahren ab, um sich ein eigenes Territorium zu suchen und selbst ein Rudel zu gründen. In Mitteleuropa liegt die Territoriumsgröße eines Wolfsrudels bei ca. 150-300 Quadratkilometern. In Skandinavien oder der Arktis können die Territoriumsgrößen sogar ein Vielfaches betragen.

Wölfe sind hochmobile Tiere, besonders abwandernde Jungtiere können auf der Suche nach einem eigenen Territorium besonders weite Strecken zurücklegen. Manchmal wandern sie über 1000 km, und dies in nur wenigen Wochen.

Wölfe verfügen über hochentwickelte Sinnesorgane

Wolfslosung enthält meistens Haare und Knochen des Beutetieres Wolfslosung (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Wolfslosung enthält meistens Haare und Knochen des Beutetieres © Yvette Krummheuer

Wölfe haben extrem gut ausgebildete Sinnesorgane. Ein hervorragendes Gehör und ein ausgeprägter Geruchssinn ermöglicht es ihnen, sich auch nachts zu orientieren oder Beute und Artgenossen aus weiter Distanz wahrzunehmen. Der Geruchssinn spielt für Wölfe eine tragende Rolle, beispielsweise bei dem Aufspüren ihrer Beute oder bei der innerartlichen Kommunikation über Duftmarken. Diese helfen, das Territorium abzustecken und entsprechend zu markieren (Absetzen von Urin oder Losung).


Steckbrief Wolf

Merkmale Europäischer Grauwolf

  • Schulterhöhe 60 – 90 cm
  • Gewicht 30 – 50 kg
  • Fell hellbraun bis grau, Maske dunkel mit hellen Partien am Fang und Kehle
  • Jungtiere unterscheiden sich nach 10 Monaten kaum von den Alttieren

Rudel

  • Familienverband bestehend aus Eltern, Jährlingen und Welpen
  • Ausgeprägtes Sozialverhalten
  • Reviergröße in Mitteleuropa 150-350 Quadratkilometer
  • Reviermarkierung durch Absetzen von Urin und Losung
  • Legt oft weite Strecken zurück, bei Abwanderung bis 70 km/Tag möglich

Fortpflanzung

  • Ranzzeit: Januar – März
  • Geschlechtsreife nach 22 Monaten
  • Jungtiere wandern meist mit 1-3 Jahren ab
  • Manche gründen neues Revier in direkter Nachbarschaft zum Elternrevier, andere wandern viele hundert Kilometer weit

Kommunikation

  • Großes Repertoire an Körpersprache, Lauten und Duftstoffen
  • Durch Heulen nehmen sie Kontakt zu anderen Wölfen auf

Nahrung

  • Wildlebende Huftiere (Rotwild, Rehwild, Schwarzwild)
  • Seltener Aas, Beeren, Früchte und Kleinsäuger
  • Bei leichtem Zugang auch Haustiere wie bspw. Schafe und Ziegen
  • Tägl. Mindestbedarf im Durchschnitt: 2-3 Kg Fleisch

Schutzstatus

  • Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES - Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora)
  • Berner Konvention (Übereinkommen zum Schutz europäischer wildlebender Pflanzen, Tiere)
  • FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, 92/43/EWG)