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Erfassung von Altstandorten

Staatskanzlei

Erfassung von Altstandorten

Zu den Altstandorten zählen ehemalige Gewerbegrundstücke sowie sonstige Grundstücke, auf denen umweltrelevante Stoffe eingesetzt worden sind, so dass eine schädliche Bodenveränderung nicht auszuschließen ist oder sonstige Gefahren für den einzelnen und die Allgemeinheit hervorgerufen werden können.

Altstandorte wurden in Schleswig-Holstein bereits seit 1986 zunächst auf der Grundlage von Erlassen durch die Kreise und kreisfreien Städte erfasst. Seit 1999 bzw. 2002 regeln das Bundes-Bodenschutzgesetz sowie das Landesbodenschutz- und Altlastengesetz die Erfassung und deren Ausführung. Um eine landesweit einheitliche Erfassung zu gewährleisten, entwickelte das heutige LLUR eine standardisierte Vorgehensweise für die Erhebung und Erstbewertung von Altstandorten, die mit der Veröffentlichung des Altlasten-Leitfadens Schleswig-Holstein Erfassung 2003 erstmals verbindlich eingeführt wurde und seither kontinuierlich weiter entwickelt wird.

Für die systematische historische Erhebung von Altstandorten werden primär historische Adressbücher und Gewerbemeldedaten hinsichtlich altlastrelevanter Branchennennungen ausgewertet. Als Ergebnis der digitalen Datenaufnahme liegt ein Adressenpool aller potentiellen Altstandorte vor, dieser wird in einer landesweit einheitlichen Datenbank in einem sogenannten Prüfverzeichnis (P1) verwaltet.

Um aus den ermittelten Flächen die tatsächlich altlastrelevanten Altstandorte gemäß § 2 BBodSchG und § 3 BBodSchV herauszufiltern, ist eine Erstbewertung nach festgelegten Vorgaben erforderlich. Sofern eine fachlich abgesicherte Verdachtsentkräftung festgestellt wird, kann der Standort frühzeitig aus der weiteren Bearbeitung ausgeschieden und in ein Archiv überstellt werden (A1/ A2).

Im Folgenden werden die Verfahrensschritte der Erstbewertung von Altstandorten kurz beschrieben.

Bei der Vorklassifizierung werden Nutzungszeitraum und Betriebsdauer kritisch auf ihre tatsächliche Altlastenrelevanz geprüft. Grundlage sind die sogenannten Negativlisten. Sofern Hinweise vorliegen, dass die Ausübung des Gewerbes in Schleswig-Holstein ohne Gefährdungsvermutung ist, werden die Standorte ebenfalls in das Archiv (A 1) überstellt. Gleiches gilt auch für Gewerbe, die nur in einem altlastirrrelevanten Zeitraum bzw. mit einer sehr kurzen Nutzungsdauer erfasst wurden.

Im Rahmen der multitemporalen Kartenauswertung werden historische und aktuelle Karten ausgewertet, um sowohl eindeutig altlastirrelevante Standortnutzungen zu identifizieren als auch Standortgegebenheiten zu ermitteln, die die Ausübung eines Gewerbes nicht im altlastrelevanten Maßstab zulassen.
Bei der Bauaktenauswertung wird die tatsächliche Nutzungsgeschichte der Fläche festgestellt. Fälle mit eindeutig altlastirrelevanten Szenarien wie z.B. einer reinen Wohn- oder Büronutzung werden umgehend ausgeschieden und archiviert (A1).

Der verbleibende Datenbestand wird um bewertungsrelevante Informationen ergänzt, so dass eine Klassifizierung als letzter Schritt der Erstbewertung durchgeführt werden kann. Die Klassifizierung von potentiell altlastverdächtigen Altstandorten wird nach festgelegten Bewertungskriterien durchgeführt, denen jeweils eine Standardpunktzahl zugeordnet ist. Um das Bewertungssystem flexibel zu gestalten, sind Abweichungen von der Regelbepunktung in vorgegebenen Grenzen möglich, die nachvollziehbar zu begründen sind. Durch dieses "offene System" findet der Einzelfall mit seinen spezifischen Besonderheiten weitestgehend Berücksichtigung.

 Ablaufschema der Erstbewertung von Altstandorten Ablaufschema der Erstbewertung von Altstandorten (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Ablaufschema der Erstbewertung von Altstandorten © LLUR

Ziel der Klassifizierung ist sowohl die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit einer Gefährdung als auch die Festlegung des weiteren Handlungsbedarfes für den jeweiligen Einzelfall.

Als Ergebnis der Erstbewertung sind folgende Einstufungen möglich:

  • Kategorie Archiv (A1):
    Keine Bestätigung des Altlastenverdachtes (parameterunabhängig).
  • Kategorie Archiv (A2):
    Unter den gegebenen Umständen besteht kein Verdacht einer Gefährdung (parameterabhängig).
  • Kategorie Kataster K/ Prüfverzeichnis P2:
    Eine Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit kann nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Entsprechende Flächen werden gemäß § 5 LBodSchG nach abgeschlossener Eigentümerinformation als altlastverdächtige Flächen oder Altlasten in die kommunalen Altlastenkataster bzw. in das Altlasteninformationssystem des Landes eingestellt (Kategorie K). Zuvor werden die Flächen im Prüfverzeichnis P2 geführt.

Flächen, für die eine unzureichende Bewertungsgrundlage festgestellt wurde, werden außerhalb des Katasters verwaltet und verbeiben als nicht bewertbar (n. b.) im Prüfverzeichnis P1.

Durch die Verfahrensschritte der Erstbewertung erfolgt eine kontinuierliche Abnahme der Fallzahl. Erfahrungsgemäß werden nur ca. 7-10% der ursprünglich erfassten Standorte als tatsächlich altlastverdächtig in die Kategorie K eingestuft und in das Altlastenkataster überführt.

 Beispielhaftes Erstbewertungsergebnis für eine Stadt in Schleswig-Holstein Beispielhaftes Erstbewertungsergebnis für eine Stadt in Schleswig-Holstein © LLUR

Die systematische, historische Erhebung von Altstandorten ist in Schleswig-Holstein seit 2009 landesweit abgeschlossen. Bis Ende 2017 lagen für ca. 87.453 Flächen Hinweise auf eine altlastrelevante Nutzung in der Vergangenheit vor. Seit Beginn der 2000er Jahre bis 2016 wurde die Erstbewertung von Altstandorten im Rahmen von Landes- und Altlastenförderprojekten schwerpunktmäßig in allen Gebietskörperschaften durchgeführt. Während dieses Zeitraumes konnte dieser Verfahrensschritt mit Ausnahme der beiden kreisfreien Städte Kiel und Lübeck für alle Städte sowie alle prioritär zu bearbeitenden Gemeinden in den Landkreisen abgeschlossen werden.

Landesweit wurden von den erfassten 87.453 Standorten bisher 74.982 hinsichtlich ihres Gefährdungspotentials überprüft. Mit mehr als 65.000 Flächen wurde der weitaus größte Teil im Zuge des ersten Schrittes der Altlastenbearbeitung – der Erstbewertung und historischen Erkundung – verdachtsentkräftet. Weitere Verdachtsentkräftungen ergaben sich im Rahmen von 1.718 Gefährdungsabschätzungen und 993 Sanierungen.

In den unten stehenden Abbildungen ist die aktuelle Anzahl an potentiell altlastverdächtigen Flächen sowie altlastverdächtige Altstandorte in den jeweiligen Landkreisen und den kreisfreien Städten des Landes dargestellt. Derzeit zählen 5.032 altlastverdächtige Altstandorte zum Altlastenkataster.

Mit Stand 12/2017 sind noch 12.471 Standorte hinsichtlich ihrer Altlastenrelevanz zu überprüfen, von denen sich 7.544 Standorte in den kleineren Gemeinden der 11 Landkreise und 4.927 in den beiden großen kreisfreien Städten befinden. Die Erstbewertung von Altstandorten wird auch weiterhin kontinuierlich fortgesetzt, um die Arbeiten landesweit vollständig abzuschließen.

Mit dem Aufbau der Altlastenkataster liegen den kommunalen Verwaltungen und letztendlich den Bürgern wichtige Informationen vor, die u.a. eine entscheidende Grundlage für die Bauleitplanung, das Baugenehmigungsverfahren sowie den Grundstücksverkehr sind.

Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte mit dem jeweiligen Anteil altlastverdächtiger Flächen (Katasterfälle) in den Landkreisen Schleswig-Holsteins (Stand 12/2017)Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte mit dem jeweiligen Anteil altlastverdächtiger Flächen (Katasterfälle) in den Landkreisen Schleswig-Holsteins (Stand 12/2017) © LLUR

Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte mit dem jeweiligen Anteil altlastverdächtiger Flächen (Katasterfälle) in den kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins (Stand 12/2017)  Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte mit dem jeweiligen Anteil altlastverdächtiger Flächen (Katasterfälle) in den kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins (Stand 12/2017) © LLUR